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Gesundheit/Medizin Wissenschaft/Forschung

Ein Protein zeigt höhere Brustkrebs-Sterblichkeit

An der Medizinischen Universität Graz wurde, unterstützt vom Wissenschaftsfonds FWF, ein Biomarker für Brustkrebs mit schlechten Heilungschancen gefunden und gleich zwei praktikable Nachweismethoden für Gewebeproben entwickelt. 

 

Brustkrebs ist der häufigste bösartige Tumor bei Frauen weltweit. In Österreich erkranken knapp 5.500 Frauen jährlich an dieser Krebsart und 1.500 sterben trotz Früherkennung daran. Wenn ein Knoten in der Brust aufgespürt wird, ist eine Biopsie der nächste Schritt in der klinischen Praxis. Gegen die bangen Stunden bei den betroffenen Frauen gibt es kein Rezept. Die Gewebeprobe gibt weitere Hinweise für Diagnose und Behandlung. Wenn der Brusttumor bösartig ist, wird gleich der Subtyp mitbestimmt. Je nach Tumor-Subtyp kommen unterschiedliche Behandlungsmethoden infrage. „Mit der Patientin wird nach der Analyse im interdisziplinären Tumor-Board besprochen, welche Therapien zur Verfügung stehen und, wenn gewünscht, die Chance auf Heilung diskutiert“, erklärt Krebsmediziner Thomas Bauernhofer von der Universitätsklinik Graz.

Parallel dazu hat der Onkologe, unterstützt vom Wissenschaftsfonds FWF, an der Medizinischen Universität Graz einen Biomarker untersucht, der auf schlechtere Heilungschancen von Brustkrebs-Patientinnen hinweist. In fünfjähriger Forschungsarbeit gelang in enger Abstimmung mit den Instituten für Biophysik und Pathologie im Haus der Nachweis: Ein höherer Gehalt von GIRK1-Protein zeigt eine höhere Rückfallhäufigkeit und Sterblichkeit von Patientinnen mit dem hormonabhängigen Tumor-Subtyp (ER+) nach der Operation des Brustkrebs an.

Baustein eines Ionenkanals als Biomarker 

Das Protein GIRK1 ist einer von zumindest zwei benötigten Bausteinen, die funktionstüchtige Kalium-Ionenkanäle in der Zellmembran aufbauen. Solche Ionenkanäle sind in Herz, Hirn oder Bauchspeicheldrüse des Menschen unverzichtbar und sorgen etwa dafür, dass das Herz schlägt. Eine wissenschaftliche Publikation mit kleiner Fallzahl, die GIRK1 in Brustkrebs fand, brachte das Team auf die Spur des Proteins als Biomarker. Zunächst wurde eine große Menge Messenger RNA (mRNA), eine Vorstufe zur Herstellung des GIRK1-Proteins, in Brustkrebs-Zelllinien und -Gewebe nachgewiesen. Durch die Korrelation von Gewebeproben und genetischen Profilen von Brust-Tumoren mit den Überlebensdaten der Frauen, können nun besonders gefährdete Patientinnen identifiziert werden: „Brustkrebs-Patientinnen mit einem Östrogenrezeptor-positiven (ER+) Tumor sprechen gewöhnlich gut auf eine Hormonbehandlung an. Wenn der ER+-Tumor jedoch viel GIRK1 erzeugt, haben die Patientinnen eine geringere Überlebenswahrscheinlichkeit“, erläutert Thomas Bauernhofer. Bei zirka 60 Prozent aller Patientinnen mit Brustkrebs wird ein ER+-Tumorsubtyp festgestellt.

Im Rahmen des FWF-Projekts wurden zwei Methoden entwickelt, um die übersteigerte GIRK1-Produktion in Gewebeschnitten nachzuweisen. Viele Monate suchte das Team nach einer geeigneten Färbemethode mittels Immunhistochemie. Von der nun erfolgreich etablierten Methode profitieren auch Forscherinnen und Forscher, die sich mit dem GIRK-Ionenkanal in anderen Kontexten beschäftigen. Die zweite Nachweismethode (Fluoreszenz In-situ-Hybridisierung) ermöglicht es sogar, die Expression der GIRK1-mRNA im Tumorgewebe mit automatischer Bildanalyse zu bestimmen.

Welche Gene arbeiten parallel? 

In einer Gencluster-Untersuchung wies das Grazer Team zudem nach, dass neben dem Gen für GIRK1 drei weitere im Tumor sehr aktiv werden. „Zwei Gene sind mit einem Östrogenrezeptor assoziiert, ein weiteres mit dem Angiotensin II Rezeptor“, beschreibt Thomas Bauernhofer. Die höhere Sterblichkeit der Frauen mit Östrogenrezeptor-positivem Tumor und hoher GIRK1-Expression könnte mit einer schlechteren Wirkung der Hormontherapie oder einer höheren Metastasierungsfähigkeit zu tun haben. GIRK1 könnte aber auch ein neues Behandlungstarget werden. Die Zusammenhänge möchte Thomas Bauernhofer nun genauer klären: „Es ist noch zu früh, den Biomarker bei jeder Biopsie mitzubestimmen. Unsere Ergebnisse haben noch keine therapeutischen Konsequenzen, aber um den Zusammenhang von GIRK1 mit der schlechten Überlebensrate müssen wir uns kümmern.“

 

Zur Person
Thomas Bauernhofer (https://forschung.medunigraz.at/fodok/suchen.person_uebersicht?sprache_in=de&menue_id_in=101&id_in=90673454) ist Facharzt für Innere Medizin und Hämato-Onkologie an der Klinischen Abteilung für Onkologie (http://inneremedizin.uniklinikumgraz.at/onkologie/Seiten/default.aspx) der Universitätsklinik in Graz und stellvertretender  Abteilungsleiter. Er studierte Medizin an der Karl-Franzens-Universität in Graz und forschte am Pittsburgh Cancer Insitute (USA). Der Mediziner leitet gemeinsam mit Wolfgang Schreibmayer die Forschungseinheit zu Ionenkanälen Cancer Biology an der Medizinischen Universität Graz. Bauernhofer ist Mitglied der European Society for Medical Oncology.

Publikationen
Kammerer, S; Jahn, SW; Winter, E; Eidenhammer, S; Rezania, S; Regitnig, P; Pichler, M; Schreibmayer, W; Bauernhofer, T.: Critical evaluation of KCNJ3 gene product detection in human breast cancer: mRNA in situ hybridisation is superior to immunohistochemistry (http://jcp.bmj.com/content/69/12/1116), in: Journal of Clinical Pathology 2016; doi:10.1136/jclinpath-2016-203798

Kammerer, S; Sokolowski, A; Hackl, H; Platzer, D; Jahn, SW; El-Heliebi, A; Schwarzenbacher, D; Stiegelbauer, V; Pichler, M; Rezania, S; Fiegl, H; Peintinger, F; Regitnig, P; Hoefler, G; Schreibmayer, W; Bauernhofer, T.: KCNJ3 is a new independent prognostic marker for estrogen receptor positive breast cancer patients (https://doi.org/10.18632/oncotarget.13224), in: Oncotarget 2016; doi:10.18632/oncotarget.13224

Rezania, S; Kammerer, S; Li, C; Steinecker-Frohnwieser, B; Gorischek, A; DeVaney, TT; Verheyen, S; Passegger, CA; Tabrizi-Wizsy, NG; Hackl, H; Platzer, D; Zarnani, AH; Malle, E; Jahn, SW; Bauernhofer, T; Schreibmayer, W.: Overexpression of KCNJ3 gene splice variants affects vital parameters of the malignant breast cancer cell line MCF-7 in an opposing manner (https://bmccancer.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12885-016-2664-8), in: BMC Cancer 2016; 16:628-628; doi:10.1186/s12885-016-2664-8

 

Bild und Text ab Montag, 20. November 2017 ab 9.00 Uhr MEZ verfügbar unter: http://scilog.fwf.ac.at 

 

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Wissenschaft/Forschung

Sprachenstreit im Trommelfeuer

Elf Regimentssprachen und unzählige Dialekte: Die Armee der Habsburgermonarchie war ein Sprach-Babylon. Die Historikerin Tamara Scheer untersuchte in einem vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekt, wie Kaiser, Armee, Soldaten und Heeresbürokratie mit der Vielsprachigkeit umgingen. Ihr Resümee: Phantasievoll und flexibel.

 

Wer Deutsch spricht, steht loyal zu Österreich. Das klingt vertraut. Und ist doch alt. Mehr als 100 Jahre alt, um genau zu sein. “Mit dem Beginn des Krieges 1914 werden Sprachen und ihre Sprecher in loyal und illoyal eingeteilt”, schildert Tamara Scheer. Die Wiener Historikerin untersuchte im Rahmen des vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projektes “Mehrsprachigkeit in der k.u.k. Armee und Zivilgesellschaft”, den Umgang mit der Sprachvielfalt in der alten Armee ab 1868.

Mit dem Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn wird in der gemeinsamen Armee auch der vielfältigen Sprachenwelt der Monarchie Rechnung getragen. Zwar ist die Kommandosprache Deutsch, so wie auch die Dienstsprache, die Regimentssprachen indes orientieren sich an den jeweiligen Landessprachen. “Elf Sprachen sind es, die in Verwendung sind”, schildert Scheer. Eine zwölfte kommt später hinzu. “Was damit bezweckt wurde, war, dass man den Soldaten die Möglichkeit geben wollte, sich in ihrer Sprache auszudrücken und während ihrer dreijährigen Dienstzeit keine andere oktroyiert zu bekommen”, erläutert Scheer.

Gut gemeint

Und: Es stand auch die Erwartung dahinter, dass dieses Entgegenkommen ein höheres Maß an Loyalität der Soldaten gegenüber Kaiser und König fördert. “In Friedenszeiten funktionierte das ganz gut”, sagt Scheer. Wenngleich es Rivalitäten gab, die eben über die Regimentssprachen ausgetragen wurden. Spricht ein Regiment in Galizien nun Polnisch oder Ruthenisch? Das könne sich von Jahr zu Jahr ändern, stellt die Historikerin fest. Denn Jahr für Jahr wurden die Sprachen erhoben. Und je nachdem, ob ein national gesinnter Pole oder ein national gesinnter Ruthene die Erhebung durchführt, kann sich das Ergebnis Jahr für Jahr anders ausnehmen. “Da wurden dann die Juden, die Jiddisch sprachen – welches nicht als Regimentssprache vorgesehen war – den Polen oder den Ruthenen zugerechnet.”

Nicht ideal

Das System stieß in einem Reich, in dem weite Gebiete zwei-, wenn nicht überhaupt mehrsprachig waren, bald an seine Grenzen (in der Vojvodina wurde neben Ungarisch auch Kroatisch, Serbisch und Deutsch gesprochen). Mehr noch, es förderte entgegen seiner Intention das Denken in nationalen Kategorien. Scheer: “Wer in Mähren, einem weitgehend zweisprachigen Raum, lebte und angab, von beiden Sprachen öfters Tschechisch zu sprechen, der kam in ein tschechisches Regiment.” Und wurde somit gleichsam zum Tschechen gemacht. Während sein Freund, sein Bruder in ein deutsches Regiment kam und zum Deutschen gemacht wurde.

“Das interessante ist”, berichtet Scheer, “dass die Unzulänglichkeiten des Systems wohl erkannt, aber nie behandelt wurden.” Niemand wollte daran rühren. Schon gar nicht der Kaiser, der sämtliche Entscheidungen an die Peripherie seines Beamtenapparates delegierte, an die 15 Korpskommandos –, um nicht angreifbar zu sein. Dadurch wurden sprachliche Unstimmigkeiten immer wieder von Fall zu Fall entschieden. Wodurch die Regeln immer wieder flexibel ausgestaltet wurden, was wiederum zur Resilienz des Konstrukts beitrug.

Misstrauen an der Front

Die große Belastungsprobe kam indes während des Krieges 1914-1918. Hier, berichtet Scheer, mischten sich die Sprachen auf den Schlachtfeldern Galiziens, Serbiens, Italiens und wo die K.-u.-k.-Armee sonst noch kämpfte. Hier fanden sich die Soldaten des Kaisers und Königs in einem Sprach-Babylon wieder. – Im gegenseitigen Un- und Missverständnis, dem tschechische, slowenische und kroatische Soldaten durch die Entwicklung eines “Armee-Slawisch” entgegenwirkten, welches auch viele Deutsche, Ungarn, Italiener und Rumänen beherrschten.

Fataler aber, so die Historikerin, die sich in dem FWF-Projekt durch Archive, Korrespondenzen und Tagebücher aller Sprachen und Regionen der alten Monarchie arbeitete, sei das Misstrauen gewesen, welches während des 1. Weltkrieges um sich griff. “Die deutsch sprechenden Österreicher unterstellten den Tschechen nicht treu zum Kaiser zu stehen”, erzählt Scheer. Schlimmer noch. Die Ruthenen wurden von den Polen verdächtigt und beschuldigt, Spione des Zaren zu sein. Und die Deutschsprachigen nahmen diesen Verdacht auf. Die Folge waren massive Verbrechen und Gräueltaten der Armee an der eigenen Zivilbevölkerung in Galizien. Es blieben nicht die einzigen. Und je länger der Krieg andauerte, desto offener wurden Vorbehalte gegenüber anderen Sprachen demonstriert. “Da gab es Akte der Missachtung, die in Friedenszeiten massiv geahndet worden wären”, sagt Scheer. Im Kriegsgetöse jedoch nicht mehr verfolgt wurden.

“Dabei hatte dieses System dazu geführt, dass man national gesinnter Tscheche und kaisertreu und loyal zur Armee sein konnte”, stellt Tamara Scheer fest. Durchaus im Sinne seiner Schöpfer. “Es gibt eben verschiedene Kategorien der Loyalität. Die Sprache allein ist kein ausreichendes Kriterium.”

Zur Person
Tamara Scheer (https://iog.univie.ac.at/ueber-uns/personal/research-fellows-und-projektmitarbeiter/tamara-scheer/) lehrt seit 2009 an der Universität Wien, seit 2012 war sie am Ludwig Boltzmann Institut für Historische Sozialwissenschaft finanziert durch ein Hertha-Firnberg- Stipendium des FWF tätig, und forscht seit Oktober 2017 mit einem Elise-Richter-Stipendium des FWF am Institut für Osteuropäische Geschichte (https://iog.univie.ac.at) der Universität Wien. Darüber hinaus war Scheer als Gastwissenschafterin an der Tschechischen Akademie der Wissenschaften, an der European University in Florenz und am Trinity College Dublin tätig.

Publikationen und Beiträge
Konstruktionen von ethnischer Zugehörigkeit und Loyalität in der k.u.k. Armee der Habsburgermonarchie (1868-1914), in: Alexandra Millner, Katalin Teller (Hrsg.), Gemengelagen. Transdifferenz, Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns, transcript Verlag (Bielefeld) in der Reihe “lettre” 2017

Die k.u.k. Regimentssprachen: Eine Institutionalisierung der Sprachenvielfalt in der Habsburgermonarchie (1867/8-1914) in: Niedhammer, Martina/ Nekula, Marek et al. (Hg.), Sprache, Gesellschaft und Nation in Ostmitteleuropa. Institutionalisierung und Alltagspraxis. Göttingen 2014, 75-92

Habsburg Languages at War: “The linguistic confusion at the tower of Babel couldn´t have been worse”, in: Languages and the First World War (Volume 1: Languages and the First World War: Communicating in a Transnational War), ed. by Christophe Declercq & Julian Walker, Palgrave: Basingstoke 2016, 62-78

Mehr Informationen
https://univie.academia.edu/TamaraScheer

Bild und Text ab Montag, 6. November 2017 ab 9.00 Uhr MEZ verfügbar unter: http://scilog.fwf.ac.at

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Wissenschaft/Forschung

Bessere Einspritzdüsen für Dieselfahrzeuge

Um moderne Dieselfahrzeuge energieeffizient und sauber zu machen, braucht es unter anderem präzise steuerbare Einspritzdüsen, die mit Piezo-Kristallen arbeiten. Wie diese Kristalle im Detail funktionieren, war bisher nicht restlos geklärt. Eine Forschergruppe aus Leoben hat es nun in einem vom Wissenschaftsfonds FWF finanzierten Projekt geschafft, diese Technologie verlässlicher und effizienter zu machen. Das ist auch für medizinische Anwendungen oder Energy Harvesting interessant.

 

Dieselfahrzeuge stehen derzeit wegen ihres Abgases unter heftiger Kritik. Stickoxide und Ruß trüben das verbreitete Bild des „sauberen“ Dieselmotors. Während der Anteil an Stickoxiden nur durch Zusatz von Chemikalien oder durch niedrigere Verbrennungstemperaturen und damit einhergehenden Verlust an Drehmoment reduziert werden kann, hängt die Ruß-Entwicklung von der Qualität des Verbrennungsvorgangs ab. Dafür genügt es schon lange nicht mehr, einfach zu einem bestimmten Zeitpunkt etwas Kraftstoff einzuspritzen: Meist gibt die Einspritzdüse zuerst kleinere Mengen Diesel ab. Erst wenn diese sich entzündet haben, folgt der Rest des Treibstoffs. All das muss in Sekundenbruchteilen passieren, bei Common-Rail-Dieselmotoren sind dafür hochpräzise steuerbare Einspritzdüsen notwendig. Magnetische Ventile sind hier oft zu träge, zum Einsatz kommen in diesem Fall Piezo-Kristalle, eine Technologie, die wegen ihrer hohen Genauigkeit bisher in Uhren oder in der Elektronenmikroskopie eingesetzt wurde, wo es auf millionstel Millimeter ankommt.

Eine Forschergruppe vom Materials Center Leoben (MCL) um den Werkstoffwissenschaftler Marco Deluca hat es nun geschafft, Grundlagen zu entwickeln, um die in der Autoindustrie verwendeten Piezo-Bauteile effektiver und verlässlicher zu machen. In einem vom Wissenschaftsfonds FWF finanzierten Projekt warf man dafür einen Blick tief ins Innere dieser Kristalle.

Besser als Quarz

Die wesentliche Eigenschaft von Piezo-Kristallen ist, dass sie sich ausdehnen, wenn eine elektrische Spannung angelegt wird. Umgekehrt entsteht Spannung, wenn man sie unter Druck setzt. Ein Piezo-Kristall kann also ein Ventil öffnen, wenn er elektrisch angeregt wird. Das bekannteste Material, das diese Eigenschaft besitzt, ist Quarz, der als Taktgeber in Uhren eingesetzt wird. In der Autoindustrie verwendet man keramische Materialien, die „ferroelektrisch“ genannt werden und etwas andere Eigenschaften haben, erklärt Marco Deluca: „Es gibt einen Unterschied zum Quarz. Wenn man Druck ausübt, erzeugt man elektrische Spannung. Beim Quarz lässt sich diese Eigenschaft allerdings nicht verändern. In ferroelektrischen Materialien hingegen kann auch die Richtung der Ausdehnung des Materials beeinflusst werden.“

Während die Atome in einem Quarz-Kristall sehr geordnet sind, bestehen ferroelektrische Keramiken aus winzigen sogenannten „Domänen“, die kleiner als ein Millionstel Millimeter sind. Wird eine genügend hohe Spannung angelegt, so „klappen“ diese Domänen um und richten sich aus. „Durch dieses Klappen der Domänen erreicht man bei gleicher Spannung eine höhere Ausdehnung als bei Materialien wie Quarz, die nur piezoelektrisch sind“, erklärt Deluca. Diese stärkere Ausdehnung ist für Einspritzdüsen wesentlich.

Untersuchung mit Laser- und Röntgenstrahlung

Common-Rail-Einspritzdüsen mit Piezo-Injektoren sind in der Autoindustrie seit einigen Jahren üblich, doch es gibt einige technische Probleme. Man kämpft mit Rissen in den Keramik-Elementen, weshalb diese unter einer gewissen Druck-Vorspannung verbaut werden. „Man hat außerdem beobachtet, dass die Performance besser wird, wenn man die Aktoren mit etwa 50 Megapascal Druck im Motor einbaut. Die Hersteller wussten aber nicht, warum“, sagt Deluca. Eine der Aufgaben des Projekts war, diesen Effekt besser zu verstehen. „Dazu haben wir kommerziell verfügbare Piezo-Aktoren in Aktion mit Laser-Raman-Spektroskopie und Röntgenmethoden untersucht.“ Für derartige Untersuchungen braucht es sehr genau fokussierbare hochenergetische Röntgenstrahlung, wie sie nur bei Teilchenbeschleunigern ähnlich jenen im Kernforschungszentrum CERN entsteht. Damit ließe sich das Material durchleuchten und die Positionen der Atome genau abbilden.

Deluca nutzte hierfür eine Zusammenarbeit mit der North Carolina State University, bei deren Teilchenbeschleuniger (Advanced Photon Source) die Messungen durchgeführt wurden. „Die Raman-Spektroskopie hingegen liefert die durchschnittliche Gitterorientierung, also die Orientierung der Domänen, im Mikrometer-Bereich und ergänzt deshalb die Röntgen-Experimente auf einer unterschiedlichen Längenskala. Ein derartiges Raman-Equipment gibt es bereits in Leoben“, erklärt Deluca.

Bei den Untersuchungen zeigte sich, dass die mechanische Vorspannung die Orientierung der Domänen verändert: Die Vorspannung ordnet die Domänen in eine bestimmte Richtung senkrecht zur elektrischen Feldachse. Wenn sie nun elektrisch angeregt werden, können mehr Domänen umklappen als ohne vorgelegte mechanische Spannung. „Dadurch erzeugt man eine größere Veränderung in der Länge des Materials“, so Deluca. Mit diesem Wissen habe man nun die optimale Vorspannung für die technische Anwendung bestimmen können.

Risse vermeiden

Ein weiteres Ziel des Projekts war es, die Rissbildung zu verhindern. „Die Rissbildung lässt sich stoppen, wenn man die ursprüngliche Orientierung der ferroelektrischen Domänen steuern kann.“ Dafür ist es nötig, abzubilden, in welche Richtung die Domänen orientiert sind. „Eines der Ziele unseres Projekts war, Methoden zu finden und zu verfeinern, die die Orientierung von ferroelektrischen Domänen messen können.“

Viele Anwendungen möglich

Dieses Wissen werde bereits industriell verwendet, berichtet Deluca. Nicht nur die Automobilindustrie ist an dieser Entwicklung interessiert, auch andere Technologiezweige setzen auf Piezoelektrizität. „Das Problem ist letztlich immer: Welche Orientierung ist die beste für die Anwendung? Wie lässt sich die Orientierung von Domänen verändern? Welche Belastung ist möglich, ohne sie zu zerstören? Das wird vor allem für Energy Harvesting oder für energieautarke Sensoren interessant sein.“ Auch in der Medizin gibt es Anwendungsmöglichkeiten. „In allen diesen Bereichen wird aus Verformung Energie gewonnen. Das Material, das wir analysiert haben, kann dafür verwendet werden“, sagt Deluca.


Zur Person
Marco Deluca (https://www.mcl.at/unternehmen/mitarbeiterinnen/mitarbeiterdetail/marco-deluca/) ist Materialforscher in der Mikroelektronik-Gruppe am Materials Center Leoben (https://www.mcl.at/) (MCL). Er leitet die Forschungsgruppe für funktionale Materialien, die sich besonders für die strukturellen Eigenschaften von Halbleitern und Keramiken sowie für die Abscheidung dünner Oxidschichten mittels kostengünstiger Sprühverfahren interessiert. Deluca leitet aktuell ein weiteres FWF-Projekt über Relaxor-Materialien, welche eine ungeordnete Art von ferroelektrischen Keramiken sind. Im Projekt, das bis Ende 2019 läuft, wird eine Kombination von Raman-Spektroskopie und atomistischer Modellierung angewendet, um Struktur-Eigenschaft-Beziehungen in Relaxoren zu ermitteln, letztlich mit dem Ziel, den atomistischen Grund von Relaxor-Eigenschaften zu enthüllen. Marco Deluca ist auch Privatdozent an der Montanuniversität Leoben.

Publikationen
P. Kaufmann, S. Röhrig, P. Supancic, and M. Deluca: „Influence of ferroelectric domain texture on the performance of multilayer piezoelectric actuators“ (http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0955221916306823?via%3Dihub), Journal of the European Ceramic Society 37, 2017

G. Esteves, C. Fancher, S. Röhrig, G. Maier, J. Jones, M. Deluca: „Electric-field-induced structural changes in multilayer piezoelectric actuators during electrical and mechanical loading“ (http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1359645417302963), Acta Materialia 132, 2017

S. Röhrig, C. Krautgasser, R. Bermejo, J. L. Jones, P. Supancic, and M. Deluca: „Quantification of crystalline texture in ferroelectric materials by polarized Raman spectroscopy using Reverse Monte Carlo modelling“ (http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0955221915300868?via%3Dihub), Journal of the European Ceramic Society 35, 2015

Bild und Text ab Montag, 30. Oktober 2017 ab 9.00 Uhr MEZ verfügbar unter: http://scilog.fwf.ac.at

 

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Priv.-Doz. Dr. Marco Deluca
Materials Center Leoben Forschung GmbH (MCL)
Roseggerstraße 12
8700 Leoben
T +43 / 3842 / 45922 – 530
M +43 / 0664 2604 373
marco.deluca@mcl.at
W www.mcl.at

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Wissenschaft/Forschung

Wiener Schimpfkultur: Seavas, Wappler!

Die Germanistin Oksana Havryliv untersucht mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF das Phänomen des Schimpfens bei den Wienerinnen und Wienern. Geschimpft und geflucht wird vor allem, um sich abzureagieren, quer durch alle Schichten und in jedem Alter. Erstmals hat die Wissenschafterin auch die Wahrnehmung der Betroffenen abgefragt.

Auffahren, schneiden, drängeln, ausbremsen. – Im Straßenverkehr gibt es täglich Situationen, die unseren Unmut erregen. Um dem Ärger Luft zu machen, hilft schimpfen und das fällt umso leichter, wenn man alleine im Auto sitzt. „Verbale Aggression kommt beim Autofahren tatsächlich am häufigsten vor“, bestätigt Oksana Havryliv von der Universität Wien. Die indirekte Form, wenn es kein direktes Gegenüber gibt, ist mit 68 Prozent insgesamt die häufigste Art, seinen Emotionen verbal freien Lauf zu lassen. Zu dieser Form zählt auch die Aggression in Gedanken, wenn beispielsweise direkte Beschimpfung nicht ohne Konsequenzen bleiben würde, wie im Gespräch mit Vorgesetzten, Geschäftspartnerinnen und -partnern oder Kundinnen und Kunden.

Reinigende Funktion im Vordergrund

Aufbauend auf ein Lise-Meitner-Projekt des Wissenschaftsfonds FWF hat die Germanistin Oksana Havryliv am Institut für Germanistik im Rahmen des FWF-Frauenförderprogramms Elise-Richter Daten aus 36 Interviews und mehr als 200 Fragebögen erhoben. In dem vor Kurzem abgeschlossenen Projekt „Verbale Aggression und soziale Variablen“ befragte Havryliv Personen jeden Alters (von 13 bis 80 Jahren), quer durch alle Schichten und gleichmäßig nach Geschlecht (50:50) aufgeteilt.

Entgegen der bisherigen Meinung in der Wissenschaft, die das Schimpfen, Fluchen, Verwünschen oder Drohen als Gewaltmittel betrachtete, um andere zu beleidigen oder zu kränken, legen die Untersuchungen der Nachwuchsforscherin rund 20 Funktionen und dabei vor allem produktive Aspekte des Schimpfens offen. Ihre Hypothese, dass das Schimpfen eine kathartische Funktion hat, konnte Havryliv bereits 2009 bestätigen. Die gewalttätige oder beleidigende Intention spielt hingegen damals wie heute für nur 11 Prozent der Befragten eine Rolle. Im Laufe der sieben Jahre, in denen die Forscherin zwei große Umfragen durgeführt hat, zeigt der Vergleich, dass die Rolle der wichtigsten Funktion verbaler Aggression – das Abreagieren negativer Emotionen – von 64 Prozent auf 73 sogar zugenommen hat, während der scherzhaft-kosende Gebrauch von 25 auf 16 Prozent gesunken ist.

Scherzhafter Gebrauch nimmt ab

Der scherzhafte Umgang (fiktive verbale Aggression) mit Schimpfwörtern ist besonders unter Freunden beliebt, signalisiert Verbundenheit und findet sich zum Beispiel bei der Begrüßung unter Jugendlichen wieder: „Seavas, du Wappler“. Dieser Aspekt des Schimpfens verweist auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes: Im Alt- und Mittelhochdeutschen bedeutete es „scherzen“ und „spielen“, erst später „verspotten“. Insgesamt verwenden Jugendliche aggressive Sprache bewusster, das heißt, intentionaler als Erwachsene. Hier übernimmt „grobe Sprache“ unterschiedliche Funktionen: um sich als Überlegen zu positionieren, von anderen abzugrenzen, einander zu bestärken, um neue Mitschülerinnen und -schüler oder auch Erwachsene gezielt zu provozieren etc.

In anderen Fällen erfüllt der scherzhafte Gebrauch von pejorativer Lexik, also Schimpfwörtern, eine verstärkende Funktion, um Trost oder Bewunderung auszudrücken wie etwa in dem anerkennenden „Du Luder!“ oder „Du gutmütiger Depp!“. Dass der humorvolle Gebrauch zugunsten des Abreagierens negativer Emotionen abgenommen hat, ist unter anderem auf sich verändernde Gesellschaftsverhältnisse vor dem Hintergrund von Migration zurückzuführen. So gaben vor allem ältere Personen an, sie würden im Vergleich zu früher davon Abstand nehmen, sich im öffentlichen Raum verbal aggressiv zu äußern, „da man nicht weiß, wie andere darauf reagieren“.

Sozialer Status, Geschlecht und Wahrnehmung

„Frauen verwenden mehr Ausdrücke mit höherer Bildkraft und reflektieren ihr Verhalten stärker“, fasst Havryliv die Ergebnisse in Bezug auf Geschlechteraspekte zusammen. „Dass Frauen verstärkt zur Selbstreflexion neigen, zeigt sich sowohl in den Kommentaren der Fragebögen als auch in den Emotions- und Situationsthematisierungen.“ Hier geht es vorrangig darum, indirekt Grenzen aufzuzeigen mit Formulierungen wie „Ich flipp aus!“, „Mich zerreißt’s gleich!“ oder „Das ist wirklich das Letzte!“. Bei Männern sind Beschimpfungen eher direkt und etwa an Gegenstände wie Computer oder das Auto gerichtet. – Grundsätzlich aber gilt, geschimpft, geflucht oder gelästert wird in allen Schichten, egal ob mit Hochschulabschluss oder niedrigem Bildungsniveau. Aufgefasst wird das von den Betroffenen hingegen unterschiedlich. Frauen kränkt es eher, wenn ihr Aussehen beleidigt wird. Männer reagieren empfindlich, wenn ihre Leistung, ob beruflich oder sexuell, hinterfragt wird.

Selbstaggression und verbale Gewalt

Nicht selten sind Wut und Ärger auch gegen sich selbst gerichtet. Hier wurde bis dato die These vertreten, dass Selbstaggression bei Frauen häufiger vorkommt. Havrylivs Daten haben das allerdings nicht bestätigt. „Sowohl Frauen als auch Männer neigen im gleichen Maße zu Selbstbeschimpfungen“, erklärt die Wissenschafterin.   

Wichtig ist der Forscherin, eine Trennlinie zwischen verbaler Aggression und verbaler Gewalt zu ziehen. – Da die beiden Begriffe oft als synonym betrachtet werden. „Verbale Gewalt ist ein breiteres Phänomen, die ausgeübt werden kann, ohne aggressive Sprechakte zu gebrauchen.“ Um für solche Unterschiede zu sensibilisieren und die Wirkungen des eigenen Sprachgebrauchs zu reflektieren, hält Havryliv auch Workshops an Schulen ab. Damit sie diese auch weiterhin fortführen kann, hat die Germanistin soeben in dem Wissenschaftskommunikationsprogramm des FWF eingereicht.

Geschimpft wird im Dialekt

Oksana Havryliv beschäftigt sich bereits rund 20 Jahre mit dem Thema Schimpfkultur und hat ihren Fokus auf den Wiener Dialekt gerichtet. Als gebürtige Ukrainerin, die schon viele Jahre in Wien lebt, hat sie ein besonderes Gehör für die lautmalerischen Begriffe des Wienerischen entwickelt. Dass meistens im Dialekt geschimpft wird, sei naheliegend, erklärt sie: „Dort, wo man sich sprachlich Zuhause fühlt, ist es leichter, seinen Emotionen verbal nachzugeben.“ Dabei ist der Wiener Dialekt nicht nur eine gute Quelle für einschlägige Bezeichnungen, „besonders interessant ist auch der Kontakt zu anderen Sprachen wie zum Beispiel den slawischen“, sagt Havryliv. In Letzteren werden Schimpfwörter oft gebraucht, um einfach nur Pausen zu füllen. Dieser „expletive Gebrauch“ ist inzwischen auch im Deutschen, besonders bei Jugendlichen, üblich.


Zur Person
Oksana Havryliv (https://germanistik.univie.ac.at/personen/havryliv-oksana/) hat Germanistik in der Ukraine studiert. In den 1990er-Jahren kam sie mit einem Stipendium erstmals nach Wien und hat ihr Interesse für das Wiener Schimpfverhalten entdeckt. Sie promovierte über das Schimpfvokabular in der modernen Literatur etwa von Werner Schwab, H.C. Artmann und Thomas Bernhard. Anfang 2017 hat die Wissenschafterin die sozialen Dimensionen der verbalen Aggression im Rahmen eines Elise-Richter-Stipendiums (http://www.fwf.ac.at/de/forschungsfoerderung/fwf-programme/richter-programm/) des FWF am Institut für Germanistik der Universität Wien abgeschlossen.

Publikationen
Havryliv, Oksana: Verbale Aggression: das Spektrum der Funktionen (https://bop.unibe.ch/linguistik-online/article/view/3713). In: Linguistik Online Sprache und Gewalt/Language and Violence 3/2017, Band 82

Havryliv, Oksana: Aggressive Sprechakte: im Dienste der Empörung. In: Alexandra Millner, Bernard Oberreither, Wolfgang Straub (Hg.). Empörung! Besichtigung einer Kulturtechnik (https://www.facultas.at/list/9783708912431). Beiträge aus Literatur- und Sprachwissenschaft. Wien: Facultas, 2015

Havryliv, Oksana: Verbale Aggression. Formen und Funktionen am Beispiel des Wienerischen (https://www.peterlang.com/view/product/64026). Frankfurt am Main u. a.: Peter Lang, 2009

Bild und Text ab Montag, 23. Oktober 2017 ab 9.00 Uhr MEZ verfügbar unter: http://scilog.fwf.ac.at

 

Wissenschaftlicher Kontakt
Dr. Oksana Havryliv
Institut für Germanistik
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Bau/Immobilien Energie/Natur/Umwelt Wissenschaft/Forschung

Absichtslose Ästhetik

Konrad Frey war ein Pionier. Er hat datenbasiert und wissenschaftsgetrieben Solarhäuser geplant und gebaut. Bekannt sind er und sein Werk nur wenigen. Das soll ein vom Wissenschaftsfonds FWF unterstütztes Projekt des Architekturtheoretikers Anselm Wagner ändern.

 

„Die Architektur Konrad Freys zeichnet sich dadurch aus, dass sie ihre Form aus der Funktion heraus entwickelt“, sagt der Grazer Kunsthistoriker und Architekturtheoretiker Anselm Wagner. Die Arbeit des 1934 in Wien geborenen und später in Graz und London tätigen Architekten zeichnet sich durch noch mehr aus –, sie ist Sonnenhausarchitektur im besten Sinne des Wortes. Bereits 1972 hat Konrad Frey zusammen mit Florian Beigel das erste Solarhaus Österreichs entworfen. – Basierend auf seinen wissenschaftlichen Arbeiten zur Nutzung der Sonnenenergie seit Ende der 1960er-Jahre.

Frey war zweifellos ein Pionier und ist dennoch weitgehend unbekannt. „Graz ist für die Grazer Schule bekannt, wie sie Friedrich Achleitner genannt hat, und für die Dekonstruktivisten wie Günther Domenig“, erläutert Wagner, der aktuell das vom Wissenschaftsfonds FWF geförderte Forschungsprojekt „Die Solarhäuser von Konrad Frey: Umweltforschung und solares Wissen im Entwurf“ an der Technischen Universität (TU) Graz leitet. Konrad Frey ist kein Dekonstruktivist. Er sei, betont Wagner, auch kein zeichnender Architekt, vielmehr ein Forschender.

Als Architekt übersehen

Ein Forschender, der nur wenig gebaut hat, und das noch dazu meist am Rand, in der Provinz. Abseits der Metropolen, fern der stark befahrenen Wege. „Hätte er in Wien gearbeitet, wären seine ersten Arbeiten im Umfeld der Stadt entstanden, seine Architektur wäre längst schon Gegenstand der Forschung“, ist Anselm Wagner überzeugt.

In den vergangenen Jahren nimmt die Debatte um Nachhaltigkeit an Fahrt auf. Doch, kritisiert Wagner, drehe sie sich in erster Linie um Ökonomie und Ökologie. Nicht aber um die Architektur. „Das hat Folgen für die Landschaft, in Form uninspirierter Null-Energie-Häuser. Die Ästhetik wird vollkommen außer Acht gelassen“, kommentiert Wagner. Dabei finden wissenschaftliche Erkenntnis, Stilempfinden und ökologischer Anspruch durchaus zusammen. Das zeigen die Arbeiten Freys, der in den 1970ern am Grazer Forschungszentrum Joanneum die Energieberatung aufbaute.

Versuchsstation der Energiegewinnung

Das Haus Zankel nahe Genf und doch schon in Frankreich, in Prévessin, plante Frey ab 1976 für den damaligen CERN-Physiker Karl Zankel. Es ist in jeder Hinsicht ungewöhnlich, ist eine ausdrucksvolle Raumskulptur, ein Solarlabor, eine Versuchsstation. Es vereint aktive und passive Gewinnung von Solarenergie und funktionelle Technikbegeisterung mit postmodernem Witz. „Frey hat, wie gesagt, aus der Funktion heraus seine Formen gefunden. Er konnte gar keine Schule begründen. Es gibt keine Linie, kein Design, das er geprägt hat“, erklärt Wagner. Vielmehr handle es sich bei den Bauten des Energieberaters um eine absichtslose Ästhetik. Wesentlich sei indes der Begriff des ‚Environments‘, erklärt Forschungsleiter Wagner. „In dem Sinne, dass für Frey ein Haus nicht nur eine Wohnmaschine ist, sondern den physischen und psychischen Bedürfnissen seiner Bewohner ebenso entsprechen muss, wie es sich in seine Umgebung einfügt.“

Das Projekt sucht nun die Detailarbeit des Architekten festzuhalten, seine Zugänge freizulegen und die Übersetzung von Erkenntnis in Raumgestaltung nachvollziehbar zu machen. „Frey hat einen stark wissenschaftlichen Ansatz in seiner Architektur“, betont Wagner. Das unterscheide ihn von seinen Grazer Zeitgenossen und Kollegen.

Anspruchsvoll und günstig

Was ihn wiederum mit ihnen verbindet, ist die Eigenschaft konsequenten Querdenkens. In seinem jüngsten Bau, seinem Privathaus, setzte Konrad Frey ausschließlich Standardbauelemente aus dem Baumarkt ein. „Er wollte damit“, erklärt Wagner, „belegen und beweisen, dass es möglich ist, günstig und mit gängigen Elementen ein Solarhaus zu errichten. Ein anspruchsvolles Solarhaus.“

Basierend auf dem Vorlass Freys, der dem Archiv der TU Graz zur Verfügung steht, wird das laufende Forschungsprojekt noch bis 2019 durch die Auswertung unveröffentlichter Quellen, neuer Daten, vom Institut für Bauphysik und Bauökologie der TU Wien durchgeführte Messungen und Neukonzeptionen der Energieeffizienz ein Online-Werkverzeichnis und eine Monografie erstellen. Das Verzeichnis soll bereits ab Ende 2017 online gehen. Damit wird Frey auch als, wenngleich höchst eigenständiger Teil der Grazer Schule gewürdigt werden.

Zur Person
Nach Lehraufträgen an der Universität für angewandte Kunst Wien, der Universität Mozarteum Salzburg, der Universität Wien und der Universität Graz sowie Gastprofessuren unter anderem an der TU Wien, der TU Graz und der University of Minnesota ist Anselm Wagner (http://akk.tugraz.at/team/anselm-wagner/) seit 2010 Universitätsprofessor und Vorstand des Instituts für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften an der TU Graz.

Publikationen
M. Schuss, U. Pont, M. Taheri, C. Lindner, A. Mahdavi: „Simulation-assisted monitoring-based performance evaluation of a historically relevant architectural design“, in: Building Simulation Applications Proceedings 3 (2017), Hg. v. M. Baratieri, V. Corrado, A. Gasparella, F. Patuzzi, ISSN: 2531-6702, Paper-Nr. 78

Bild und Text ab Montag, 16. Oktober 2017 ab 9.00 Uhr MEZ verfügbar unter: http://scilog.fwf.ac.at


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Wissenschaft/Forschung

Frauenstimmen gegen Vorurteile in der Monarchie

Sie stammten aus der Monarchie Österreich-Ungarn, migrierten, schrieben vielfältig und gegen den gesellschaftlichen Mainstream des 19. und frühen 20. Jahrhunderts an und wurden in der Literaturgeschichte bisher weitgehend vernachlässigt: Germanistin Alexandra Millner hat mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF 200 Autorinnen mit Migrationserfahrung aufgespürt und in einer Datenbank vereint.

 

Dass Frauen sich Bildung aneignen, selbst schreiben und ihre Werke gelesen werden, war zur Zeit der Habsburgermonarchie nicht die Regel. Umso erstaunlicher ist es, dass Alexandra Millner von der Universität Wien unterstützt vom Wissenschaftsfonds FWF nicht wenige, heute unbekannte Autorinnen gefunden hat, die im damaligen Österreich-Ungarn äußerst produktiv waren: Frauen mit Migrationserfahrung, die häufig gegen den gesellschaftlichen Mainstream anschrieben und zum Teil ein großes Lese-Publikum hatten. Im Rahmen vorangehender Forschung war der Germanistin aufgefallen, dass Frauen, die ihren Lebensmittelpunkt änderten, oft einen anderen Blick auf die Gesellschaft hatten. Ausgehend von bekannten Schriftstellerinnen wie Bertha von Suttner, Ada Christen oder Marie von Ebner-Eschenbach spürte die Elise-Richter-Stipendiatin am Institut für Germanistik rund 200 Autorinnen im Zeitraum von 1867 bis 1918 auf: frühe, zum Teil subversive Frauenstimmen, die sich unter den erschwerten Bedingungen der Zensur Gehör verschafften.

Neue Datenbank erweitert tradierten Kanon

Gemeinsam mit Katalin Teller von der Eötvös-Loránd-Universität Budapest deckte Millner ausgehend von Standard-Werken zur Literaturgeschichte, digitalisierten historischen Literaturzeitschriften, Datenbanken (z.B. Ariadne https://www.onb.ac.at/forschung/ariadne-frauendokumentation) sowie Bibliotheksverzeichnissen zu Unrecht vernachlässigte Namen auf. „Die Digitalisierung der Zeitschriften ist für uns ein Segen, zumal viele Frauen den Schritt von der unselbstständigen Publikation zu eigenen Büchern nie vollzogen haben“, betont Millner. Aus der Fülle des Materials wurden fünf Lebensgeschichten ausgesucht und exemplarisch vertieft. In der öffentlich zugänglichen Datenbank www.univie.ac.at/transdifferenz, die laufend ergänzt werden soll, sind nun Informationen zu Name und/oder Pseudonym, Lebensdaten, Migrationsbewegung, selbstständigen und unselbstständigen Publikationen sowie Links zu Digitalisaten für jede der gefundenen Autorinnen abrufbar. Der tradierte Literaturkanon hat durch diese Grundlagenforschung eine wertvolle Ergänzung erfahren.

Die Migrationserfahrungen der Frauen waren ganz unterschiedlich: Vom Rand der Monarchie in die Residenzhauptstadt Wien, in die Gegenrichtung, ins Exil, mit anderer Erstsprache als Deutsch, freiwillig oder erzwungen, wohlhabend oder mittellos. Die Autorinnen stammten häufig aus dem Adel oder gehobenen Bürgertum; sie waren Lehrerinnen, Schriftstellerinnen, Schauspielerinnen, Arbeiterinnen oder Journalistinnen. Viele schrieben, weil sie aufgrund der Großen Depression plötzlich einen Beruf ergreifen und Geld verdienen mussten. Deutsch als Amtssprache einte sie mit ihrem Lesepublikum, denn in der Habsburgermonarchie war eine strikte Form dessen, was man heute „Leitkultur“ nennt, in Kraft. Vor dem Hintergrund von Industrialisierung und Alphabetisierung wurde im Vergleich zu heute ein Vielfaches an Tageszeitungen und Zeitschriften publiziert und gelesen. Schrift wurde zunehmend ein Medium zur Verbreitung politischer Ideen. Im Rahmen ihres Elise-Richter-Stipendiums des FWF wollte Alexandra Millner den Literaturkanon erweitern: „Mir ist aufgefallen, dass viele Frauen, die aus der Peripherie ins Zentrum migriert waren, anders schrieben als jene aus dem Zentrum der Monarchie. Das geht sichtlich auf die Intensität der Migrationserfahrung zurück, die nach Formulierung und Ausdruck verlangt, und führt zu einem vorurteilsfreieren Blick.“

Transdifferenz – Hinauswachsen über Vorurteile

Um das Subversionspotenzial der Frauenstimmen auszuloten, begab sich Alexandra Millner auf die Suche nach bewusst in die Literatur eingeflochtenen „transdifferenten Momenten“. Transdifferenz beschreibt das Abweichen oder Hinauswachsen einer Person über Eigenschaften, die ihr aufgrund der Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe (mit Kategorien wie Geschlecht, Religion, Sprache, Schicht, Profession oder Generation) zugewiesen werden. Die Germanistin hat eine Methode entwickelt, „um vor dem Hintergrund viel gelesener Literatur in Österreich-Ungarn und den darin vorkommenden Figuren Abweichungen festzustellen“, berichtet Millner. „Auffallend sind für mich Schriftstellerinnen, die populäre stereotype Figuren wie ‚das böhmische Dienstmädel’‚ oder ‚die junge Zigeunerin‘ gegen den Strich schreiben.“ Als Beispiel darf etwa eine Erzählung von der zu ihrer Zeit durchaus bekannten Naturalistin und Salonnière Eugenie Marie delle Grazie gelten, in der eine junge Romni nicht mit den stereotypen Eigenschaften wie schön, wild, verführerisch oder verschlagen gezeigt wird, sondern unschuldig und moralisch integer. Zudem verwehrt sich die junge Erzählerin in einem Gespräch mit ihrer alten Amme gegen deren negativen Vorurteile gegenüber den Roma.

Es zeigt sich auch, dass im Gefolge großer Emanzipationsbewegungen wie der Französischen Revolution oder der Abschaffung der Sklaverei in den USA und im Zuge der Ermächtigung der Frauen sowie der Arbeiterklasse subtile literarische Stimmen immer lauter wurden. Nebenbei beweist die Datenbank, dass Migration zur Menschheitsgeschichte gehört. Die Erfahrung mit Ortswechseln schärft den Blick für Stereotype und Vorurteile. Und der Blick zurück auf die historische Literatur wirft wiederum ein neues Licht auf die gegenwärtige Literatur über Migrationserfahrungen.


Zur Person
Alexandra Millner (https://germanistik.univie.ac.at/personen/millner-alexandra/) forscht am Fachbereich Neuere deutsche Literatur des Instituts für Germanistik (https://germanistik.univie.ac.at/) der Universität Wien. Sie studierte Deutsche Philologie, Anglistik und Amerikanistik sowie Kunstgeschichte und promovierte in Deutscher Philologie. Ihre Spezialgebiete sind Literatur und Kultur ab dem 19. Jahrhundert, insbesondere in Österreich-Ungarn sowie Gegenwartsliteratur. Zurzeit ist sie mit der Edition der Dramen und Hörspiele des österreichischen Schriftstellers Albert Drach (1902–1995) im Rahmen eines weiteren FWF-Projekts befasst.

Projektdatenbank: www.univie.ac.at/transdifferenz

Publikationen
http://transdifferenz.univie.ac.at/publikationen/

Alexandra Millner, Katalin Teller: Auf Reisespuren in Bertha und Arthur Gundaccar von Suttners Literatur. In: Johann Georg Lughofer/Milan Tvrdík (Hg.): Suttner im KonText (https://www.winter-verlag.de/en/detail/978-3-8253-6552-3/Lughofer_Tvrdik_Hg_Suttner_im_KonText/). Interdisziplinäre Beiträge zu Werk und Leben der Friedensnobelpreisträgerin. Heidelberg: Winter-Verlag 2017, S. 45–73

Alexandra Millner, Katalin Teller (Hg.): Transdifferenz und Transkulturalität. Migration und Alterität in den Literaturen und Kulturen Österreich-Ungarns. Bielefeld: transcript Verlag (Sammelband in Vorbereitung)

 

Bild und Text ab Montag, 9. Oktober 2017 ab 9.00 Uhr MEZ verfügbar unter: http://scilog.fwf.ac.at

 

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Gesundheit/Medizin Wissenschaft/Forschung

Vom Spektakel zur Traumabewältigung

Voodoo-Rituale sind mehr als nur Show. Sie erfüllen wichtige soziale und therapeutische Funktionen, wie Yvonne Schaffler mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF belegte. Die Kultur- und Sozialanthropologin erforschte Praktiken von Besessenheit in der Karibik.

 

Voodoo bedeutet Gott oder Geist. – Im dominikanischen Voodoo spricht man von „misterios“. Besessenheit durch derartige Wesen ist die Essenz der Voodoo-Religion. Angeheizt durch Hollywood-Klischees werden damit geheimnisvolle Riten und schaurige Geschichten verbunden. Doch das Konzept, von Geistern besessen zu sein, gibt es in vielen Religionen und Varianten bis heute. Nur der Umgang damit ist unterschiedlich. Während christliche oder muslimische Geistliche besitzergreifende Geister verbannen wollen, geht es im Voodoo um deren Akzeptanz und die Integration in das Leben.

„Viele Voodoo-Zentren erinnern etwa an katholische Kapellen: Zahlreiche Heiligenbilder, Blumen, Kerzen und andere Devotionalien formieren sich zu kleinen Altären. Oft sind diese allerdings in Privaträumen untergebracht“, erzählt Yvonne Schaffler von ihrer Feldforschung in der Dominikanischen Republik. Dort hat die Kultur- und Sozialanthropologin mit einem Hertha-Firnberg-Stipendium, das der Wissenschaftsfonds FWF an Nachwuchswissenschafterinnen vergibt, über mehrere Jahre den Prozess der Sozialisierung von Besessenheit erforscht. Welche Formen und Funktionen Besessenheit hat oder in welchen Lebensphasen sie auftritt, waren Fragen, die Schaffler beschäftigten.

Wichtige soziale Funktionen

Besessenheit ist ein zeitlich begrenzter Trancezustand, während dem Personen fühlen, dass externe Mächte wie Ahnen oder Gottheiten ihre Körper kontrollieren. Das kann bereits im Kindesalter auftreten. Danach können sich die „Besessenen“ oft nicht erinnern, was sie während der Trance (Dissoziation) gesagt oder getan haben. In mehr als 100 gefilmten Episoden hat Schaffler diese Erlebnisse, deren Abläufe und Riten dokumentiert. Zusätzlich hat sie die Lebensgeschichten von 19 Personen erfasst, die entweder als Voodoo-Praktizierende tätig sind oder ungewollt Besessenheit erleben. Die Praktizierenden erfüllen wichtige soziale Funktionen, wie die Anthropologin zeigen konnte. Sie haben als „Heiler“ und „Heilerinnen“ besondere Stellungen inne und bieten in spirituellen Zentren Dienstleistungen wie etwa Beratungssitzungen im Zustand von Besessenheit an. „Diese Position ermöglicht ihnen ein Zugewinn an (ökonomischer) Autonomie, an Status und sozialer Absicherung“, erklärt Schaffler.

Stress und Trauma

Die Gruppe der unfreiwillig Besessen empfindet die tranceartigen Zustände allerdings als Stress, da die Geister sie spontan und gegen ihren Willen kontaktieren. Oft drückt sich ihr Empfinden in desorganisiertem oder aggressivem Verhalten aus. „Ich habe festgestellt, dass davon Betroffene oft leidvolle Erfahrungen hinter sich haben, wie etwa häusliche Gewalt, Verlust von Bezugspersonen oder Diskriminierung“, berichtet die Wissenschafterin. Zudem zeigte sich, dass diese Personen auch zu körperlichen Symptomen wie Schlaflosigkeit oder Kopfschmerzen neigen. Auch traumatische Erfahrungen sind öfters Teil der Biografie der ungewollt Besessenen. Diesem Aspekt, der Verbindung von Besessenheit und Trauma, widmet sich die Forschung erst seit kurzem. Bis dato gibt es dazu vor allem Studien aus Bürgerkriegsgebieten in Afrika, die diesen Zusammenhang sichtbar machen. Schafflers Daten bestätigen diese Ergebnisse und liefern wichtige Erkenntnisse für die Erforschung von Trauma und Dissoziation.

Voodoo als Bewältigungsstrategie

Auch aus therapeutischer Sicht ist der Umgang mit unfreiwillig Besessenen potenziell interessant. So hat Schaffler festgestellt, dass ein feindlich gesinntes soziales Umfeld und Versuche, die „Dämonen“ rituell austreiben zu wollen, Leid und Stress der Betroffenen verstärken. Ein sogenannter Initiationsprozess hingegen kann als Bewältigungsstrategie dienen. Dabei werden wiederholt und unter professioneller Anleitung Zustände von Besessenheit eingeübt. „Dadurch wird zuvor unkontrollierte Trance strukturiert und kontrollierbar“, so Schaffler. Sowohl der individuelle Lebensverlauf als auch das soziale Umfeld prägen also die Wahrnehmung von oft nur schwer oder gar nicht beschreibaren persönlichen Erfahrungen und Verhaltensweisen.

Ähnlich wie in der Therapieform des „Psychodrama“, bei dem die Klientinnen und Klienten in Form einer Art psychodramatischer „Aufführung“ ihr Thema bearbeiten, werden im Voodoo-Kult körperliche Erfahrungen immer wieder durchlebt und dadurch aufgearbeitet. Besessenheit wird vermutlich auch deshalb in Afrika oder der Karibik nicht grundsätzlich als etwas gesehen, das verhindert werden muss. Sie ist vielmehr als Form des Kontakts zu den Geistern erwünscht und eröffnet verbesserte Möglichkeiten des Selbstausdrucks. Voodoo-Rituale konzentrieren sich grundsätzlich auf positive Energien und heilende Kräfte. „Man will mit den Geistern nicht auf schlechtem Fuß stehen“, weiß die Forscherin.

Spirituelle Praktiken im Aufwind

„Viele Rituale sind dementsprechend unterhaltsam, lustig und haben geradezu Party-Charakter“, schildert Yvonne Schaffler. Insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, wie sie die Dominikanische Republik aktuell erlebt, erfahren spirituelle Praktiken Aufwind. Rituale zur Heilung, zum Schutz oder anderer Anliegen sind denn auch kein Phänomen von Randgruppen. „Viele Praktizierende haben Klienten in New York“, berichtet Schaffler. Auch New Orleans ist beispielsweise ein Hotspot des Voodoo-Kults. Die populären Stoffpuppen gelten der Stadt als Schutzgeister. Die mit Nadeln bestückte Gruselpuppe, die einem Widersacher Schmerzen zufügen soll, ist eher die Ausnahme und vor allem ein Hollywood-Produkt. Es gibt in der Karibik zwar auch eine „schadensmagische“ Ausrichtung. Man spricht dann davon, dass jemand „mit beiden Händen arbeitet“, mit einer die heilt und mit einer die verhext. Diese Praxis wird aber alleine ausgeführt, an Orten fernab der Heimat.


Zur Person
Yvonne Schaffler (http://yvonne-schaffler.eu/) ist Kultur- und Sozialanthropologin mit Fokus auf Medizinanthropologie. Das Hertha-Firnberg-Projekt des FWF „Geistbesessenheit: Modi und Funktion“ (http://pf.fwf.ac.at/de/wissenschaft-konkret/project-finder/?search%5Bwhat%5D=yvonne+schaffler&search%5Bscience_discipline_id%
5D=&search%5Bpromotion_category_id%5D=&extended=1 ) (2011-2016) führte sie an der Medizinischen Universität Wien (MUW) durch. Neben ihrer Forschertätigkeit lehrt Schaffler an der MUW sowie der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien und befindet sich in Ausbildung zur Psychotherapeutin.

Publikationen

Yvonne Schaffler: Treating „wild” spirit possession in the Dominican Republic: Parallels and Differences between Local and Euro-American Therapeutic Approaches, (http://www.agem-ethnomedizin.de/download/Curare_40_3_161-164_Inhalt+Editorial.pdf) in: Curare 40/3, 2017 (in Druck)

Cardeña, Etzel & Yvonne Schaffler: „He who has the spirits must work a lot: A Psycho-Anthropological Account of Spirit Possession in the Dominican Republic”, in: Ethos (submitted).

Yvonne Schaffler, Etzel Cardeña, Sophie Reijman, and Daniela Haluza: Traumatic Experience and Somatoform Dissociation among Spirit Possession Practitioners in the Dominican Republic (https://link.springer.com/article/10.1007/s11013-015-9472-5), in: Culture, Medicine and Psychiatry 40(1) 74-99, 2016

Yvonne Schaffler & Bernd Brabec de Mori: A Multi-Perspective Analysis of Videographic Data on the Performance of Spirit Possession in Dominican Vodou (http://hw.oeaw.ac.at/0xc1aa500e_0x0033cbcf.pdf), in: ÖAW (Ed.) International Forum on Audio-Visual Research. Jahrbuch des Phonogrammarchivs, 6. p. 100-125, 2015 (pdf)

 

Bild und Text ab Montag, 25. September 2017 ab 9.00 Uhr MEZ verfügbar unter: http://scilog.fwf.ac.at


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Yvonne Schaffler, PhD
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1200 Wien
T +43 / 650 / 9782711
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http://yvonne-schaffler.eu/

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Regional/Lokal Wissenschaft/Forschung

Die Alpen zwischen Verödung und Gentrifizierung

Ein Team der Universität Innsbruck untersuchte mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF die Wanderungsbewegungen der „New Highlander“ in den Alpen. Migration aus der Stadt ins Gebirge ist ein wenig beachteter, aber aktuell weltweiter Trend, der selbst periphere Bergdörfer erfasst. – Anders als erwartet, werden die Zuzügler auch als Impulsgeber erlebt.

Ein wachsender Anteil der Weltbevölkerung – schon mehr als die Hälfte – lebt heute in Städten. Im Vergleich dazu überaltern ländliche Gebiete und Bergdörfer, und ehemals gepflegte Kulturlandschaften wachsen zu. Ein Team um Ernst Steinicke vom Institut für Geographie der Universität Innsbruck registriert jedoch seit einigen Jahren einen kleinen, aber feinen siedlungsgeografischen Gegentrend. Erstmals fiel dem Projektleiter die „Amenity Migration“ in der kalifornischen Sierra Nevada (USA) ins Auge. Als „Amenity Migrants“ werden Zuzügler bezeichnet, die aufgrund von Annehmlichkeiten wie Sicherheit, Abgeschiedenheit und landschaftlichem Reiz einen zweiten Wohnsitz außerhalb der Stadt kaufen. Die alpine Wanderungsbewegung – von der Stadt ins Gebirge – ist aber keine reine Wohlstandsmigration. Sie folgt mehr dem französischen „Néo-ruralisme“ – lose als neue Landliebe übersetzbar.

Auch in abgelegenen Gebieten, geprägt von Abwanderung, niedriger Geburtenrate und hohem Altersdurchschnitt, „sehen wir in den Statistiken eine Fluktuation in der Bevölkerung. Es findet ein Austausch statt, in manchen Orten sogar eine Art alpine Gentrifizierung“, betont Ernst Steinicke. Die Stadtflucht der „New Highlander“, der neuen Bergbewohner, ist häufig längerfristig, betrifft verschiedene Gruppen und ist durch niedrige Grundstückspreise in peripheren Gebieten für mehr Menschen leistbar. In einem Forschungsprojekt wurden – unterstützt vom Wissenschaftsfonds FWF – humangeografische Fallstudien zum gegenwärtigen demografischen Wandel in den Alpen durchgeführt. 70 Gegenden mit starker Zu- und Abwanderung wurden näher untersucht und davon 25 Täler und Dörfer in Slowenien, Frankreich, Italien und Osttirol genau kartiert nach Parametern wie Wohnsitztyp, Herkunft der Einwohnerinnen und Einwohner, Nutzungsart, Naturgefahren oder Eigentumsverhältnisse. Anhand typischer Orte wie etwa in Italien Dordolla (Friaul), Ostana (Piemont) oder Gressoney (Aostatal) oder in Frankreich Le Roux (Provence-Alpes-Côte d’Azur) und Les Chapelles (Rhône Alpes) wurden Modelle von Zuzugsgebieten definiert und Effekte aufgezeichnet.

Wie peripher ist noch attraktiv?

Die neuen Bergbewohnerinnen und -bewohner sind eine heterogene Gruppe. Manche von ihnen haben aber das Potenzial demografische Probleme von Abwanderung und Überalterung im ländlichen Raum zu lindern. Einige sind Remigranten, die im Ruhestand in ihre Heimat zurückkehren. Wie bisher heiraten manche in lokale Familien ein. Gastarbeiter bleiben eine wichtige Gruppe. Im Unterschied zu den „Counter-Urbanen“, die für immer aus der Stadt flüchten, sind die meisten Amenity-Migranten multilokal: Sie legen sich einen zweiten Wohnsitz außerhalb der Stadt zu, den sie nicht nur am Wochenende nutzen. Eine weitere spannende Gruppe sind die „New Farmers“, vorwiegend sehr junge Menschen ohne agrarischen Hintergrund, die ihren Traum von landwirtschaftlicher Selbstversorgung und Sinnsuche leben. Dass die Zuzügler mit Störenfrieden gleichgesetzt werden, konnte Ernst Steinicke in Italien nicht beobachten: „Zuwanderer werden in Peripheriegebieten eher als Bereicherung empfunden und als Impulsgeber geschätzt.“ Selbst dort, wo ethnolinguistische Minderheiten leben, bringen Zuzügler zwar die Mehrheitssprache mit, wirken sich auf die Minderheiten aber eher positiv aus. Sie engagieren sich im kulturellen Leben und sind in die Dorfgemeinschaft integriert. Und wenn es um das naturräumliche Risiko geht (Hochwasserschutz, Rutschungen etc.) können schon ein bis zwei neue Landwirte die Situation in einem Dorf verbessern.

Viele „New Highlander“ brauchen Computer und Internetverbindung, weil sie vom zweiten Wohnsitz aus arbeiten wollen. In abgelegenen Gebieten ist ein befahrbarer Weg jedenfalls eine Voraussetzung. „Im Friaul haben wir aber echte ‚Ghost Towns‘ gefunden, verlassene Dörfer, die neu besiedelt wurden. Manche Orte haben sich von einstelligen zu dreistelligen Einwohnerzahlen gesteigert“, berichtet der Forscher. Natürlich gibt es auch Nachteile: Wenn zu viele kommen, steigen die Bodenpreise und die Jungen können sich kein Grundstück mehr leisten. – Steinicke nennt das den „Kitzbühel-Effekt“.

Ausnahme am Ostalpenrand

Laufend erreichen das Team Berichte über vergleichbare Phänomene in Gebirgszügen weltweit, ob aus der Region rund um den Kilimanjaro, dem Hohen Atlas, dem West-Kaukasus oder den Bergen um Sapporo. Der Ostalpenrand in Österreich – in der Steiermark, dem südlichen Niederösterreich und Kärnten – wird als einzige Region der Alpen von dieser positiven Wanderungsbewegung nicht erfasst. Die Berge sind hier nicht so hoch und oft von Wald bedeckt. Aber daran liegt es nicht. Humangeograf Ernst Steinicke und seine Mitarbeiter Peter Cede sowie Roland Löffler haben einen Parameter gefunden, den es sonst nirgendwo in dieser Form gibt: „Die Gegend ist geprägt von Großgrundbesitz, und die Holznutzung ist stark. Wenn kein Grundverkehr möglich ist, ziehen  Menschen weg, aber es kommen keine neuen dazu. Daran wird sich bis auf weiteres auch nicht so viel ändern.“


Zur Person
Ernst Steinicke (https://www.uibk.ac.at/geographie/personal/steinicke/) ist Professor an der Universität Innsbruck und Studiendekan der Fakultät für Geo- und Atmosphärenwissenschaften. Sein Forschungsinteresse gilt der alpinen Bevölkerungsgeografie und Ethno-Demografie. Er leitet seit dem Jahr 2003 vier aufeinanderfolgende FWF-Projekte, die sich mit der Bevölkerungsdynamik in den Alpen befassen. Als Fulbright Fellow an der University of California (UC) Davis (https://www.ucdavis.edu/) hat er 2001 in der kalifornischen Sierra Nevada seine Konzeption von ‚Counterurbanization‘ und ‚Amenity Migration‘ entwickelt und in der Folge in den Alpenraum gebracht.

Projekt-Webseite:
https://www.uibk.ac.at/geographie/migration/

Publikationen
Steinicke E., Warmuth W., Löffler R., Beismann M., Walder J.: Die Wiederbelebung der Alpendörfer – Ein Blick in den Westen (https://www.uibk.ac.at/geographie/migration/am_alps/borsi_igg2015.pdf). In: Innsbrucker Geographische Studien 40: 437-452, 2016 (pdf)

Löffler R., Warmuth W., Beismann M., Walder J., Steinicke E.: Amenity Migration in the Alps: Applying Models of Motivations and Effects to 2 Case Studies in Italy (https://www.uibk.ac.at/geographie/migration/am_alps/amenity-migration-in-the-alps_applying-models-of-motivations-and-effects-to-2-case-studies-in-italy.pdf). In: Mountain Research and Development 36/4, Special Issue: Mountains of Our Future Earth – Perth 2015, pp. 484-493, 2016 (pdf)

Steinicke E., Löffler R., Beismann M., Walder J.: New Highlanders in Traditional Out-migration Areas in the Alps. The Example of the Friulian Alps (http://rga.revues.org/2546). In: Journal of Alpine Research/Revue de géographie alpine 102-4 | 2014, 2015

Čede P., Beismann M., Walder J., Löffler R., Steinicke E.: Neue Zuwanderung in die Alpen – der Osten ist anders (https://www.uibk.ac.at/geographie/migration/am_alps/neue-zuwanderung-in-die-alpen—der-osten-ist-anders_moegg_2014.pdf). In: Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft 156, pp. 249-272, 2014 (pdf)

Mehr Publikationen zu den FWF-Projekten:
https://www.uibk.ac.at/geographie/migration/am/pub.html

TV-Naturdokumentation
„The New Wild. Life in the abandoned Lands“ (http://www.christopherthomson.net/) von Christopher Thomson

Bild und Text ab Montag, 18. September 2017 ab 9.00 Uhr MEZ verfügbar unter: http://scilog.fwf.ac.at


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Robotik nach dem Vorbild der Biene

Eine Forschergruppe aus Graz untersucht in einem vom Wissenschaftsfonds FWF finanzierten Projekt das Verhalten junger Bienen unmittelbar nach dem Schlüpfen und überträgt es erfolgreich auf Roboter. Die Brutpflege-Strategien der Bienen erweisen sich dabei als überraschend effizient.

Bienen leben in hochorganisierten Verbänden, das ist bekanntes Wissen. Die besondere Form ihres Zusammenlebens hilft ihnen, im Gegensatz zu Wespen oder Hummeln, als gesamter Schwarm im Bienenstock zu überwintern. Ein bisher wenig bekannter Teil dieses Systems ist jedoch das Verhalten sehr junger Bienen am Tag nach dem Schlüpfen. Eine Gruppe um den Zoologen Thomas Schmickl von der Karl-Franzens-Universität Graz hat sich dieses Verhalten genauer angesehen und entdeckt, dass es komplexer ist als angenommen. In einem vom Wissenschaftsfonds FWF finanzierten Projekt erstellte das Forscherteam ein Verhaltensmodell der jungen Bienen und übertrug dieses auf Roboter, wo sich die Strategie der Bienen als unerwartet effektiv erwies.

Bienen gehen dorthin, wo es warm ist

„Frisch geschlüpfte Baby-Bienen tun einen Tag lang nichts Besonderes. Sie putzen die Zellen, aus denen sie geschlüpft sind, damit die Königin dann neue Eier hineinlegen kann“, erklärt Thomas Schmickl. „Das Verhalten dieser Baby-Bienen hat man früher nicht ernst genommen, aber es hat sich gezeigt, dass es essenziell für das Aufrechterhalten des Systems der Honigbienen ist, das es ihnen erlaubt zu überwintern.“ Die Temperatur im Stock hat dabei zentrale Bedeutung: Eine Bienenlarve ist das am schnellsten heranwachsende Lebewesen der Welt. Innerhalb von fünf Tagen vertausendfacht sie ihre Körpermasse. „Kein Lebewesen auf der Welt wächst so schnell, relativ zur Ausgangsgröße. Das ist nur möglich, weil die Bienen das Brutnest auf 35 bis 37 Grad aufheizen und der Stoffwechsel auf Hochtouren läuft“, berichtet Schmickl. In welche Zellen die neuen Eier gelegt werden, hängt von deren Temperatur ab. Höhere Temperatur bedeutet bessere Nutzung der vorhandenen Wärme.

„Die Baby-Bienen sorgen dafür, dass dieses Brutnest kompakt ist und die erzeugte Wärme auch gut ausgenutzt wird. Welche der Zellen der Bienennachwuchs putzt, ist entscheidend, um das Nest am Leben zu erhalten“, sagt Schmickl. Die frisch geschlüpften Bienen putzen bevorzugt dort, wo die Temperatur höher ist. „Wir haben die Situation in einem Laborversuch nachgebaut und Bienen in einem Feld mit unterschiedlichen Temperaturen laufen lassen. Dabei haben wir festgestellt, dass die jungen Bienen keineswegs einem einfachen Programm folgen, sondern ein relativ kompliziertes Verhalten zeigen. Wir konnten grob vier verschiedene Verhaltenstypen identifizieren: Die Ziel-Finder, die direkt zur wärmsten Stelle gehen, die Random Walker, die einfach kreuz und quer gehen und sich überhaupt nicht um die Temperatur kümmern, die Wall-Follower, die am Rand des Brutnestes entlanggehen, und diejenigen, die gar nichts tun.“

Der Schwarm agiert als Gehirn

Schmickl und sein Team beobachteten, dass die Bienen in Summe intelligentes Verhalten zeigen, ohne dass die einzelne Biene über die Gesamtsituation Bescheid wissen müsste. Sie finden verlässlich die wärmste Stelle und ignorieren kleinere warme Bereiche. „Die Bienen berücksichtigen also die gesamte Umwelt, doch das passiert nicht im Hirn der einzelnen Biene. Einzelne Bienen müssen nicht überall gewesen sein. Der Gesamtschwarm agiert wie ein großes Gehirn und findet die beste Lösung heraus“, so Schmickl. „Wir haben ein Modell erzeugt, mit einer einzigen Gleichung, in dem alle vier Typen und alle Mischformen davon enthalten sind.“

Schmickl und sein Team übertrugen dieses Modell erfolgreich auf einfache Roboter, die mit Temperaturfühlern ausgestattet waren. Es habe sich gezeigt, dass solche physischen Tests wichtig seien. „Man weiß das von der Forschung an Ameisen. Zu diesen gibt es historisch besonders viele, hoch abstrakte Schwarm-Intelligenz-Modelle. Wir haben das untersucht und festgestellt, dass alle vorgeschlagenen Algorithmen für Ameisenstraßen bei der Umsetzung mit Robotern versagt haben“, sagt Schmickl. „Aus diesem Grund haben wir die Roboter-Verkörperung in den Mittelpunkt des Projekts gestellt und konnten so einen bio-inspirierten Schwarm-Algorithmus extrahieren, der auch in seiner physikalischen Verkörperung funktioniert.“

Algorithmen für Leben

Die Bienenforschung hat in Graz lange Tradition, die auf den Nobelpreisträger Karl von Frisch zurückgeht. Schmickl beschäftigte sich bereits während seiner Dissertation mit diesen Tieren. Zur biologischen Modellierung kam er in einem FWF-Projekt unmittelbar nach seiner Dissertation. Dort untersuchte er, was bei Nahrungsmangel, etwa während Regenzeiten passiert. „Ich habe gesehen, dass es zu Kannibalismus kommt, der das Ziel hat, Energie zurückzugewinnen. Ich habe begonnen, Populationsmodelle von Bienenkolonien zu erstellen und bin so zur mathematischen Modellierung gekommen. Über die Jahre habe ich das verfeinert. Jetzt ist biologische Modellierung eines meiner Hauptthemen“, erzählt Schmickl.

Das Interesse habe sich auch zu den Algorithmen selbst verlagert: „Ein Versuch, das Modell der Bienen weiter zu vereinfachen, hat zu einem Algorithmus geführt, der PPS heißt, Primordial Particle Systems„, so Schmickl. Das habe mit Bienen nichts mehr zu tun. „Hier geht es um Gebilde, die so ähnlich wie Zellen aussehen, sich selbst organisieren, freie Partikel aufnehmen, wachsen und sich dann teilen. Das System ähnelt einer Ursuppe, wo spontan etwas Lebensähnliches entsteht.“ Die Frage sei: Wie einfach kann ein Algorithmus sein, damit etwas entsteht, das wie Leben aussieht? „Hier geht es um biologische Musterbildung im Allgemeinen. Auch daran wollen wir weiterforschen“, sagt Schmickl.

 

Zur Person
Thomas Schmickl (http://zool33.uni-graz.at/artlife/team/schmickl) ist Zoologe am Artificial Life Lab (http://zool33.uni-graz.at/artlife/) des Instituts für Zoologie (https://zoologie.uni-graz.at/) der Karl-Franzens-Universität Graz. Er interessiert sich für von biologischen Systemen inspirierte künstliche Intelligenz von Roboterschwärmen, selbstorganisiertes Verhalten autonomer Roboter, das Verhalten von Tieren, insbesondere jenes „sozialer Insekten“ wie Bienen, sowie Simulationsmethoden für Tierverhalten.

Publikationen
Hamann, Heiko; Schmickl, Thomas; Crailsheim, Karl: Analysis of swarm behaviors based on an inversion of the fluctuation theorem (https://pdfs.semanticscholar.org/4944/157683917e6f202bfc9d04ec387600597937.pdf), in: Artificial life, 20, 1. 2014, 77- 93. DOI: 10.1162/ARTL_a_00097

Kengyel, Daniela; Hamann, Heiko; Zahadat, Payam; Radspieler, Gerald; Wotawa, Franz; Schmickl, Thomas: Potential of Heterogeneity in Collective Behaviors: A Case Study on Heterogeneous Swarms, International Conference on Principles and Practice of Multi-Agent Systems (https://www.researchgate.net/profile/Daniela_Kengyel/publication/286935456_Pot%20ential_of_
Heterogeneity_in_Collective_Behaviors_A_Case_Study_on_Heterogene%20ous_Swarms/links/
56715aec08aececfd55523cb.pdf), in: Lecture Notes in Artificial Intelligence: Principles and Practice of Multi-Agent Systems 2015, 201-217. DOI: 10.1007/978-3-319-25524-8_13

Kengyel, Daniela; Thenius, Ronald; Crailsheim, Karl; Schmickl, Thomas: Influence of a Social Gradient on a Swarm of Agents Controlled by the BEECLUST Algorithm (http://zool33.uni-graz.at/artlife/sites/default/files/ecal_2013_kengyel_social_gradient.pdf), in: Pietro Lio, Orazio Miglino, Giuseppe Nicosia, Stefano Nolfi, Mario Pavone (Eds): Advances in Artificial Life ECAL 2013. 2013, 1041 – 1048

 

Bild und Text ab Montag, 11. September 2017 ab 9.00 Uhr MEZ verfügbar unter: http://scilog.fwf.ac.at

 

Wissenschaftlicher Kontakt
Dr. Thomas Schmickl
Institut für Zoologie
Karl-Franzens-Universität Graz
Universitätsplatz 2
8010 Graz
T +43 / 316 / 380 8759
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Der zähe Weg zur Gleichstellung

Zahlreiche Reformen haben die Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft grundlegend verändert. Gleichstellungsziele wurden dabei sehr unterschiedlich umgesetzt, wie Untersuchungen im Rahmen eines vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekts belegen. Fazit: Bis zur Chancengleichheit ist es noch ein langer Weg.

„Die Karriereperspektiven für Forschende an österreichischen Universitäten sind von Rahmenbedingungen geprägt, die durchgängige Karrieren erschweren, nur enge und späte Karriereperspektiven eröffnen und eingeschlagene Karrierewege zu Einbahnstraßen werden lassen“, so der Befund des Wissenschaftsministeriums laut „Aktionsplan für einen wettbewerbsfähigen Forschungsraum“ (https://wissenschaft.bmwfw.gv.at/fileadmin/user_upload/wissenschaft/publikationen/forschung/Forschungsaktionsplan_web.pdf) aus dem Jahr 2015.

In der universitären Personalpolitik gibt es seit Längerem eine Schieflage. Das dürfte Konsens unter allen Verantwortlichen des Hochschulwesens in Österreich sein. Prekäre Beschäftigungssituationen, Kettendienstverträge und viel zu wenige unbefristete Laufbahnstellen machen es dem wissenschaftlichen Nachwuchs schwer, Fuß im vom Wettbewerb getriebenen System zu fassen. Besonders betroffen davon sind Frauen. In Sachen Gleichstellung zwischen den Geschlechtern sind die Fortschritte an den Universitäten, trotz verbesserter Voraussetzungen, bis heute langsam und zäh. Zwar erhöhte sich etwa die Zahl von Frauen auf Professuren seit 2000 von sechs auf 22 Prozent, doch „insgesamt ist die Entwicklung eher enttäuschend“, konstatiert Johanna Hofbauer von der Wirtschaftsuniversität Wien.

Gleichstellungsarbeit sehr unterschiedlich gehandhabt

Die Soziologin hat in einem vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekt Wissenschaftskarrieren an den Universitäten mit dem Fokus auf Gleichstellungsarbeit analysiert. Ihr Fazit fällt nüchtern aus: Nur einer von vier untersuchten Universitäten ist es gelungen, Gleichstellungsziele im Rahmen der umfassenden Strukturreformen der Hochschulen, die ab der Jahrtausendwende angestoßen wurden, zu verankern. „Bei den anderen hat die Umstellung auf unternehmerische Steuerungsformen keinen Kulturwandel mit sich gebracht. Hier ist man nach wie vor mit grundlegenden Fragen zur Gleichstellung beschäftigt“, fasst Hofbauer die Studienergebnisse zusammen.

Dabei haben die gesetzlichen Vorgaben der Universitätsreformen seit 2000 wichtige Voraussetzungen für die Gleichstellung von Frauen und Männern an den Universitäten geschaffen. Heute ist dieses Thema bei den gestärkten Leitungsorganen, also den Rektoraten, fix verankert und dort auch institutionell angesiedelt. Das Ziel geschlechtergerechter Laufbahnen ist damit zumindest formell verankert. Doch wie unterschiedlich die Umsetzung dieser Anliegen ausfällt, zeigt der wissenschaftliche Befund. „Man möchte meinen, dass das Universitätsgesetz gleiche Voraussetzungen für alle schafft. Unsere Untersuchungen zeigen, dass das nicht der Fall ist“, berichtet Johanna Hofbauer.

Fallstudien, Gender-Kompetenz und Verantwortliche

In den Fallstudien, die an vier unterschiedlich ausgerichteten österreichischen Universitäten durchgeführt wurden, haben die Wissenschafterinnen um Projektleiterin Hofbauer sowohl Dokumente analysiert (von Entwicklungsplänen über Leistungsvereinbarungen bis zu dem neuen Laufbahnmodell) als auch Interviews mit Führungskräften aus Rektorat und Senat, mit Gleichstellungsverantwortlichen und mit jungen Wissenschafterinnen und Wissenschaftern (Postdocs) geführt.

Auf dem Weg zur Chancengleichheit braucht es sowohl das Bewusstsein der einzelnen Verantwortlichen dafür als auch das entsprechende Umfeld in der jeweiligen Organisation. Rektorate mit Persönlichkeiten, die sich für das Thema interessieren, Genderkompetenz und -forschung, schriftlich dokumentierte Entwicklungsziele und ein entsprechendes Personalmanagement sind wesentliche Voraussetzungen dafür, um einen nachhaltigen Kulturwandel in dem noch bis heute männlich geprägten Wissenschaftsbetrieb anzustoßen. – So ein zentraler Befund der Studie.

Transparenz, Ressourcen und Vernetzung

In der neoliberalen Dynamik, das heißt im Spannungsfeld von Wettbewerbsorientierung und Chancengleichheit, in dem sich heute die öffentlichen Universitäten befinden, sollte Gleichstellung nicht als zusätzliche Anforderung betrachtet werden, die anderen Reformen im Weg steht. „Dieser Konflikt ist konstruiert“, sagt Hofbauer. „Wir müssen uns vielmehr die Frage stellen, wie wir mit unserem Nachwuchs umgehen“, betont die Wissenschafterin und ergänzt: „Entscheidungsverantwortliche können Gleichstellungsziele argumentativ umgehen und damit die Karrierechancen von Frauen erschweren. Das ist dann einfacher, wenn es keine Gleichstellungskultur an der Universität gibt.“

Das Positivbeispiel zeigt den Weg in die Praxis: Formalisierung und Transparenz von Entscheidungsprozessen fördern Gleichstellungsarbeit, allerdings nur dann, wenn diese Arbeit von Akteurinnen und Akteuren getragen wird, die über organisationale Macht- und feministische Wissensressourcen verfügen und darüber hinaus gut vernetzt sind.

Zur Person
Johanna Hofbauer (https://www.wu.ac.at/sozio/institut/wissenschaftliches-personal/hofbauer-johanna/) forscht und lehrt am Institut für Soziologie und Empirische Sozialforschung der Wirtschaftsuniversität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Gender in der Wissenschaft sowie Arbeits- und Nachhaltigkeitsforschung. Das FWF-Projekt „Wissenschaftskarrieren und Geschlecht“ (2012 – 2016)  war Teil des DACH-Projekts „Entrepreneurial University and GenderChange“ (http://genderchange-academia.eu/). An der österreichischen Untersuchung von Wissenschaftskarrieren wirkten mit: Birgit Sauer (Universität Wien) sowie Katharina Kreissl (TU München) und Angelika Striedinger (IHS Wien).

Hintergrundinformation:

Prekäre Beschäftigungsverhältnisse
An den Universitäten wurden im Jahr 2000 Kettenvertragsregelungen eingeführt, um Arbeitnehmer/innen vor andauernden prekären Beschäftigungsbedingungen zu schützen, indem befristete Arbeitsverhältnisse maximal sechs Jahre umfassen dürfen. Aufgrund des Mangels an festen Stellenangeboten hat die Regelung jedoch nicht nur eine abschreckende Wirkung auf Frauen gehabt, sondern insgesamt bewirkt, dass der Anteil der befristeten Dienstverhältnisse weiter hoch ist und prekäre Arbeitsbedingungen verstärkt wurden. In Österreich sind rund drei Viertel des wissenschaftlichen Personals in befristeten Anstellungsverhältnissen.

Neu: Das Laufbahnmodell
2009 wurde ein sogenanntes Laufbahnmodell an den Hochschulen eingeführt, um unter anderem der Abwanderung „exzellenter Köpfe“ aus Österreich entgegenzuwirken. Das Modell ist vergleichbar mit den Tenure-Track-Karrierepfaden im englischsprachigen Raum. Das Laufbahnmodell eröffnete erstmals wieder eine Perspektive für Nachwuchswissenschafter/innen auf planbare Karrierewege und unbefristete Beschäftigungsverhältnisse auf dem Weg zur Professur. Es sieht einen sechsjährigen Arbeitsvertrag als Assistenzprofessor/in mit Qualifizierungsvereinbarungen vor. Werden die Ziele erreicht, folgt der Umstieg auf eine unbefristete Stelle als assozierte/r Professor/in. Die Umsetzung des Modells erfolgt an den Universitäten noch zögerlich. Aktuell sind nur rund fünf Prozent des wissenschaftlichen Personals in Laufbahnstellen.

Publikationen und Beiträge
Kreissl, Katharina; Striedinger, Angelika; Sauer, Birgit; Hofbauer, Johanna: Will gender equality ever fit in? Contested discursive spaces of university reform. (http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09540253.2015.1028903?scroll=top&needAccess=true) In: Gender and Education, vol. 27, no. 3, pp. 221-238, 2015

Striedinger, Angelika; Sauer, Birgit; Kreissl, Katharina; Hofbauer, Johanna: Feministische Gleichstellungsarbeit an unternehmerischen Hochschulen: Fallstricke und Gelegenheitsfenster (https://www.researchgate.net/publication/303507129_Feministische_Gleichstellungsarbeit_an_unternehmerischen_Hochschulen_Fallstricke_und_Gelegenheitsfenster). In: Feministische Studien, Jg. 16, Nr. 1, S. 9-22, 2016 (PDF)

Hofbauer, Johanna; Striedinger, Angelika; Sauer, Birgit; Kreissl, Katharina: Akademischer Kapitalismus, Wettbewerb, Wissenschaftskarrieren. In: Dahmen, Jennifer / Thaler, Anita (Hg.), Soziale Geschlechtergerechtigkeit in Wissenschaft und Forschung (https://shop.budrich-academic.de/product/soziale-geschlechtergerechtigkeit-in-wissenschaft-und-forschung/?lang=en&v=fa868488740a), Barbara Budrich, Opladen: S. 211-228, 2017

Hofbauer, Johanna;  Wroblewski, Angela: Equality Challenges in Higher Education (https://wissenschaft.bmwfw.gv.at/fileadmin/user_upload/gender/2015/GE_HE-Broschur_dt.pdf) Inhaltliche Dokumentation und Schlussfolgerungen aus der „8th European Conference on Gender Equality in Higher Education“. Dokumentation im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (bmwfw). Wien, Institut für Höhere Studien, 2015 (PDF)

Bild und Text ab Montag, 4. September 2017 ab 9.00 Uhr MEZ verfügbar unter: http://scilog.fwf.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt
Ao. Univ.-Prof. Dr. Johanna Hofbauer
Institut für Soziologie und empirische Sozialforschung
Wirtschaftsuniversität Wien
Welthandelsplatz 1
1020 Wien
T +43 / 1 / 31336-4281
johanna.hofbauer@wu.ac.at
https://www.wu.ac.at/

Der Wissenschaftsfonds FWF
Ingrid Ladner
Haus der Forschung
Sensengasse 1
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 – 8117
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