Tag Archives: Agrarpolitik

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EGRR fordert mehr Unterstützung der regionalen Landwirtschaft seitens Politik und Wirtschaft.

EGRR fordert mehr Unterstützung der regionalen Landwirtschaft seitens Politik und Wirtschaft.

Die EGRR fordert steigenden Anspruch der Gesellschaft an dezentrale Versorgungskonzepte zu fördern. (Bildquelle: Vanessa Leißring)

Regionale Produkte werden immer beliebter. Laut Ernährungsreport des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) legen 76 Prozent der befragten Verbraucher Wert auf regionale Lebensmittel. „Wir begrüßen diesen aktuellen Trend. Der stetig steigende gesellschaftliche Anspruch an dezentrale Versorgungskonzepte muss als Chance ernst genommen werden“, sagt Gerfried I. Bohlen, Vorstandsvorsitzender der Energiegenossenschaft Rhein-Ruhr eG (EGRR).
Laut dem „aid infodienst“, Informationsanbieter rund um Landwirtschaft, Lebensmittel und Ernährung, ist das Essen hierzulande für ein Fünftel der Treibhausemissionen verantwortlich. Laut Bohlen gehöre die landwirtschaftliche Organisation und deren Gestaltung daher primär dorthin, „wo Landwirtschaft betrieben wird und nicht in irgendwelche Institutionen fern ab der praktischen Notwendigkeit“. In diesem Zusammenhang kritisiert der EGRR-Vorstandsvorsitzende das aktuelle Bestreben von Teilen der Politik, den Bedarf an landwirtschaftlichen Nahrungsmitteln industriell zu erzeugen. Diese „wirtschaftspolitische Fehlorientierung“ diene dem monetären Nutzen weniger börsennotierter, global orientierter Unternehmen. Bohlen: „Internationale Handelsabkommen wie CETA und TTIP forcieren den Niedergang der Bauernschaft.“ Stattdessen sollten „die Interessen der regional orientierten Vernunft in den Mittelpunkt der bundesdeutschen Agrarpolitik gestellt werden“.
Politik und Wirtschaft seien gefordert, die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten der Landwirtschaft zu unterstützen. Zudem bedürfe die weitere Entwicklung der ländlichen Regionen der besonderen Aufmerksamkeit aller Menschen. „Eine sich stabilisierende wirtschaftliche Infrastruktur mit allen nachhaltigen Vorteilen für die Umwelt und für das Klima kann und muss gelingen. Ohne eine gesunde regionale bäuerliche Infrastruktur ist auch der innere Frieden mehr als gefährdet“, so Bohlen.

Die Energiegenossenschaft Rhein Ruhr eG (EGRR) mit Sitz in Dinslaken wurde im Juli 2007 durch Gerfried I. Bohlen gegründet und beschäftigt heute neun Mitarbeiter. Mit starken Partnern, 20.000 Kunden und mehr als 4.000 Mitgliedern setzt sich die EGRR – anders als die meisten anderen Energiegenossenschaften – bundesweit für die Umsetzung der Energiewende und eine lebenswerte Zukunft ein. Als „alternatives Unternehmen“, das transparent und ohne Gewinnabsicht arbeitet, stellt sie sich dabei dem Markt mit den Produkten Strom und Gas, einer fundierten Energieberatung sowie einem ausgeprägten Service.

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Deutsche und französische Ölsaatenerzeuger fordern Umdenken in der Pflanzenschutzpolitik

Auf Einladung der Federation franaise des producteurs d’oleagineux et de proteagineux (FOP) haben Vertreter der FOP unter dem Vorsitz ihres stellvertretenden Vorsitzenden, Arnaud Rousseau, und der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) unter Leitung ihres Vorsitzenden, Wolfgang Vogel, am 7. September 2016 in Paris über die aktuelle Situation der Ernte und weitere Fragen des Sektors beraten. Im Zusammenhang mit der offenen Entscheidung über die Zukunft der EU-Biokraftstoffpolitik nach 2020 betonten beide Organisationen die große Bedeutung der Zusammenarbeit in der European Oilseeds Alliance (EOA) in Brüssel. FOP und UFOP repräsentieren die wichtigsten Branchenorganisationen von Ölsaaten und Eiweißpflanzen in Frankreich und Deutschland.

In einer Zeit der Unsicherheiten durch die Brexit-Entscheidung und durch unzureichende Antworten auf die gesellschaftlichen Fragen zu den Zielen und Hintergründen der EU verständigten sich FOP und UFOP in einem Austausch mit dem Präsidenten des französischen Bauernverbandes (FNSEA), Xavier Beulin, darauf, einen gemeinsamen Ansatz zur Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) und zu anderen Fragen des Sektors zu entwickeln. Die Basis dafür ist ein hohes Maß an gegenseitigem Verständnis über die jeweilige Situation. Beide Organisationen fordern eine GAP, die entsprechend den hohen Ansprüchen ausreichend finanziert ist.

Nach einem Anbaujahr mit großen Schwierigkeiten für die von schlechten Witterungsbedingungen betroffenen Landwirte, die niedrige Erträge und vereinzelt auch schlechte Qualitäten zur Folge hatten, diskutierten FOP und UFOP über die Frage der Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln als wichtiges Betriebsmittel für die Pflanzenproduktion. Sie zeigen sich besorgt, dass die zunehmende Einschränkung von Wirkstoffen geradewegs zu mehr Schädlingsresistenzen führt.

Sie bekräftigen insbesondere die Notwendigkeit der Kohärenz in den politischen Entscheidungen. Der Gesetzgeber könne nicht zur gleichen Zeit mehr Diversifizierung in der Fruchtfolge fordern und sich den Einsatz von Leguminosen als heimische Eiweißquelle fördern aber auf der anderen Seite Landwirte davon abhalten, ihre Pflanzen zu schützen und zu ernähren. Die aktuellen Vorschläge der EU-Kommission zur Vereinfachung des Greenings, könnten die entgegengesetzten Effekte haben als eigentlich beabsichtigt. Daher fordern FOP und UFOP eindringlich eine Änderung der Betrachtungsweise in diesen Fragen.

Die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V. (UFOP) vertritt die politischen Interessen der an der Produktion, Verarbeitung und Vermarktung heimischer Öl- und Eiweißpflanzen beteiligten Unternehmen, Verbände und Institutionen in nationalen und internationalen Gremien. Die UFOP fördert Untersuchungen zur Optimierung der landwirtschaftlichen Produktion und zur Entwicklung neuer Verwertungsmöglichkeiten in den Bereichen Food, Non-Food und Feed. Die Öffentlichkeitsarbeit der UFOP dient der Förderung des Absatzes der Endprodukte heimischer Öl- und Eiweißpflanzen.

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Online-Tipps zum Thema Greening von der AGRAVIS Raiffeisen AG

Online-Tipps zum Thema Greening von der AGRAVIS Raiffeisen AG

Durchblick im Greening-Dschungel: Im neuen Greening-Bereich der Website der AGRAVIS Raiffeisen AG gibt es ab sofort wichtige Hintergrundinformationen zum Greening sowie Entscheidungshilfen für den Landwirt, um die individuelle betriebsoptimale Greening-Strategie zu finden.

Zum Hintergrund: Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union (EU) wurde in den vergangenen Jahren umfassend reformiert und die Förderung der landwirtschaftlichen Betriebe in diesem Zusammenhang grundlegend umgestellt. Die schwerwiegendste Änderung Ist, dass ab 2015 die bisher bestehende Betriebsprämie für landwirtschaftliche Betriebe durch eine sogenannte Basis- und eine Greeningprämie abgelöst wurde. An den Bezug der Greeningprämie sind vielfältige Verpflichtungen geknüpft. Je nach Ausgangssituation sind die Optionen für den landwirtschaftlichen Betrieb, die Verpflichtungen ökologisch und ökonomisch in Einklang zu bringen, sehr vielfältig und komplex.

Im Greening-Bereich zeigt die AGRAVIS Beispiellösungen, wie ökologische Vorrangflächen in die unterschiedlichen Fruchtfolgen integriert werden können. Sehr nützlich sind die gut strukturierten Übersichtstabellen und eine Entscheidungsmatrix, welche die Vorbereitung des Agrarförderantrags im Mai 2015 vereinfachen.

Greening stellt auch besondere Anforderungen an den Anbau von Zwischenfrüchten auf ökologischen Vorrangflächen. Um den neuen Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen, hat die AGRAVIS ihr bekanntes Zwischenfruchtsortiment Topsoil angepasst: Mischungen, die die Anforderungen des Greenings erfüllen, sind mit dem Namenszusatz EU gekennzeichnet, um Verwechslungen auszuschließen.
Dem Thema Greening widmet sich darüber hinaus die aktuelle Ausgabe des Kundenmagazins AGRAVIS aktuell , das am 1. April erscheint.

Die AGRAVIS Raiffeisen AG ist ein modernes Agrarhandelsunternehmen in den Kernsegmenten Agrarerzeugnisse, Tierernährung, Pflanzenbau und Agrartechnik. Sie agiert zudem in den Bereichen Energie, Bauservice und Raiffeisen-Märkte.
Die AGRAVIS Raiffeisen AG erwirtschaftet mit 6.100 Mitarbeitern 7,4 Mrd. Euro Umsatz und ist als ein führendes Unternehmen der Branche mit rund 400 Standorten überwiegend in Deutschland tätig. Internationale Aktivitäten bestehen über Tochter- und Beteiligungsgesellschaften in mehr als 20 Ländern und Exportaktivitäten in mehr als 100 Ländern weltweit. Unternehmenssitze sind Hannover und Münster.
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FREIE WÄHLER zur Agrarministerkonferenz in Würzburg

Müller: Landwirtschaftsminister Brunner muss sich jetzt auf die Hinterfüße stellen und für die Interessen der bayerischen Bauern kämpfen

(ddp direct) München. Anlässlich der morgen in Würzburg beginnenden Agrarministerkonferenz fordert die FREIE WÄHLER Landtagsfraktion von Agrarminister Brunner, die Positionen der bayerischen Bauern entschieden zu vertreten. Ulrike Müller, MdL und agrarpolitische Fraktionssprecherin: „Brunner darf sich als Vorsitzender der Konferenz nicht vorschnell zu Kompromissen überreden lassen. Im Interesse der bayerischen Bauern muss er insbesondere die von grünen Landwirtschaftsministern geforderte Umschichtung von Mitteln der EU-Agrarförderung verhindern.“

Dabei sollen Mittel aus der ersten Säule, das heißt die Direktzahlungen, in die zweite Säule, also in das Programm für den ländlichen Raum, verschoben werden, um dort die für 2014 angekündigte Kürzungen zu kompensieren. Die zweite Säule gilt gerade wegen ihrer Umweltprogramme und ihrer gezielten Förderungen im Bereich der Landwirtschaft, der Dorferneuerung und der Entwicklung der Kulturlandschaft als erfolgreiches zukunftweisendes Modell. Dieses gelte es zu erhalten, so Müller. „Aber das darf nicht auf Kosten der ersten Säule geschehen, die im Gegensatz zur zweiten Säule für unsere Bauern direkt einkommenswirksam ist.“ Ziel müsse es stattdessen sein, dass alle fehlenden Mittel voll und ganz vom Bund kompensiert werden. Auf Antrag der FREIE WÄHLER Fraktion hat der Bayerische Landtag die Staatsregierung bereits im Juni aufgefordert, sich im Bund für diese Kompensation einzusetzen.

Auch Dr. Leopold Herz, MdL und forstpolitischer Fraktionssprecher, erwartet von den bayerischen Vertretern eine klare Positionierung zugunsten der heimischen Bauern: „Es ist wichtig, dass nun die Rahmenbedingungen geschaffen werden, um unseren Bauern möglichst früh Planungssicherheit für die kommenden Jahre zu geben. Unter anderem ist die besondere finanzielle Förderung der ersten 30 Hektar eines Betriebes unverzichtbar, wenn wir die kleinstrukturierte bayerische Landwirtschaft mit unseren vielen Familienbetrieben erhalten und fördern wollen.“

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http://shortpr.com/ubrmfb

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Bei der Landtagswahl am 28. September 2008 haben die FREIEN WÄHLER mit einem Stimmenanteil von 10,2 Prozent erstmals den Einzug in ein Landesparlament geschafft. Mit 21 Abgeordneten stellen sie seitdem die drittstärkste Fraktion im Bayerischen Landtag.

Die Fraktion besteht aus einer guten Mischung von erfahrenen Kommunalpolitikern und Vertretern unterschiedlicher Berufe. Damit ist frischer Wind genauso garantiert wie Sachkompetenz und Kontinuität in der politischen Arbeit. Übrigens ist auch der einzige Handwerksmeister im Bayerischen Landtag Mitglied der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion.

Die FREIEN WÄHLER sind zudem eine große Bürgerbewegung. Ideologische Konzepte sind ihnen fremd. Bei der politischen Arbeit stehen pragmatische Überlegungen im Mittelpunkt. Schwerpunktthemen sind Regionalität, Bildung und Hochschule, Mittelstand und Handwerk, erneuerbare Energien und Landwirtschaft sowie kommunale Angelegenheiten.

Das höchste Entscheidungsgremium der Fraktion ist die Fraktionsversammlung. Hier werden die wichtigsten politischen Fragen diskutiert und abgestimmt. Fraktionsvorsitzender ist Hubert Aiwanger. Zu stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden wurden Eva Gottstein, Alexander Muthmann und Bernhard Pohl gewählt. Florian Streibl bekleidet das Amt des parlamentarischen Geschäftsführers.

Kontakt:
FREIE WÄHLER Landtagsfraktion
Dirk Oberjasper
Maximilianeum, Max-Planck-Straße 1
81627 München
089/ 4126 – 2941
Dirk.Oberjasper@FW-Landtag.de
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Bauern nehmen Bienenschutzmaßnahme gut an. Förderung gestoppt.

Bayerischer Landwirtschaftsminister Helmut Brunner bremst Blühflächenprogramm. Motto: Das Schlimmste vermeiden, aber nicht zu erfolgreich damit sein.

Von Herwig Klemp www.Landsicht.net

Als sogenannte „Agrarumweltmaßnahme“ fördert der Freistaat Bayern die Anlage blumenbunter Blühflächen auf Äckern. Dadurch sollen Bienen in der immer intensiver genutzten Agrarlandschaft wieder Nahrung finden.

Finanziert wird die Maßnahme über die „Zweite Säule“ der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP). Dieses Instrument dient unter anderem dazu, durch intensive Landwirtschaft entstandene Schäden am Naturhaushalt wenigstens teilweise auszugleichen. Brüssel und das jeweilige Land oder Bundesland teilen sich die Kosten.

Bayerische Bauern, die am Blühflächenprogramm auf freiwilliger Basis teilnehmen, säen auf einer vertraglich vereinbarten Fläche eine Pflanzenmischung aus, die Bienen optimale Nahrungsquellen bietet. Je nach Bodenqualität erhält der Bauer pro Hektar und Jahr 400 bis 800 Euro. Das entschädigt ihn für seinen Ernteausfall und deckt die Kosten für das Saatgut und die Arbeit. Der Vertrag läuft über 5 Jahre.

2010 war das Programm in Bayern besonders erfolgreich. Die Vertragsfläche erhöhte sich von 13000 auf 19000 Hektar. Mit diesem Erfolg – und den damit verbundenen Kosten – hatte das bayerische Landwirtschaftsministerium wohl nicht gerechnet. Jedenfalls will Landwirtschaftsminister Helmut Brunner 2011 keine neuen Verträge schließen.

Imker und Naturschutz laufen dagegen Sturm. So schrieb der Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN) am 27.01.2011in einer Pressemitteilung: „Das Blühflächenprogramm ist eine der wenigen Maßnahmen auf Ackerflächen innerhalb des bayerischen Kulturlandschaftsprogramms, das auf Grund seiner guten Honorierung von den Bauern auch in den intensiven Agrarvorranggebieten angenommen wurde. Die Förderung war … auf die Bodengüte abgestimmt, so dass Landwirte auf guten Böden eine höhere Entschädigung erhielten als auf schlechteren Böden.

In den Intensivlagen herrscht heute ein dramatischer Mangel an Nahrungsangebot für Insekten, wie Schmetterlinge, Wildbienen und Hummeln. Auch für die Bienenvölker wird das Angebot an Nektar in den Intensivlagen immer geringer. Doch nicht nur für den Obstanbau oder den Rapsanbau sind Bienen wichtig, sondern sie haben auch eine elementare Bedeutung zur Bestäubung für die gesamte Wildflora. Die Bestäubungsleistung der Bienen wird von Imkerverbänden auf ca. 500 Millionen EUR/Jahr in Deutschland geschätzt.“

BN- Landesvorsitzender Hubert Weiger weist in der Mitteilung darauf hin, dass die Imkerei existentiell bedroht ist, wenn der dramatische Verlust heimischer Acker- und Wiesenpflanzen in der Agrarlandschaft weiter voranschreitet. Weiger: „Im Bayernplan 2020 wurde klar darauf hingewiesen, dass die Landwirtschaft wesentliche Beiträge leisten muss, um die Biodiversität zu fördern. Eine Maßnahme, die von den Landwirten in den Agrarvorranggebieten angenommen wird, darf deshalb nicht gestoppt werden. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner muss den Antragsstopp für das Blühflächenprogramm auf Ackerflächen zurücknehmen.“

Der Fall steht beispielhaft für ein Grundprinzip unserer Agrarpolitik: Die gibt zunächst praktisch 100 % der Agrarlandschaft zur hemmungslosen Ausbeutung und Belastung frei. Und dann werden Wasserschutzgebiete ausgewiesen, um irgendwo noch sauberes Trinkwasser gewinnen zu können. Dann werden die übriggebliebenen Moore, Magerrasen, Heiden, Hecken und die auf sie angewiesenen Pflanzen- und Tierarten unter Naturschutz gestellt, wenn sie kurz vor der Ausrottung stehen. Bauern, die Verträge eingehen, diese Restbestände zu schützen und zu pflegen, werden dafür entlohnt. Auch dieser Minimalschutz richtet sich nach der jeweiligen Kassenlage.

Agrarpolitik und Landwirtschaft heute, das ist gelebter Raubbau dicht an der Grenze des Zusammenbruchs der verbliebenen, gebeutelten Vielfalt des Lebens. Das ist kaum gezügelte Gier nach immer höheren Erträgen. Vielleicht auch Ausdruck einer kollektiven Angst der Politiker, ihr Land in einem wie auch immer begründeten globalen Kampf um Exportanteile nicht optimal aufgestellt zu haben. Träfe dies als Motiv zu – es wäre wenigstens halbwegs ehrenhaft. Auch könnte man diese Angst und die Fixierung auf ständiges Wirtschaftswachstum (http:www.landsicht.net/274198/292877.html) auf ihre Rationalität überprüfen. Das Dumme an irrealen Einstellungen ist: Sie werden mitsamt ihren Folgen von den Betroffenen meistens geleugnet. – Eine Bilanz der bisherigen Agrarpolitik (http://landsicht.net/287977/539261.html)
Dipl.-Psych. Herwig Klemp ist freier Journalist und Initiator der Internet-Plattform Landsicht.net. Sein Themenbereich: Natur und Landschaft in Abhängigkeit von menschlichem Wirtschaften. – Autor zahlreicher Bücher über Landschaften.
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Deutsche Agrarpolitik will Strukturwandel in der Landwirtschaft

Landwirtschaftliche Betriebe aus der Sicht der Statistik, der Bundeslandwirtschaftsministerin und eines Milchbauern

Herwig Klemp www.landsicht.net

Im Januar hat das Statistische Bundesamt (Destatis) auf der Grünen Woche in Berlin die Ergebnisse seines gerade abgeschlossenen „Agrarzensus“ vorgestellt. Erstmals seit 10 Jahren liegen damit wieder aktuelle Zahlen aus dem deutschen Agrarbereich vor. Anlass für diese Erhebung war ein Aufruf der UN-Ernährungsorganisation FAO, weltweit ergangen an alle Staaten.

Nun wissen wir: Aktuell werden in Deutschland 16,8 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzt, gibt es 301.000 landwirtschaftliche Betriebe mit zusammen 1,1 Millionen Beschäftigten. Der Tierbestand: 112,6 Millionen Rinder, 27,3 Millionen Schweine, 131,2 Millionen Geflügel, 466.000 Pferde und Esel, 2,1 Millionen Schafe und 124.000 Ziegen.

Was die Landwirtschaftsfläche anbelangt, die Zahl der Betriebe und der Beschäftigten, kann man jeder Zahl ein „noch“ voran setzen. Es gibt noch 16,8 Millionen Hektar Agrarfläche, denn ständig überbauen wir Äcker und Wiesen. Ungebrochen ist auch der Zwang des „Wachsen oder Weichen“. Von Jahr zu Jahr werden es weniger Betriebe. Diese sind dann größer, spezialisierter, automatisierter. Zu konstatieren ist ein Siegeszug der Technik, der Chemie und der Massenproduktion bei gleichzeitigem Niedergang kleinerer Betriebe. Bei 56 Hektar liegt gegenwärtig die durchschnittliche Betriebsgröße. Zugenommen hat in den vergangenen Jahren vor allem die Zahl der Betriebe in der Größenklasse von mehr als 100 Hektar.

Im Berliner Tagesspiegel vom 20.02.2011 wurde Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) plakativ befragt, wie viele der 300.000 deutschen Bauern diesen Entwicklungsprozess nicht überleben würden. Aigners Antwort:
„Solche Untergangszenarien sind unangebracht. Die Landwirtschaft in Deutschland hat Zukunft. Sie produziert Tag für Tag unsere Mittel zum Leben und wird immer wichtiger auch für die Produktion von nachwachsenden Rohstoffen. Gleichwohl erleben wir seit Jahren einen Strukturwandel, bei dem jährlich etwa drei Prozent der Betriebe aufgeben. Der Erhalt einer flächendeckenden Landwirtschaft in Deutschland ist und bleibt ein wichtiges Ziel meiner Politik.“

Natürlich hat die Landwirtschaft in Deutschland Zukunft, wenn man sie definiert über die zu einem jeweils aktuellen Zeitpunkt noch wirtschaftenden Betriebe und wenn man sich freut, dass diese immer größer werden. Letztlich wäre Ilse Aigners Ziel des Erhaltes einer flächendeckenden Landwirtschaft in Deutschland ebenfalls erreicht, wenn hier nur noch ein Betrieb wirtschaften würde, dies aber auf der gesamten Agrarfläche.

Eingekleidet in Argumentationswolken bot Aigner eine Zahl: „Wir erleben seit Jahren einen Strukturwandel, bei dem jährlich drei Prozent der Betriebe aufgeben.“

Zunächst: Wir erleben nicht seit Jahren einen Strukturwandel. Das klingt, als wäre er vom Himmel gefallen. Die Politik, die Lebensmittelindustrie und der Deutsche Bauernverband haben diesen Wandel gezielt herbeigeführt. Und Frau Aigner hat noch am 21.02.2011 auf der Sitzung des Agrarrates in Brüssel verdeutlicht, die Bundesregierung sehe „strukturkonservierende“ Maßnahmen kritisch, wolle den Strukturwandel fördern. Dazu geeignete Ausstiegsprogramme für ältere Landwirte beziehungsweise kleinere Betriebe gebe es bereits. Siehe dazu http://tinyurl.com/4n5u5fz

Drei Prozent Betriebe weniger pro Jahr. Das heißt: In 23 Jahren sind es halb so viele Betriebe wie heute. Dies bedeutet auch: In diesem Zeitraum werden wieder mehr als eine halbe Million Arbeitsplätze in der Landwirtschaft verloren gehen.

„Wie viele Bauern werden den laufenden Strukturwandel nicht überleben?“ fragte der Tagesspiegel überspitzt-plakativ und erhielt von Ilse Aigner eine ebenso flache Antwort.

Destatis-Direktorin Hannelore Pöschl verzichtete bei der Vorstellung der Agrarstatistik auf Plattitüden, brachte anschauliche Fakten. Im Hinblick auf die Frage der künftigen Entwicklung berichtete sie, jeder fünfte Inhaber eines bäuerlichen Familienbetriebes sei 60 Jahre oder älter, und 70 Prozent dieser Betriebsinhaber gäben an, noch keinen Nachfolger zu haben.

Das bedeutet dann, das Haus so lange wie möglich zu nutzen, die Flächen zu verpachten oder zu verkaufen. Gefragt ist das Land allemal und bringt in vielen deutschen Landschaften auch sehr gute, eher überhöhte Preise, seitdem allzu üppig vom Staat geförderte Biogasanlagen wie Maisäcker aus dem Boden schießen und ihre Betreiber für den Anbau von Biomasse ständig mehr Flächen benötigen.

Wer altersbedingt mangels Nachfolger sein Land verkaufen muss, der kommt zumindest wirtschaftlich vielleicht noch einigermaßen gut davon.

Der Zwang des „Wachsen oder Weichen“ aber belastet das gesamte Leben eines bäuerlichen Betriebsinhabers. So berichtete neulich ein Milchbauer in einem Landwirtschafts-Blog, er müsse jetzt wieder die Zahl seiner Kühe aufstocken. Er habe eigentlich gar keine große Neigung dazu und es hingen wieder neue Investitionen und Schulden daran. Ziehe er aber nicht mit, so würde sein Hof von Jahr zu Jahr unrentabler. Nur über immer größere Milchmengen könne er bei den geringen Preisen über die Runden kommen, die die Molkerei ihm pro Liter auszahle. Er spiele das Spiel mit, weil er seinem Sohn einmal eine wirtschaftliche Existenz übergeben wolle. Eigentlich akzeptabel sei jedoch nur der Weg, den Bauern faire Preise für die Milch zu zahlen. Aber die Politik bleibe ja auf dem eingeschlagenen Weg, die Preise zu drücken mit dem Ziel, Deutschland und die EU im Bereich der Agrarexporte fit zu machen.
Eine Bilanz der bisherigen Agrarpolitik (http:www.landsicht.net/287977/539261.html) in Deutschland und der EU bezieht auch die Auswirkungen auf unsere Umwelt und auf den Hunger in den Entwicklungs- und Schwellenländern ein, in die wir unsere Agrarüberschüsse exportieren.

Bild:
Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) e.V.

Dipl.-Psych. Herwig Klemp ist freier Journalist und Initiator der Internet-Plattform Landsicht.net. Sein Themenbereich: Natur und Landschaft in Abhängigkeit von menschlichem Wirtschaften. – Autor zahlreicher Bücher über Landschaften.
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Das Rebhuhn: Ein Kulturfolger wird Opfer der Agrarpolitik

Unsere Bauernhöfe und das Feldhuhn nehmen mit gleicher Geschwindigkeit ab

Herwig Klemp www.Landsicht.net

Das Rebhuhn ist ein Feldvogel und eine Charakterart unserer Kulturlandschaft. Ursprünglich stammt es aus natürlichen Steppenlandschaften. Nach Mitteleuropa konnte es einwandern, als unsere Vorfahren einen Großteil des Landes der Natur abgerungen hatten, um Landbau zu treiben. Der Mensch ging in die Wälder und Sümpfe, rodete sie oder legte sie trocken, um Feldfrüchte anzubauen und Tiere zu halten. Wann immer es soweit war kam das Rebhuhn – deshalb nennt man es Kulturfolger.

Denken Naturfreunde an das Rebhuhn, so wird sich ihnen wahrscheinlich folgende Assoziation aufdrängen: Ein Gang durch sommerliche Felder. Plötzlich ein Gewirr von Geräuschen: lautes Flügelburren und durchdringende Rufe „ripriprip…“. Eine Gruppe kleiner brauner Feldhühner fliegt niedrig über dem Acker oder Feld davon, wobei sich Serien rascher Flügelschläge mit Gleitstrecken ablösen. Vielleicht aber taucht auch ein winterliches Bild vor dem inneren Auge auf: ein Volk von Rebhühnern auf verschneitem Acker?

An ihren Lebensraum stellen die gedrungenen Feldhühner keine allzu hohen Ansprüche – immerhin sind sie über viele Jahrhunderte sehr häufige Bewohner der Feldflur gewesen. Rebhühner bevorzugen trockenen Untergrund, sind also keine Art der Feuchtwiesen. Auch sind es Vögel des Tieflandes, gehen nicht weit hinauf in die Berge. Sie kommen halt aus den östlichen Steppengebieten. Wie die Assoziation an eine winterliche Feldflur schon nahelegt, brauchen die Vögel keine ständige Deckung. Dennoch sind sie auf eine gegliederte Landschaft angewiesen. Hecken, Gebüsche und Waldränder, Staudenfluren an Feld- und Wegrainen und Grabenrändern und Brachflächen bieten ihnen Verstecke und Nahrung. In guter Deckung baut das Weibchen auch sein Nest. Gleich nach dem Schlüpfen sind die Küken auf den Beinen und beginnen, Insektennahrung zu suchen. Erst mit etwa vier Wochen nehmen sie die Vorliebe ihrer Eltern für pflanzliche Nahrung an.

Hohe Ansprüche an den Lebensraum sehen anders aus. Und so zeigt eine über 200-jährige Datenreihe auch: Von 1793 bis 1952 blieben die Rebhuhnbestände in Europa stabil. Doch dann ging es rapide bergab. Wo aus mitteleuropäischen Ländern Statistiken vorliegen, ging das Rebhuhn zwischen 1979 bis 1990 zwischen 75 bis 85 % zurück. In Deutschland waren selbst in den 90-er Jahren noch schwerwiegende Rückgänge zu beobachten.

„Wachsen oder weichen.“ Dieses Motto steht seit Beginn der Wirtschaftswunderjahre nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Fahnen der Landwirtschaftspolitik, der deutschen wie später der gemeinsamen europäischen. Wachsen steht nicht allein für die ständige Vermehrung der pro Betrieb bewirtschafteten Fläche oder der Zahl der Tiere in den Stallungen. Wachstum bedeutet mehr Technik, mehr Dünger und Pestizide pro Hektar bei weniger Einsatz von menschlicher Arbeitskraft auf dem Hof. Wachstum bedeutet die maschinengerechte Landschaft, Wachstum bedeutet, mehr aus der Fläche herausholen zu müssen. Und es bedeutet, das jeweils Marktgängigste anzubauen. Früher waren Fruchtwechsel und Brache wichtige Steuerungsmechanismen zur Gesunderhaltung des Bodens. Heute steuert man mit Dünger und Chemie. Das Ganze nennt sich „Strukturwandel“.

Die politisch gewollte Entwicklung hin zu einer immer stärker spezialisierten und automatisierten Landwirtschaft mit höherem Input von Düngemitteln und Pestiziden bei höherem Output von Produkten pro Arbeitskraft, Fläche oder Stall: Sie bedeutet weniger blühende Wildpflanzen und Insekten in der Feldflur, dichter und höher stehende Nutzpflanzen, weniger Staudenfluren an Hecken, Waldrändern, Gräben und Wegen, größere Felder. Für das Rebhuhn: weniger Nahrung, weniger Deckung und Verstecke. Auch weniger Schutz vor dem Fuchs, denn der schnürt natürlich die wenigen verbliebenen Staudensäume an Weg und Waldrand entlang auf der Suche nach Gelegen oder Jungvögeln.

Wachsen konnte das Rebhuhn nicht. Nur weichen. 75 bis 85% Rückgang zwischen 1970 und 1990 und weiterer Schwund auch danach.

1950 gab es in Deutschland mehr als 2 Millionen Bauernhöfe. 2010 waren es noch 374.500. Dies ist ein Rückgang von mehr als 80 %.

Man darf wohl sagen: Bauernhöfe und Rebhühner schwanden in etwa der gleichen Geschwindigkeit dahin. Wer dies bedauert und wer den ständigen Niedergang der bäuerlichen Landwirtschaft aufhalten will, der wird von den Vertretern der intensiven, exportorientierten Landwirtschaft als Romantiker abgetan, der nicht verstanden hat, was wichtig ist.

Mehr Infos über Landwirtschaft, die anstehende Reform der EU-Agrarpolitik und insgesamt über „Das Land vor meiner Tür“ auf www.Landsicht.net

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Was hat uns die bisherige Agrarpolitik beschert? Eine Bilanz

Herwig Klemp, www.Landsicht.net

Zunächst in ihrer bundesdeutschen Variante und später als Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) verfolgte die Landwirtschaftspolitik stets zwei oberste Ziele: Lebensmittel sicher verfügbar zu machen – und billig.

In den Wirtschaftswunderjahren der Nachkriegszeit sollten Lebensmittel möglichst wenig kosten, damit den Bürgern mehr blieb für andere Konsumbereiche: etwa Wohnen, Auto, Reisen. Das Augenmerk lag auf der Förderung des Wirtschaftswachstums vor allem durch steigenden Inlandskonsum. In neuerer Zeit sollen die Preise vor allem gedrückt werden, um den Export landwirtschaftlicher Produkte ausbauen und mit den niedrigen Erzeugerpreisen in Entwicklungsländern konkurrieren zu können. In einem Industrieland mit hohen Lohn- und Lohnnebenkosten ist die Herstellung extrem billiger Lebensmittel aber nur möglich in stark automatisierter und spezialisierter Massenproduktion.

Billige Nahrung für das Volk: Das Ziel ist erreicht. In Deutschland geben wir nur noch etwa 10 % eines Durchschnittseinkommens für Lebensmittel aus: so wenig wie nie. Zu Goethes Zeiten waren es noch 50 %. Und in den armen Ländern dieser Welt müssen die Menschen 80 % oder mehr für ihre Grundnahrungsmittel ausgeben.

Zudem brummen die Agrarexporte. Von 2000 bis 2010 ist die Exportquote der deutschen Landwirtschaft von 17 auf 26,4 % gestiegen. Das bedeutet: Gut 26 % der in Deutschland erzeugten Lebensmittel wurden exportiert. Wichtigste Exportwaren: Fleisch und Fleischwaren, Milchprodukte und Süßwaren.

Mit 2,19 Millionen Tonnen exportiertem Schweinefleisch erreichte diese Branche 2008 ihr bisheriges Rekordergebnis: 40 % des bei uns erzeugten Schweinefleisches gingen in den Export! Damit war Deutschland in diesem Sektor Vizeweltmeister nach den USA. Solche Exportergebnisse werden im Umfeld der Schweinefleischexporteure und in der Agrarpolitik als zukunftsweisend gefeiert. Aber: Im gleichen Rekordjahr 2008 haben 14.000 deutsche Schweinemäster ihre Ställe schließen müssen. Das war jeder sechste. Die Zahl der bei uns gehaltenen Schweine minderte sich dabei vorübergehend für ein Jahr marginal um 1,1 %, um in den Jahren 2009 und 2010 weiter anzusteigen. Schweinefleisch-Export auf Rekordniveau, Schweinebestand knapp gehalten, über 16 % der Schweinemäster auf der Strecke geblieben.

Und wie sieht es in den von uns eroberten Märkten aus? Ein Beispiel: Laut Evangelischem Entwicklungsdienst (EED) exportierte die EU im vergangenen Jahrzehnt massiv Schweinefleischreste in die Elfenbeinküste. Von 2000 bis 2006 stieg die dortige Importmenge von 5.000 auf 35.000 Tonnen. In der Folge brach die lokale Produktion zwischen 2000 und 2009 von etwa 18.000 auf 5.000 Tonnen ein.

Beziehen wir in dieses Beispiel noch ein, dass wir einen großen Teil des Tierfutters (Soja) für unsere durchrationalisierten Massentierhaltungen beispielsweise aus Südamerika einführen müssen, so wird deutlich: Die nur durch intensive, spezialisierte und rationalisierte Landwirtschaft ermöglichte Strategie der Exportsteigerung schadet unseren heimischen Bauern, schadet den Bauern in den von uns heimgesuchten Ländern und ist kein Beitrag zur Linderung des Hungers auf dieser Welt. Eher erschweren wir den Menschen in den ärmsten Ländern ihren Weg zur Selbstversorgung, indem wir durch Billigimporte ihren heimischen Produzenten das Leben schwer machen oder durch unsere Futtermittelimporte die dortigen Großgrundbesitzer zu Lasten der Kleinbauern stärken.

Um als Industrienation bei dicht bevölkerter Fläche die inzwischen erreichte Exportposition bei Fleisch- und Milchprodukten zu erreichen hat die Agrarpolitik die einstigen Rundum-Bauernhöfe mit Ackerbau, Viehzucht, Obst- und Gemüsebau als Auslaufmodelle behandelt. Gleichzeitig wurden Boden, Luft und Wasser und die Natur zur praktisch beliebigen Verwertung freigegeben. Erst wenn es um Pflanzen, Tiere, Lebensräume oder Grundwasser augenscheinlich sehr schlecht stand hat die Politik sich bequemt, Gesetze zum Schutz der Restbestände und jetzt plötzlich kostbar gewordenen Ressourcen zu erlassen.

Nutzungseinschränkungen durch Gesetze aber machen bei den betroffenen Interessengruppen unbeliebt. In vielen Bereichen setzt die Politik deshalb seit Jahrzehnten auf freiwillige Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen. Das Prinzip: Wer nicht wie seine Nachbarn die Umwelt gnadenlos, aber nach geltendem Recht und Verständnis völlig legitim ausbeutet, sondern schonend mit ihr umgeht, dem werden seine dadurch entgangenen Einnahmen ersetzt. Natürlich sind die Mittel für solcherlei „Ausgleichszahlungen“ begrenzt und auf Dauer unsicher. Auch erfordert es einen ungeheuren Aufwand, die Restbestände intakter Ressourcen im Auge zu behalten und ständig steuernd und kontrollierend einzugreifen. Aber die vom deutschen Bauernverband ständig kritisierte Bürokratisierung und Überwachung ist nur die notwendige Konsequenz einer Raubbau-Ausgleichsphilosophie.

Trotz Förderung einer immer intensiveren und technisierteren Landnutzung und Druck auf die Erzeugerpreise: Im Vergleich zu den Preisen auf den von der EU ins Visier genommenen Märkten waren und sind unsere Erzeugerkosten zu hoch. Da mussten Exportsubventionen aus Steuergeldern her, um unsere Erzeugnisse in die Märkte zu drücken. Solche direkten Exportsubventionen wurden durch die internationale Staatengemeinschaft zwar eingeschränkt, aber noch immer nicht verboten.

Dumm sind wir Europäer ja nicht. In ständigen Agrarreformen haben wir auf wechselnde Rahmenbedingungen reagiert. Bei der letzten Agrarreform hat die EU folgendes eingeführt:

Jeder landwirtschaftliche Betrieb bekommt für jeden Hektar bewirtschafteter Fläche einen bestimmten Betrag als „Direktzahlung“ aus Brüssel. In Deutschland sind das derzeit im Durchschnitt etwa 330,- Euro pro Jahr. Für den durchschnittlichen Betrieb macht das etwa die Hälfte seines gesamten Jahresgewinnes aus – und bei den viel zu niedrigen Erzeugerpreisen und den schwachen Einkommen in der Masse der Betriebe ist diese Unterstützung der sogenannten 1. Säule der Agrarpolitik zum Überleben notwendig.

Nun hätte die internationale Staatengemeinschaft sagen können: Diese Direktzahlungen sind eine verdeckte Exportsubvention. Ihr könntet eure Exportpreise nie auf das nötige Niveau drücken, wenn ihr euren Bauern nicht diese 330,- Euro pro Hektar und Jahr aus Steuermitteln zahlen würdet.

Solche Argumente hat die EU wahrscheinlich vorausgesehen und die Direktzahlungen an die Einhaltung bestimmter Umwelt- und Bewirtschaftungsauflagen gebunden. Bei Verstößen gegen die Auflagen des sogenannten Cross Compliance droht den Bauern eine Minderung oder gar der Entzug der Direktzahlung für die betroffenen Flächen.

Nun kann die EU den genannten Vorhaltungen entgegnen, ihre Bauern erhielten das Geld ja nur, weil sie viel höhere Umweltschutzauflagen einhalten müssten als die Bauern sonst irgendwo auf der Welt. Deshalb seien sie benachteiligt und deshalb müssten sie diese Ausgleichszahlungen bekommen.

Wie auch immer es in anderen Teilen der Welt aussehen mag. Leider reichen die Umweltauflagen des Cross Compliance bei Weitem nicht aus, unsere Umwelt und Natur tatsächlich vor weiterem Niedergang zu bewahren.

Daran ändert auch die 2. Säule der Europäischen Agrarpolitik bislang wenig: Über diese Schiene können gezielte Agrarumweltmaßnahmen gefördert werden, werden aber auch Investitionsbeihilfen gewährt, die ländliche Infrastruktur ausgebaut etc. Im Gegensatz zu den Direktzahlungen der 1. Säule werden die Maßnahmen der 2. Säule gemeinsam von der EU und dem Staat oder Bundesland bezahlt, in dem die Maßnahme läuft. Typische Agrarumweltmaßnahmen sind der Erhalt von Grünland in bestimmter Qualität oder Ackerrandstreifenprogramme. Bei letzteren werden Randstreifen von Äckern und Feldern nicht gespritzt, werden evtl. sogar Blütenpflanzenmischungen ausgesät, um Bienen, Schmetterlingen, Feldlerche, Rebhuhn und Hasen in der ansonsten monotonisierten Agrarlandschaft noch etwas Nahrung und Lebensraum zu lassen.

2010 teilten sich in Deutschland etwa 374.500 landwirtschaftliche Betriebe ca. 5,5 Milliarden Euro Direktzahlungen der 1. Säule. Rein statistisch entfielen damit auf jeden landwirtschaftlichen Betrieb 14.600 Euro. De facto sah die Verteilung deutlich anders aus: 30 % der gesamten Zahlung ging an 1,6 % aller Betriebe. Knapp 6.000 Betriebe teilten sich somit 916.666 Euro. Im Durchschnitt erhielt jeder dieser Betriebe 275.000 Euro.

Andererseits teilten sich 80 % aller Betriebe 27 % der Direktzahlungen. Das sind 1,5 Milliarden Direktzahlungen durch 281.730 Betriebe. Deren Durchschnitt lag also bei 5.300,- Euro.

50 % der deutschen landwirtschaftlichen Betriebe, also 187.250 Höfe, haben weniger als 20 ha Land. 80% der Betriebe bewirtschaften nur ein gutes Viertel ( 26%) der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland. Das bedeutet: 20 % der Betriebe nutzen fast drei Viertel der Landwirtschaftsfläche. Man muss wohl sagen: Für diese Betriebe engagiert sich die deutsche Landwirtschaftspolitik.

Das also ist das Fazit der bisherigen Landwirtschaftspolitik in Deutschland und in der EU:

Massives und langanhaltendes Höfesterben, wobei die übrig gebliebenen Betriebe immer größer werden und sich durch zunehmende Spezialisierung, Automatisation und ansteigenden Chemieeinsatz auszeichnen. Sie tragen die Produktion für den Export. Die Stärken unseres Agrarexportes liegen dabei in der Fleisch- und Milcherzeugung, also in den Bereichen, die durch Massentierhaltung in Mega-Stallungen und durch Automatisation für die industrielle Landwirtschaft besonders geeignet sind.

Hochgradig belastend ist diese exportorientierte Massentierhaltungs-Landwirtschaft für das Klima. Sie schadet den kleineren Bauern bei uns und behindert die Bekämpfung des Hungers in vielen unserer Exportmärkte. Sie stärkt die Großbauern, die Agro-Chemie und die Gentechnik in den Ländern, aus denen wir Soja importieren. Sie belastet und zerstört unsere heimische Umwelt und Natur.

Mehr Infos rund um die Landwirtschaft und insgesamt „Das Land vor meiner Tür“ auf www.Landsicht.net . Dort finden Sie auch diesen Artikel mit Quellenangaben und Verweisen auf ausführlichere Informationen.

Dipl.-Psych. Herwig Klemp ist freier Journalist und Initiator der Internet-Plattform Landsicht.net. Sein Themenbereich: Natur und Landschaft in Abhängigkeit von menschlichem Wirtschaften. – Autor zahlreicher Bücher über Landschaften.
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