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Die letzten vier Jahre waren die Wärmsten aller Zeiten – Zudem steigen die CO2-Werte weiter

2018 ist das vierte Jahr in einer Reihe von außergewöhnlich warmen Jahren laut Daten des Copernicus Climate Change Service (C3S). Außerdem steigt die atmosphärische CO2-Konzentration stetig an

Die letzten vier Jahre waren die Wärmsten aller Zeiten - Zudem steigen die CO2-Werte weiter

Lufttemperatur 2018 in Relation zum Durchschnittswert Jahre 1981-2010, Quelle: Copernicus C3S (Bildquelle: @Copernicus Climate Change Service)

Reading, 07.01.2018 – 2018 ist das vierte Jahr in einer Reihe von außergewöhnlich warmen Jahren. Das belegen Daten des Copernicus Climate Change Service (C3S). Gemeinsam mit dem Copernicus Atmosphere Monitoring Service (CAMS) meldet C3S außerdem einen kontinuierlichen Anstieg der atmosphärischen CO2-Konzentration

C3S und CAMS sind Services von Copernicus, dem Erdbeobachtungsprogramm der EU, und werden vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) implementiert. Ihre Daten verschaffen einen ersten globalen Überblick über die Temperaturen und CO2-Werte des Jahres 2018. Die vorläufigen Prognosen der WMO (Weltorganisation für Meteorologie) und dem Global Carbon Project (GCP) werden durch die Copernicus Messungen jetzt bestätigt.

Der C3S-Datensatz zeigt für das Jahr 2018 eine globale Durchschnittstemperatur der Luft an der Erdoberfläche von 14,7°C, nur 0,2°C niedriger als 2016, dem bislang wärmsten Jahr der Wetteraufzeichnungen. Die Daten belegen außerdem:
-Die letzten vier Jahre waren die wärmsten vier Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. 2018 war dabei knapp nach dem drittwärmsten Jahr 2015 das viertwärmste Jahr
-2018 war über 0,4°C wärmer als der Durchschnitt in den Jahren 1981-2010
-Die durchschnittliche Temperatur der letzten fünf Jahre lag 1,1°C über dem vorindustriellen Durschnitt (nach IPCC-Definition)
-In Europa lagen die jährlichen Temperaturen nur weniger als 0,1°C unter denen der zwei wärmsten Jahre der Wetteraufzeichnungen, 2014 und 2015

Außerdem zeigen Satellitenmessungen der globalen atmosphärischen CO2 Konzentrationen:

-Der CO2-Wert ist im Jahr 2018 weiter gestiegen und hat sich um 2,5 +/- 0,8 ppm/Jahr erhöht

„Der Copernicus Climate Change Service liefert hochqualitative Daten über Klima-Messgrößen wie Lufttemperatur, See-Eisdecke und hydrologischen Werten wie beispielsweise Niederschlag“, sagt Jean-Noel Thepaut, Leiter des Copernicus Climate Change Service (C3S). „2018 haben wir erneut ein sehr warmes Jahr erlebt, das Viertwärmste, das je gemessen wurde. Drastische Klimaereignisse wie der warme und trockene Sommer in großen Teilen Europas oder die steigende Temperatur in der Arktisregion sind beunruhigende Zeichen für uns alle. Nur wenn wir uns gemeinsam bemühen, können wir etwas bewegen und unseren Planeten für zukünftige Generationen erhalten.“

C3S liefert ersten Datensatz zu globalen Temperaturen 2018

Die C3S Temperaturdaten sind der erste vollständige Datensatz für 2018, der sowohl jährliche Abweichungen als auch global gemittelte Bereiche beinhaltet. C3S ist in der Lage diesen globalen Überblick so schnell bereitzustellen, da es ein operativer Service ist, der täglich Millionen von Land-, See-, Luft- und Satellitenmessungen verarbeitet. Diese Beobachtungen werden in ein Rechenmodell zusammengeführt, ähnlich wie bei Wettervorhersagen. Der große Vorteil für Nutzer dieser Daten sind die daraus entstehenden, zuverlässigen Schätzungen von Temperaturen zu jeder gewünschten Zeit und an jedem gewünschten Ort – sogar in wenig-überwachten Gebieten, wie den Polarregionen.

Die Copernicus C3S Daten zeigen, dass die Lufttemperaturen an der Oberfläche mehr als 0,4°C höher waren als der Langzeitdurschnitt in der Zeitspanne von 1981-2010. Die auffälligsten Wärmeunterschiede verglichen mit dem Langzeitdurchschnitt wurden in der Arktis aufgezeichnet, besonders in und nördlich der Beringstraße zwischen USA und Russland und um Spitzbergen. Nahezu alle Landgebiete, insbesondere Europa, der Mittlere Osten und der Westen der USA, waren wärmer als der Durchschnitt. Im Gegensatz dazu erlebten der Nordosten Nordamerikas und einige Gebiete in Zentralrussland und -asien unterdurchschnittliche Jahrestemperaturen.

Abgesehen von den relativ kalten Monaten Februar und März war im letzten Jahr in Europa jeder einzelne Monat überdurchschnittlich warm. Beginnend mit dem Ende des Frühlings und weit bis in den Herbst, mancherorts sogar bis in den Winter, erlebte Nord- und Zentraleuropa Witterungsbedingungen die durchgehend wärmer und trockener waren als der Durschnitt.

Ein zuverlässiges Bild durch kombinierte Datensätze

Die für den C3S Datensatz benutzte Methode wird durch weitere Datensätzen ergänzt, die bodengestützte Langzeitmessungen verwerten. Die Datensätze unterscheiden sich hauptsächlich in ihrer Darstellung der Polarregionen und der Temperaturen über den Ozeanen. Durch die Kombination der Datensätze wird ein detailgetreuer Überblick generiert. Die Analyse zeigt, dass die globale Temperatur der Luft an der Erdoberfläche alle fünf bis sechs Jahre seit Mitte der 1970er Jahre um durchschnittlich 0,1°C gestiegen ist und dass die letzten fünf Jahre schätzungsweise 1,1°C über dem Temperaturdurschnitt der vorindustriellen Ära lagen.

Nach C3S wird auch die WMO ihre verschiedenen Temperaturdatensätze kombinieren und im „State of the Climate 2018“ veröffentlichen. Die Stellungnahme wird im März 2019 erwartet und aller Voraussicht nach die C3S Ergebnisse bestätigen.

CO2-Konzentrationen steigen weiter

Die Analyse von Satellitendaten zeigt, dass die Konzentrationen von Kohlenstoffdioxid weltweit über die letzten Jahre weiterhin stetig gestiegen sind, auch im Jahr 2018. Das ergibt eine Kombination von zwei Datensätzen, die für C3S und CAMS erstellt wurden.

Während sich Reports der WMO und des Global Carbon Projects auf Messungen an der Erdoberfläche stützen, basiert der CO2-Datensatz von Copernicus auf Satellitendaten. Die dabei gemessene Größe ist die durchschnittliche CO2-Konzentration einer gesamten Luftsäule über einem gegebenen Ort, genannt XCO2. Da höher gelegene atmosphärische Schichten, wie die Stratosphäre, normalerweise weniger CO2 beinhalten, sind die XCO2 Werte üblicherweise etwas geringer als die CO2 Werte, die Nahe der Erdoberfläche gemessen werden. Deshalb sind satellitenbasierte XCO2-Werte ähnlich aber nicht identisch mit Schätzungen, die auf Oberflächenbeobachtungen beruhen.

Die geschätzte jährliche durchschnittliche XCO2-Wachstumsrate für 2018 ist 2,5 +/- 0,8 ppm/Jahr. Damit ist sie größer als die Wachstumsrate für 2017, die bei 2,1 +/- 0,5 ppm/Jahr lag, aber geringer als die von 2015 mit 3,0 +/- 0,4 ppm/Jahr. 2015 war ein Jahr mit einem starken El Nioo, wodurch die Landvegetation atmosphärisches CO2 im schwächen Maße als sonst aufnahm, sowie mit starken CO2-Emissionen bedingt durch Waldbrände, beispielsweise in Indonesien.

Pariser Abkommen: IPCC unterstreicht absolute Dringlichkeit

Im Einklang mit dem 2015 vereinbarten Pariser Abkommen über den Klimawandel planen die beteiligten Länder alle fünf Jahre eine Bewertung des Status Quo. Der jüngste Spezialreport „Globale Erwärmung von 1.5°C“ des Weltklimarates (eng. Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) unterstreicht weiter die Dringlichkeit effektive Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels durchzuführen. Der Copernicus Climate Change Service und der Copernicus Atmosphere Monitoring Service tragen signifikant zu diesen Bemühungen bei, indem sie schnelle und exakte Informationen über die globale Temperatur und CO2-Werte liefern.

Monatliches Klima-Update

Zusätzlich zu den jährlichen Temperaturdaten veröffentlicht C3S zu Beginn jeden Monats eine kurze Klima Bekanntmachung über beobachtete Veränderungen in der globalen Temperatur der Luft, See-Eisdecke und hydrologischen Werten. Das neueste Klima-Update von Dezember ist jetzt verfügbar:

Dezember 2018: Globale Durchschnittstemperatur der Luft
-Weltweit lagen die Temperaturen nur 0.5°C über dem durchschnittlichen Dezember im Vergleichszeitraum 1981-2010
-Kanada, der Atlantische Teil der Arktis und Nordrussland erlebten Temperaturen weit über dem Durschnitt
-Temperaturen weit unter dem Durschnitt wurden in großen Teilen Südrusslands, Zentralasiens und China gemessen
-Australia erlebte außergewöhnlich heiße und trockene Bedingungen
-In Europe waren die Temperaturen allgemein überdurchschnittlich hoch, aber im südlichen Balkan und Griechenland lagen die Temperaturen unter dem Durschnitt.

Weitere Informationen und hochauflösende Grafiken finden Sie hier: https://climate.copernicus.eu/climate-bulletins

Über die Daten – Globale Durchschnittstemperatur

Die Graphen und zitierten Werte stammen aus dem Datensatz von ECMWF Copernicus Climate Change Service“s ERA-Interim. Der Temperaturgraph basiert auf ERA-Interim und vier anderen Datensätzen: JRA-55, erzeugt von der Japan Meteorological Agency (JMA), GISTEMP, erzeugt von der US National Aeronautics and Space Administration (NASA), HadCRUT4, erzeugt von dem Met Office Hadley Centre in Zusammenarbeit mit der Climatic Research Unit der Universität von East Anglia, und NOAAGlobalTemp, erzeugt von US National Oceanic and Atmopsheric Administration (NOAA). Die ERA-Interim und JRA-55 Datensätze laufen bis Ende 2018, die anderen Datensätze sind momentan nur bis Ende November 2018 verfügbar. Die Daten wurden geprüft und weiterverarbeitet wie in einer durch Experten überprüften Veröffentlichung beschrieben (doi: 10.1002/qj.2949).

Alle Grafiken wurden so angepasst, dass sie dieselbe Durchschnittstemperatur für 1981-2010 wie ERA-Interim haben. Für JRA-55 bedeutete dies eine Temperatursenkung von 0.1°C. Die anderen Datensätze wurden ursprünglich nur als Werte relativ zu Bezugszeiträumen definiert. HadCRUT4 ist ein Gesamtwert, der 100 mögliche Realisationen hat. Der Halbwert und die Reichweite sind eingezeichnet. Der Gesamtwert berücksichtigt nicht den Unsicherheitsfaktor, der mit begrenzter geographischer Beobachtung einhergeht, was vor allem in den frühen Jahrzenten beträchtlich ist.
1981-2010 wurde von der WMO definiert als jüngster 30jähriger Bezugszeitraum, um klimatologische Durchschnitte zu berechnen. Es ist der erste Zeitraum bei dem Satellitenbeobachtungen von Schlüsselindikatoren wie Temperaturen an der Meeresoberfläche und See-Eisdecke verfügbar sind, um globale meteorologische Reanalysen, wie beispielsweise ERA-Interim, durchzuführen.

Man geht davon aus, dass die klimatologische Durchschnittstemperatur für den vorindustriellen Zeitraum 0.63°C geringer ist als der Durschnitt von 1981-2010. Dies geht einher mit dem, was im IPCC „Globale Erwärmung von 1.5°C“ Report gezeigt wird, welcher den Anstieg von der vorindustriellen Ära (festgelegt als Zeitraum von 1850-1900) bis zum 20jährigen Zeitraum 1986-2005 auf „0.63°C (0.06°C 5-95% Reichweite, allein basierend auf Messunsicherheiten)“ schätzt. Die Jahresdurchschnittstemperatur zwischen den Jahren 1981-2010 und 1986-2005 ist für die Datensätze, die hier dargestellt werden, nicht relevant (-0.009°C bis +0.004°C).

Über die Daten – Kohlenstoffdioxidkonzentrationen

Copernicus präsentiert monatlich die globalen Durchschnittswerte des atmosphärischen Kohlenstoffdioxids (CO2), gemessen mit Satelliten-Sensoren. CO2-Konzentrationen, die von Satelliten gemessenen wurden, stehen für ein gemitteltes CO2-Mischverhältnis im Säulendurchschnitt, auch XCO2 genannt. Der Jahresdurchschnitt in der Grafik ist durch Berechnung der monatlichen Werte ermittelt worden.

Die Daten von 2003-2017 sind das zusammengeführte Produkt von Daten des „C3S XCO2 data derived from satellite sensors“ Report, veröffentlicht vom Copernicus Climate Change Service. Die hochqualitativen C3S-Klimadatenaufzeichnungen entstanden durch die Zusammenführung von einzelnen Satellitendatensätzen der Satelliteninstrumente SCIAMACHY/ENVISAT und TANSO-FTS/GOSAT, indem sie generierte Produkte von C3S und ESA GHG-CCI (in Europa), NASA (USA) und NIES (Japan) nutzten. Dieses fusionierte Produkt, welches im Obs4MIPs-Format verfügbar ist (s. die Obs4MIPs Webseite: https://esgf-node.llnl.gov/projects/obs4mips/), wird jedes Jahr um ein Weiteres ergänzt. Das Jahr 2018 wird Ende 2019 verfügbar sein. Für weitere Details vgl. Buchwitz et al., 2018 ( https://www.atmos-chem-phys.net/18/17355/2018/ und/oder https://doi.org/10.1007/s42423-018-0004-6).

Die Daten für 2018 sind ein vorläufiges Produkt der „CAMS XCO2 data derived from satellite sensors“ Daten, die vom Copernicus Atmosphere Monitoring Service produziert wurden. Dieser Datensatz wurde erzeugt mit TANSO-FTS/GOSAT. Für weitere Details vgl. Heymann et al., 2015 ( https://www.atmos-meas-tech.net/8/2961/2015/amt-8-2961-2015.html).

Die durchschnittlichen Jahreswachstumsraten von XCO2 wurden errechnet mit der Buchwitz Methode, vgl. Buchwitz et al., 2018 ( https://www.atmos-chem-phys.net/18/17355/2018/).

Copernicus is the European Commission“s flagship Earth observation programme. It delivers freely accessible operational data and information services which provide users with reliable and up-to-date information related to environmental issues.

C3S is implemented by ECMWF on behalf of the European Commission. ECMWF also implements the Copernicus Atmosphere Monitoring Service (CAMS). ECMWF is an independent intergovernmental organisation, producing and disseminating numerical weather predictions to its 34 Member and Co-operating States.

The Copernicus Climate Change Service website can be found at https://climate.copernicus.eu/

The Copernicus Atmosphere Monitoring Service website can be found at
http://atmosphere.copernicus.eu/

The ECMWF website can be found at https://www.ecmwf.int/

Kontakt
Copernicus Communication
Silke Zollinger
Shinfield Park 1
RG2 9AX Reading
+44 (0)118 9499 778
copernicus-press@ecmwf.int
http://climate.copernicus.eu

Pressemitteilungen

Konferenz „CO2-Recycling zu Polymeren und Kraftstoffen“

Eine Herausforderung für eine nachhaltige Chemie

Die weltgrößte Konferenz „Kohlendioxid als Rohstoff für Chemie und Polymere“ (Haus der Technik Essen, 10.-11. Oktober 2012, http://www.CO2-chemistry.eu) hat das erstaunliche Spektrum und Potenzial der CO2 – Nutzung zum Thema: Die Vision einer nachhaltigen Kohlendioxidwirtschaft.

Die Emissionen von Kohlendioxid (CO2), dem Endprodukt jeglicher Verbrennung fossiler Energieträger oder auch Biomasse, sind maßgeblich für den Treibhauseffekt und damit für den Klimawandel verantwortlich. Die Reduzierung der CO2-Emissionen steht daher ganz oben auf der weltweiten politischen Agenda. Parallel dazu laufen Versuche, CO2 aus Kraftwerken unterirdisch zu speichern und damit der Atmosphäre zu entziehen.

Zunächst erscheint es paradox, das energiearme und reaktionsträge Molekül Kohlendioxid nutzen zu wollen. Erhebliche Anstrengungen in Forschung und Entwicklung haben in den letzten Jahren neue innovative CO2-Recycling-Technologien und die Vision einer Kohlendioxidwirtschaft entstehen lassen. Für alle großen Unternehmen der Chemie- und Kunststoffbranche ist CO2-Recycling in kürzester Zeit zu einem heißen Zukunftsthema geworden. Laut Wirtschaftswoche würdigen auch die Nobelpreisträger George Olah und Josef Stiglitz das Gas als künftigen Kraftstoff und Rohstoff der chemischen Industrie.

In den letzten drei Jahren haben das US-Energieministerium und das deutsche Bundesforschungsministerium (BMBF) jeweils etwa 100 Millionen Euro zur Erforschung der neuen CO2-Nutzungen bereit gestellt. Und die Investitionen zeigen bereits konkrete Früchte: Evonik, BASF und Bayer Material Science arbeiten intensiv an CO2-Polymeren. Siemens und BASF zeigten auf der ACHEMA in Frankfurt im Juni 2012 bereits erste Anwendungen in Haushaltsgeräten wie Kühlschrankeinlagen und Staubsaugerabdeckungen. Die Automobil- und Flugzeugbranche arbeiten an Kraftstoffen, die weder von Erdöl noch von Biomasse abhängig sind, sondern nur auf Solar- und Windenergie sowie CO2 beruhen. Ein neuer Zweig der Chemie hat soeben begonnen: Das Recycling, die Kaskadennutzung von CO2 in Form eines Rohstoffes für die chemische Industrie. Nun müssen neue chemische und elektrochemische Reaktionen entdeckt und Technologien weiter entwickelt werden, wie z.B. die effiziente Abscheidung und Reinigung von CO2 aus dem Abgasstrom – vom Klimakiller zum nachhaltigen Rohstoff.
Alessandra Quadrelli von der Universität Lyon sieht CO2 bereits als einer der wichtigsten zukünftigen Grundstoffe der Chemieindustrie. Ihren Rechnungen nach könnten die innovativen Nutzungen von CO2 in der Chemie bis zu 10% der global erforderlichen Treibhausgasreduktionen erbringen.

CO2-Polymere – neue Optionen für die Kunststoffindustrie
Wichtigstes neues CO2-Polymer ist Polypropylencarbonat (PPC), das bereits vor 40 Jahren von Inoue entwickelt wurde, aber erst heute die Bedeutung bekommt, die es verdient. PPC besteht zu 43 Gewichtsprozent aus CO2 und ist biologisch abbaubar, zeigt eine hohe Temperaturstabilität, hohe Elastizität und Transparenz sowie einen Memory-Effekt. Damit steht PPC ein großes Spektrum an Anwendungen offen: Verpackungsfilme und Schäume, Dispersionen und Weichmacher für spröde Kunststoffe in unzähligen Anwendungen. An der Entwicklung und Produktion von PPC arbeiten unter anderen die US-amerikanischen Unternehmen Novomer und Empower Materials, das norwegische Unternehmen Norner und das Unternehmen SK Innovation in Südkorea.
Bayer Material Science zeigte auf der ACHEMA Blöcke aus Polyurethan, das auf Basis von CO2-Polyolen hergestellt wurde. Die Nutzung von CO2 ersetzt dabei einen Teil des Erdöls. Die industrielle Fertigung von Schaumstoffen für Matratzen und Isolationsmaterialien für Kühlschränke und Gebäude soll 2015 beginnen.

PPC als weichmachende Komponente für Biokunststoffe
Viele bio-basierte Kunststoffe – wie z.B. PLA und PHA – sind von Haus aus so spröde, dass sie in vielen Anwendungen nur mit Additiven eingesetzt werden können. Nun bietet sich eine neue Option an: Mit Kombinationen aus PPC und PLA bzw. PHA kann ein stark erweitertes Spektrum an Materialeigenschaften abgedeckt werden. Dabei bleibt das Material biologisch abbaubar und lichtdurchlässig und kann problemlos auf gängigen Maschinen verarbeitet werden. Die von Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH) auf der ACHEMA gezeigte Staubsaugerabdeckung besteht überwiegend aus PPC und PHA von BASF und soll als Substitut für den Massenkunststoff ABS dienen. Erste interne Ökobilanzen zeigen deutliche Vorteile für das neue Material. In den Einlageböden für Kühlschränke kamen Kombination aus PPC und PLA zum Einsatz.

Kraftstoffe aus Wind- und Solarenergie und CO2
Um CO2 als Kraftstoff nutzen zu können, muss externe Energie zugeführt werden. Hierzu bieten sich vor allem Überschüsse von Wind- und Solarstrom an, wie sie in Deutschland bereits regelmäßig auftreten. Mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien bekommt die Frage der Speicherung eine zentrale Bedeutung.
Wird der überschüssige Strom zur Produktion von Wasserstoff (H2) aus Wasser genutzt, so kann dieser zusammen mit CO2 in unterschiedliche Kraftstoffe konvertiert werden. Zunächst entsteht aus der Reaktion von H2 und CO2 Methan (CH4), das ins Gasnetz eingespeist werden kann. Weiterführende chemische Prozesse führen zu Methanol, Benzin, Diesel oder auch Kerosin. Die in einem BMBF-Projekt weiter optimierte Hoch-Temperatur-Dampf-Elektrolyse erreicht inzwischen einen Wirkungsgrad (Strom zu Wasserstoff) von 70%.
Ein Firmenkonsortium in Island hat 2011 mit dem Bau der ersten kommerziellen Anlage begonnen, die pro Jahr 5 Millionen Liter Methanol aus CO2 herstellen wird. Dies wären 2,5% des isländischen Kraftstoffbedarfs.

CO2 als Wachstumssubstrat für Algen und Bakterien
Die weltweit wichtigste Verwendung von CO2 findet täglich vor unseren Augen statt: Mit Hilfe der Photosynthese (unter Nutzung des Sonnenlichts) wandeln Pflanzen Kohlendioxid in Zucker um, die sie dann für die Herstellung aller wichtigen Biomoleküle verwenden. Auch dies lässt sich wirtschaftlich nutzen: In großen Bioreaktoren werden Algen mit Kohlendioxid, das in Kraftwerken entsteht, begast und produzieren auf dieser Basis Biomasse.
Aber auch einige Bakterien können CO2 nutzen. Diese sogenannten acetogenen Bakterien besitzen einen Stoffwechsel, der es ihnen ermöglicht, CO2 gemeinsam mit einem Gemisch aus Kohlenmonoxid und Wasserstoff (Synthesegas) als Wachstumssubstrat zu nutzen und auf dieser Basis verschiedene Produkte wie Aceton, Butanol und Ethanol zu produzieren. In einem gemeinsamen Projekt der RWE und des Biotech-Unternehmens Brain konnten in Kraftwerksschloten etliche Bakterienstämme isoliert werden, die zu einer solchen Nutzung in der Lage sind.
Über molekularbiologische Veränderung der Bakterien können jedoch auch andere Produkte als Zielprodukte erreicht werden, darunter etwa die, für die Herstellung des als Plexiglas bekannten Polymers PMMA notwendige, Acrylsäure sowie das Biopolymer PHB. Über die Methoden der Synthetischen Biologie ließen sich in Zukunft gar maßgeschneiderte Bakterien für eine optimierte CO2-Nutzung herstellen. Vor allem Evonik arbeitet an der Herstellung von verschiedenen Chemikalien, während das neuseeländische Unternehmen LanzaTech an der Entwicklung von Flugzeugtreibstoffen und Spezialchemikalien auf der Basis von Butanol aus der CO2-Fermentation arbeitet.

Weltgrößte Konferenz zum Thema CO2 als Rohstoff in Deutschland
Am 10. und 11. Oktober 2012 veranstaltet das nova-Institut im Haus der Technik, Essen die englischsprachige „Conference on Carbon Dioxide as Feedstock for Chemistry and Polymers“ mit begleitender Ausstellung. Sämtliche Facetten der neuen CO2-Nutzungen werden umfassend präsentiert und diskutiert. Als Referenten zugesagt haben bereits führende internationale Wissenschaftler und Unternehmen aus Deutschland (BASF, Bayer, Dechema, Evonik, Linde, Brain), Neuseeland (LanzaTech), den Niederlanden (DSM, ECN), Norwegen (Norner), Süd-Korea (SK Innovation) und USA (Empower Materials, Novomer). Erwartet werden über 400 Teilnehmer.

Alle Informationen zur weltgrößten Konferenz „Kohlendioxid als Rohstoff für Chemie und Polymere“ (Haus der Technik Essen, 10.-11. Oktober 2012) unter:
http://www.CO2-chemistry.eu)

Partner der Konferenz: Haus der Technik Essen, Cluster Industrielle Biotechnologie (CLIB2021) European Chemical Industry Council (CEFIC), Enterprise Europe Network, Kunststoffland NRW, vito – vision of technology (Belgien), Wissens- und Informations-Netzwerk Polymertechnik (wip) und Stiftung Arbeit und Umwelt.

Die Konferenz findet unter der Schirmherrschaft des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen statt.
Die nova-Institut GmbH wurde als privates und unabhängiges Institut im Jahr 1994 gegru?ndet und ist im Chemiepark Knapsack in Hu?rth, Teil des Ko?lner Chemiegu?rtels, angesiedelt.
Seit u?ber 15 Jahren arbeitet das nova-Institut weltweit in den Bereichen Rohstoffversorgung, technisch- o?konomische Evaluierung, Marktforschung, O?ffentlichkeitsarbeit, Projektmanagement und Politik fu?r eine nachhaltige bio-basierte O?konomie.
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Dominik Vogt
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