Tag Archives: FWF

Regional/Lokal Wissenschaft/Forschung

Die Alpen zwischen Verödung und Gentrifizierung

Ein Team der Universität Innsbruck untersuchte mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF die Wanderungsbewegungen der „New Highlander“ in den Alpen. Migration aus der Stadt ins Gebirge ist ein wenig beachteter, aber aktuell weltweiter Trend, der selbst periphere Bergdörfer erfasst. – Anders als erwartet, werden die Zuzügler auch als Impulsgeber erlebt.

Ein wachsender Anteil der Weltbevölkerung – schon mehr als die Hälfte – lebt heute in Städten. Im Vergleich dazu überaltern ländliche Gebiete und Bergdörfer, und ehemals gepflegte Kulturlandschaften wachsen zu. Ein Team um Ernst Steinicke vom Institut für Geographie der Universität Innsbruck registriert jedoch seit einigen Jahren einen kleinen, aber feinen siedlungsgeografischen Gegentrend. Erstmals fiel dem Projektleiter die „Amenity Migration“ in der kalifornischen Sierra Nevada (USA) ins Auge. Als „Amenity Migrants“ werden Zuzügler bezeichnet, die aufgrund von Annehmlichkeiten wie Sicherheit, Abgeschiedenheit und landschaftlichem Reiz einen zweiten Wohnsitz außerhalb der Stadt kaufen. Die alpine Wanderungsbewegung – von der Stadt ins Gebirge – ist aber keine reine Wohlstandsmigration. Sie folgt mehr dem französischen „Néo-ruralisme“ – lose als neue Landliebe übersetzbar.

Auch in abgelegenen Gebieten, geprägt von Abwanderung, niedriger Geburtenrate und hohem Altersdurchschnitt, „sehen wir in den Statistiken eine Fluktuation in der Bevölkerung. Es findet ein Austausch statt, in manchen Orten sogar eine Art alpine Gentrifizierung“, betont Ernst Steinicke. Die Stadtflucht der „New Highlander“, der neuen Bergbewohner, ist häufig längerfristig, betrifft verschiedene Gruppen und ist durch niedrige Grundstückspreise in peripheren Gebieten für mehr Menschen leistbar. In einem Forschungsprojekt wurden – unterstützt vom Wissenschaftsfonds FWF – humangeografische Fallstudien zum gegenwärtigen demografischen Wandel in den Alpen durchgeführt. 70 Gegenden mit starker Zu- und Abwanderung wurden näher untersucht und davon 25 Täler und Dörfer in Slowenien, Frankreich, Italien und Osttirol genau kartiert nach Parametern wie Wohnsitztyp, Herkunft der Einwohnerinnen und Einwohner, Nutzungsart, Naturgefahren oder Eigentumsverhältnisse. Anhand typischer Orte wie etwa in Italien Dordolla (Friaul), Ostana (Piemont) oder Gressoney (Aostatal) oder in Frankreich Le Roux (Provence-Alpes-Côte d’Azur) und Les Chapelles (Rhône Alpes) wurden Modelle von Zuzugsgebieten definiert und Effekte aufgezeichnet.

Wie peripher ist noch attraktiv?

Die neuen Bergbewohnerinnen und -bewohner sind eine heterogene Gruppe. Manche von ihnen haben aber das Potenzial demografische Probleme von Abwanderung und Überalterung im ländlichen Raum zu lindern. Einige sind Remigranten, die im Ruhestand in ihre Heimat zurückkehren. Wie bisher heiraten manche in lokale Familien ein. Gastarbeiter bleiben eine wichtige Gruppe. Im Unterschied zu den „Counter-Urbanen“, die für immer aus der Stadt flüchten, sind die meisten Amenity-Migranten multilokal: Sie legen sich einen zweiten Wohnsitz außerhalb der Stadt zu, den sie nicht nur am Wochenende nutzen. Eine weitere spannende Gruppe sind die „New Farmers“, vorwiegend sehr junge Menschen ohne agrarischen Hintergrund, die ihren Traum von landwirtschaftlicher Selbstversorgung und Sinnsuche leben. Dass die Zuzügler mit Störenfrieden gleichgesetzt werden, konnte Ernst Steinicke in Italien nicht beobachten: „Zuwanderer werden in Peripheriegebieten eher als Bereicherung empfunden und als Impulsgeber geschätzt.“ Selbst dort, wo ethnolinguistische Minderheiten leben, bringen Zuzügler zwar die Mehrheitssprache mit, wirken sich auf die Minderheiten aber eher positiv aus. Sie engagieren sich im kulturellen Leben und sind in die Dorfgemeinschaft integriert. Und wenn es um das naturräumliche Risiko geht (Hochwasserschutz, Rutschungen etc.) können schon ein bis zwei neue Landwirte die Situation in einem Dorf verbessern.

Viele „New Highlander“ brauchen Computer und Internetverbindung, weil sie vom zweiten Wohnsitz aus arbeiten wollen. In abgelegenen Gebieten ist ein befahrbarer Weg jedenfalls eine Voraussetzung. „Im Friaul haben wir aber echte ‚Ghost Towns‘ gefunden, verlassene Dörfer, die neu besiedelt wurden. Manche Orte haben sich von einstelligen zu dreistelligen Einwohnerzahlen gesteigert“, berichtet der Forscher. Natürlich gibt es auch Nachteile: Wenn zu viele kommen, steigen die Bodenpreise und die Jungen können sich kein Grundstück mehr leisten. – Steinicke nennt das den „Kitzbühel-Effekt“.

Ausnahme am Ostalpenrand

Laufend erreichen das Team Berichte über vergleichbare Phänomene in Gebirgszügen weltweit, ob aus der Region rund um den Kilimanjaro, dem Hohen Atlas, dem West-Kaukasus oder den Bergen um Sapporo. Der Ostalpenrand in Österreich – in der Steiermark, dem südlichen Niederösterreich und Kärnten – wird als einzige Region der Alpen von dieser positiven Wanderungsbewegung nicht erfasst. Die Berge sind hier nicht so hoch und oft von Wald bedeckt. Aber daran liegt es nicht. Humangeograf Ernst Steinicke und seine Mitarbeiter Peter Cede sowie Roland Löffler haben einen Parameter gefunden, den es sonst nirgendwo in dieser Form gibt: „Die Gegend ist geprägt von Großgrundbesitz, und die Holznutzung ist stark. Wenn kein Grundverkehr möglich ist, ziehen  Menschen weg, aber es kommen keine neuen dazu. Daran wird sich bis auf weiteres auch nicht so viel ändern.“


Zur Person
Ernst Steinicke (https://www.uibk.ac.at/geographie/personal/steinicke/) ist Professor an der Universität Innsbruck und Studiendekan der Fakultät für Geo- und Atmosphärenwissenschaften. Sein Forschungsinteresse gilt der alpinen Bevölkerungsgeografie und Ethno-Demografie. Er leitet seit dem Jahr 2003 vier aufeinanderfolgende FWF-Projekte, die sich mit der Bevölkerungsdynamik in den Alpen befassen. Als Fulbright Fellow an der University of California (UC) Davis (https://www.ucdavis.edu/) hat er 2001 in der kalifornischen Sierra Nevada seine Konzeption von ‚Counterurbanization‘ und ‚Amenity Migration‘ entwickelt und in der Folge in den Alpenraum gebracht.

Projekt-Webseite:
https://www.uibk.ac.at/geographie/migration/

Publikationen
Steinicke E., Warmuth W., Löffler R., Beismann M., Walder J.: Die Wiederbelebung der Alpendörfer – Ein Blick in den Westen (https://www.uibk.ac.at/geographie/migration/am_alps/borsi_igg2015.pdf). In: Innsbrucker Geographische Studien 40: 437-452, 2016 (pdf)

Löffler R., Warmuth W., Beismann M., Walder J., Steinicke E.: Amenity Migration in the Alps: Applying Models of Motivations and Effects to 2 Case Studies in Italy (https://www.uibk.ac.at/geographie/migration/am_alps/amenity-migration-in-the-alps_applying-models-of-motivations-and-effects-to-2-case-studies-in-italy.pdf). In: Mountain Research and Development 36/4, Special Issue: Mountains of Our Future Earth – Perth 2015, pp. 484-493, 2016 (pdf)

Steinicke E., Löffler R., Beismann M., Walder J.: New Highlanders in Traditional Out-migration Areas in the Alps. The Example of the Friulian Alps (http://rga.revues.org/2546). In: Journal of Alpine Research/Revue de géographie alpine 102-4 | 2014, 2015

Čede P., Beismann M., Walder J., Löffler R., Steinicke E.: Neue Zuwanderung in die Alpen – der Osten ist anders (https://www.uibk.ac.at/geographie/migration/am_alps/neue-zuwanderung-in-die-alpen—der-osten-ist-anders_moegg_2014.pdf). In: Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft 156, pp. 249-272, 2014 (pdf)

Mehr Publikationen zu den FWF-Projekten:
https://www.uibk.ac.at/geographie/migration/am/pub.html

TV-Naturdokumentation
„The New Wild. Life in the abandoned Lands“ (http://www.christopherthomson.net/) von Christopher Thomson

Bild und Text ab Montag, 18. September 2017 ab 9.00 Uhr MEZ verfügbar unter: http://scilog.fwf.ac.at


Wissenschaftlicher Kontakt
Ao. Univ.-Prof. Dr. Ernst Steinicke
Institut für Geographie
Universität Innsbruck
Innrain 52
6020 Innsbruck
T +43 / 512 / 507-5408
ernst.steinicke@uibk.ac.at
https://www.uibk.ac.at

Der Wissenschaftsfonds FWF
Ingrid Ladner
Haus der Forschung
Sensengasse 1
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 – 8117
E ingrid.ladner@fwf.ac.at
http://scilog.fwf.ac.at
http://www.fwf.ac.at

Versand
PR&D – Public Relations für Forschung & Bildung
Mariannengasse 8
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 70 44
contact@prd.at
W http://www.prd.at

Computer/Internet/IT Tiere/Pflanzen Wissenschaft/Forschung

Robotik nach dem Vorbild der Biene

Eine Forschergruppe aus Graz untersucht in einem vom Wissenschaftsfonds FWF finanzierten Projekt das Verhalten junger Bienen unmittelbar nach dem Schlüpfen und überträgt es erfolgreich auf Roboter. Die Brutpflege-Strategien der Bienen erweisen sich dabei als überraschend effizient.

Bienen leben in hochorganisierten Verbänden, das ist bekanntes Wissen. Die besondere Form ihres Zusammenlebens hilft ihnen, im Gegensatz zu Wespen oder Hummeln, als gesamter Schwarm im Bienenstock zu überwintern. Ein bisher wenig bekannter Teil dieses Systems ist jedoch das Verhalten sehr junger Bienen am Tag nach dem Schlüpfen. Eine Gruppe um den Zoologen Thomas Schmickl von der Karl-Franzens-Universität Graz hat sich dieses Verhalten genauer angesehen und entdeckt, dass es komplexer ist als angenommen. In einem vom Wissenschaftsfonds FWF finanzierten Projekt erstellte das Forscherteam ein Verhaltensmodell der jungen Bienen und übertrug dieses auf Roboter, wo sich die Strategie der Bienen als unerwartet effektiv erwies.

Bienen gehen dorthin, wo es warm ist

„Frisch geschlüpfte Baby-Bienen tun einen Tag lang nichts Besonderes. Sie putzen die Zellen, aus denen sie geschlüpft sind, damit die Königin dann neue Eier hineinlegen kann“, erklärt Thomas Schmickl. „Das Verhalten dieser Baby-Bienen hat man früher nicht ernst genommen, aber es hat sich gezeigt, dass es essenziell für das Aufrechterhalten des Systems der Honigbienen ist, das es ihnen erlaubt zu überwintern.“ Die Temperatur im Stock hat dabei zentrale Bedeutung: Eine Bienenlarve ist das am schnellsten heranwachsende Lebewesen der Welt. Innerhalb von fünf Tagen vertausendfacht sie ihre Körpermasse. „Kein Lebewesen auf der Welt wächst so schnell, relativ zur Ausgangsgröße. Das ist nur möglich, weil die Bienen das Brutnest auf 35 bis 37 Grad aufheizen und der Stoffwechsel auf Hochtouren läuft“, berichtet Schmickl. In welche Zellen die neuen Eier gelegt werden, hängt von deren Temperatur ab. Höhere Temperatur bedeutet bessere Nutzung der vorhandenen Wärme.

„Die Baby-Bienen sorgen dafür, dass dieses Brutnest kompakt ist und die erzeugte Wärme auch gut ausgenutzt wird. Welche der Zellen der Bienennachwuchs putzt, ist entscheidend, um das Nest am Leben zu erhalten“, sagt Schmickl. Die frisch geschlüpften Bienen putzen bevorzugt dort, wo die Temperatur höher ist. „Wir haben die Situation in einem Laborversuch nachgebaut und Bienen in einem Feld mit unterschiedlichen Temperaturen laufen lassen. Dabei haben wir festgestellt, dass die jungen Bienen keineswegs einem einfachen Programm folgen, sondern ein relativ kompliziertes Verhalten zeigen. Wir konnten grob vier verschiedene Verhaltenstypen identifizieren: Die Ziel-Finder, die direkt zur wärmsten Stelle gehen, die Random Walker, die einfach kreuz und quer gehen und sich überhaupt nicht um die Temperatur kümmern, die Wall-Follower, die am Rand des Brutnestes entlanggehen, und diejenigen, die gar nichts tun.“

Der Schwarm agiert als Gehirn

Schmickl und sein Team beobachteten, dass die Bienen in Summe intelligentes Verhalten zeigen, ohne dass die einzelne Biene über die Gesamtsituation Bescheid wissen müsste. Sie finden verlässlich die wärmste Stelle und ignorieren kleinere warme Bereiche. „Die Bienen berücksichtigen also die gesamte Umwelt, doch das passiert nicht im Hirn der einzelnen Biene. Einzelne Bienen müssen nicht überall gewesen sein. Der Gesamtschwarm agiert wie ein großes Gehirn und findet die beste Lösung heraus“, so Schmickl. „Wir haben ein Modell erzeugt, mit einer einzigen Gleichung, in dem alle vier Typen und alle Mischformen davon enthalten sind.“

Schmickl und sein Team übertrugen dieses Modell erfolgreich auf einfache Roboter, die mit Temperaturfühlern ausgestattet waren. Es habe sich gezeigt, dass solche physischen Tests wichtig seien. „Man weiß das von der Forschung an Ameisen. Zu diesen gibt es historisch besonders viele, hoch abstrakte Schwarm-Intelligenz-Modelle. Wir haben das untersucht und festgestellt, dass alle vorgeschlagenen Algorithmen für Ameisenstraßen bei der Umsetzung mit Robotern versagt haben“, sagt Schmickl. „Aus diesem Grund haben wir die Roboter-Verkörperung in den Mittelpunkt des Projekts gestellt und konnten so einen bio-inspirierten Schwarm-Algorithmus extrahieren, der auch in seiner physikalischen Verkörperung funktioniert.“

Algorithmen für Leben

Die Bienenforschung hat in Graz lange Tradition, die auf den Nobelpreisträger Karl von Frisch zurückgeht. Schmickl beschäftigte sich bereits während seiner Dissertation mit diesen Tieren. Zur biologischen Modellierung kam er in einem FWF-Projekt unmittelbar nach seiner Dissertation. Dort untersuchte er, was bei Nahrungsmangel, etwa während Regenzeiten passiert. „Ich habe gesehen, dass es zu Kannibalismus kommt, der das Ziel hat, Energie zurückzugewinnen. Ich habe begonnen, Populationsmodelle von Bienenkolonien zu erstellen und bin so zur mathematischen Modellierung gekommen. Über die Jahre habe ich das verfeinert. Jetzt ist biologische Modellierung eines meiner Hauptthemen“, erzählt Schmickl.

Das Interesse habe sich auch zu den Algorithmen selbst verlagert: „Ein Versuch, das Modell der Bienen weiter zu vereinfachen, hat zu einem Algorithmus geführt, der PPS heißt, Primordial Particle Systems„, so Schmickl. Das habe mit Bienen nichts mehr zu tun. „Hier geht es um Gebilde, die so ähnlich wie Zellen aussehen, sich selbst organisieren, freie Partikel aufnehmen, wachsen und sich dann teilen. Das System ähnelt einer Ursuppe, wo spontan etwas Lebensähnliches entsteht.“ Die Frage sei: Wie einfach kann ein Algorithmus sein, damit etwas entsteht, das wie Leben aussieht? „Hier geht es um biologische Musterbildung im Allgemeinen. Auch daran wollen wir weiterforschen“, sagt Schmickl.

 

Zur Person
Thomas Schmickl (http://zool33.uni-graz.at/artlife/team/schmickl) ist Zoologe am Artificial Life Lab (http://zool33.uni-graz.at/artlife/) des Instituts für Zoologie (https://zoologie.uni-graz.at/) der Karl-Franzens-Universität Graz. Er interessiert sich für von biologischen Systemen inspirierte künstliche Intelligenz von Roboterschwärmen, selbstorganisiertes Verhalten autonomer Roboter, das Verhalten von Tieren, insbesondere jenes „sozialer Insekten“ wie Bienen, sowie Simulationsmethoden für Tierverhalten.

Publikationen
Hamann, Heiko; Schmickl, Thomas; Crailsheim, Karl: Analysis of swarm behaviors based on an inversion of the fluctuation theorem (https://pdfs.semanticscholar.org/4944/157683917e6f202bfc9d04ec387600597937.pdf), in: Artificial life, 20, 1. 2014, 77- 93. DOI: 10.1162/ARTL_a_00097

Kengyel, Daniela; Hamann, Heiko; Zahadat, Payam; Radspieler, Gerald; Wotawa, Franz; Schmickl, Thomas: Potential of Heterogeneity in Collective Behaviors: A Case Study on Heterogeneous Swarms, International Conference on Principles and Practice of Multi-Agent Systems (https://www.researchgate.net/profile/Daniela_Kengyel/publication/286935456_Pot%20ential_of_
Heterogeneity_in_Collective_Behaviors_A_Case_Study_on_Heterogene%20ous_Swarms/links/
56715aec08aececfd55523cb.pdf), in: Lecture Notes in Artificial Intelligence: Principles and Practice of Multi-Agent Systems 2015, 201-217. DOI: 10.1007/978-3-319-25524-8_13

Kengyel, Daniela; Thenius, Ronald; Crailsheim, Karl; Schmickl, Thomas: Influence of a Social Gradient on a Swarm of Agents Controlled by the BEECLUST Algorithm (http://zool33.uni-graz.at/artlife/sites/default/files/ecal_2013_kengyel_social_gradient.pdf), in: Pietro Lio, Orazio Miglino, Giuseppe Nicosia, Stefano Nolfi, Mario Pavone (Eds): Advances in Artificial Life ECAL 2013. 2013, 1041 – 1048

 

Bild und Text ab Montag, 11. September 2017 ab 9.00 Uhr MEZ verfügbar unter: http://scilog.fwf.ac.at

 

Wissenschaftlicher Kontakt
Dr. Thomas Schmickl
Institut für Zoologie
Karl-Franzens-Universität Graz
Universitätsplatz 2
8010 Graz
T +43 / 316 / 380 8759
thomas.schmickl@uni-graz.at
http://zool33.uni-graz.at/artlife

Der Wissenschaftsfonds FWF
Ingrid Ladner
Haus der Forschung
Sensengasse 1
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 – 8117
E ingrid.ladner@fwf.ac.at
http://scilog.fwf.ac.at
http://www.fwf.ac.at

Versand
PR&D – Public Relations für Forschung & Bildung
Mariannengasse 8
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 70 44
contact@prd.at
W http://www.prd.at

Arbeit/Beruf

Der zähe Weg zur Gleichstellung

Zahlreiche Reformen haben die Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft grundlegend verändert. Gleichstellungsziele wurden dabei sehr unterschiedlich umgesetzt, wie Untersuchungen im Rahmen eines vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekts belegen. Fazit: Bis zur Chancengleichheit ist es noch ein langer Weg.

„Die Karriereperspektiven für Forschende an österreichischen Universitäten sind von Rahmenbedingungen geprägt, die durchgängige Karrieren erschweren, nur enge und späte Karriereperspektiven eröffnen und eingeschlagene Karrierewege zu Einbahnstraßen werden lassen“, so der Befund des Wissenschaftsministeriums laut „Aktionsplan für einen wettbewerbsfähigen Forschungsraum“ (https://wissenschaft.bmwfw.gv.at/fileadmin/user_upload/wissenschaft/publikationen/forschung/Forschungsaktionsplan_web.pdf) aus dem Jahr 2015.

In der universitären Personalpolitik gibt es seit Längerem eine Schieflage. Das dürfte Konsens unter allen Verantwortlichen des Hochschulwesens in Österreich sein. Prekäre Beschäftigungssituationen, Kettendienstverträge und viel zu wenige unbefristete Laufbahnstellen machen es dem wissenschaftlichen Nachwuchs schwer, Fuß im vom Wettbewerb getriebenen System zu fassen. Besonders betroffen davon sind Frauen. In Sachen Gleichstellung zwischen den Geschlechtern sind die Fortschritte an den Universitäten, trotz verbesserter Voraussetzungen, bis heute langsam und zäh. Zwar erhöhte sich etwa die Zahl von Frauen auf Professuren seit 2000 von sechs auf 22 Prozent, doch „insgesamt ist die Entwicklung eher enttäuschend“, konstatiert Johanna Hofbauer von der Wirtschaftsuniversität Wien.

Gleichstellungsarbeit sehr unterschiedlich gehandhabt

Die Soziologin hat in einem vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekt Wissenschaftskarrieren an den Universitäten mit dem Fokus auf Gleichstellungsarbeit analysiert. Ihr Fazit fällt nüchtern aus: Nur einer von vier untersuchten Universitäten ist es gelungen, Gleichstellungsziele im Rahmen der umfassenden Strukturreformen der Hochschulen, die ab der Jahrtausendwende angestoßen wurden, zu verankern. „Bei den anderen hat die Umstellung auf unternehmerische Steuerungsformen keinen Kulturwandel mit sich gebracht. Hier ist man nach wie vor mit grundlegenden Fragen zur Gleichstellung beschäftigt“, fasst Hofbauer die Studienergebnisse zusammen.

Dabei haben die gesetzlichen Vorgaben der Universitätsreformen seit 2000 wichtige Voraussetzungen für die Gleichstellung von Frauen und Männern an den Universitäten geschaffen. Heute ist dieses Thema bei den gestärkten Leitungsorganen, also den Rektoraten, fix verankert und dort auch institutionell angesiedelt. Das Ziel geschlechtergerechter Laufbahnen ist damit zumindest formell verankert. Doch wie unterschiedlich die Umsetzung dieser Anliegen ausfällt, zeigt der wissenschaftliche Befund. „Man möchte meinen, dass das Universitätsgesetz gleiche Voraussetzungen für alle schafft. Unsere Untersuchungen zeigen, dass das nicht der Fall ist“, berichtet Johanna Hofbauer.

Fallstudien, Gender-Kompetenz und Verantwortliche

In den Fallstudien, die an vier unterschiedlich ausgerichteten österreichischen Universitäten durchgeführt wurden, haben die Wissenschafterinnen um Projektleiterin Hofbauer sowohl Dokumente analysiert (von Entwicklungsplänen über Leistungsvereinbarungen bis zu dem neuen Laufbahnmodell) als auch Interviews mit Führungskräften aus Rektorat und Senat, mit Gleichstellungsverantwortlichen und mit jungen Wissenschafterinnen und Wissenschaftern (Postdocs) geführt.

Auf dem Weg zur Chancengleichheit braucht es sowohl das Bewusstsein der einzelnen Verantwortlichen dafür als auch das entsprechende Umfeld in der jeweiligen Organisation. Rektorate mit Persönlichkeiten, die sich für das Thema interessieren, Genderkompetenz und -forschung, schriftlich dokumentierte Entwicklungsziele und ein entsprechendes Personalmanagement sind wesentliche Voraussetzungen dafür, um einen nachhaltigen Kulturwandel in dem noch bis heute männlich geprägten Wissenschaftsbetrieb anzustoßen. – So ein zentraler Befund der Studie.

Transparenz, Ressourcen und Vernetzung

In der neoliberalen Dynamik, das heißt im Spannungsfeld von Wettbewerbsorientierung und Chancengleichheit, in dem sich heute die öffentlichen Universitäten befinden, sollte Gleichstellung nicht als zusätzliche Anforderung betrachtet werden, die anderen Reformen im Weg steht. „Dieser Konflikt ist konstruiert“, sagt Hofbauer. „Wir müssen uns vielmehr die Frage stellen, wie wir mit unserem Nachwuchs umgehen“, betont die Wissenschafterin und ergänzt: „Entscheidungsverantwortliche können Gleichstellungsziele argumentativ umgehen und damit die Karrierechancen von Frauen erschweren. Das ist dann einfacher, wenn es keine Gleichstellungskultur an der Universität gibt.“

Das Positivbeispiel zeigt den Weg in die Praxis: Formalisierung und Transparenz von Entscheidungsprozessen fördern Gleichstellungsarbeit, allerdings nur dann, wenn diese Arbeit von Akteurinnen und Akteuren getragen wird, die über organisationale Macht- und feministische Wissensressourcen verfügen und darüber hinaus gut vernetzt sind.

Zur Person
Johanna Hofbauer (https://www.wu.ac.at/sozio/institut/wissenschaftliches-personal/hofbauer-johanna/) forscht und lehrt am Institut für Soziologie und Empirische Sozialforschung der Wirtschaftsuniversität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Gender in der Wissenschaft sowie Arbeits- und Nachhaltigkeitsforschung. Das FWF-Projekt „Wissenschaftskarrieren und Geschlecht“ (2012 – 2016)  war Teil des DACH-Projekts „Entrepreneurial University and GenderChange“ (http://genderchange-academia.eu/). An der österreichischen Untersuchung von Wissenschaftskarrieren wirkten mit: Birgit Sauer (Universität Wien) sowie Katharina Kreissl (TU München) und Angelika Striedinger (IHS Wien).

Hintergrundinformation:

Prekäre Beschäftigungsverhältnisse
An den Universitäten wurden im Jahr 2000 Kettenvertragsregelungen eingeführt, um Arbeitnehmer/innen vor andauernden prekären Beschäftigungsbedingungen zu schützen, indem befristete Arbeitsverhältnisse maximal sechs Jahre umfassen dürfen. Aufgrund des Mangels an festen Stellenangeboten hat die Regelung jedoch nicht nur eine abschreckende Wirkung auf Frauen gehabt, sondern insgesamt bewirkt, dass der Anteil der befristeten Dienstverhältnisse weiter hoch ist und prekäre Arbeitsbedingungen verstärkt wurden. In Österreich sind rund drei Viertel des wissenschaftlichen Personals in befristeten Anstellungsverhältnissen.

Neu: Das Laufbahnmodell
2009 wurde ein sogenanntes Laufbahnmodell an den Hochschulen eingeführt, um unter anderem der Abwanderung „exzellenter Köpfe“ aus Österreich entgegenzuwirken. Das Modell ist vergleichbar mit den Tenure-Track-Karrierepfaden im englischsprachigen Raum. Das Laufbahnmodell eröffnete erstmals wieder eine Perspektive für Nachwuchswissenschafter/innen auf planbare Karrierewege und unbefristete Beschäftigungsverhältnisse auf dem Weg zur Professur. Es sieht einen sechsjährigen Arbeitsvertrag als Assistenzprofessor/in mit Qualifizierungsvereinbarungen vor. Werden die Ziele erreicht, folgt der Umstieg auf eine unbefristete Stelle als assozierte/r Professor/in. Die Umsetzung des Modells erfolgt an den Universitäten noch zögerlich. Aktuell sind nur rund fünf Prozent des wissenschaftlichen Personals in Laufbahnstellen.

Publikationen und Beiträge
Kreissl, Katharina; Striedinger, Angelika; Sauer, Birgit; Hofbauer, Johanna: Will gender equality ever fit in? Contested discursive spaces of university reform. (http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09540253.2015.1028903?scroll=top&needAccess=true) In: Gender and Education, vol. 27, no. 3, pp. 221-238, 2015

Striedinger, Angelika; Sauer, Birgit; Kreissl, Katharina; Hofbauer, Johanna: Feministische Gleichstellungsarbeit an unternehmerischen Hochschulen: Fallstricke und Gelegenheitsfenster (https://www.researchgate.net/publication/303507129_Feministische_Gleichstellungsarbeit_an_unternehmerischen_Hochschulen_Fallstricke_und_Gelegenheitsfenster). In: Feministische Studien, Jg. 16, Nr. 1, S. 9-22, 2016 (PDF)

Hofbauer, Johanna; Striedinger, Angelika; Sauer, Birgit; Kreissl, Katharina: Akademischer Kapitalismus, Wettbewerb, Wissenschaftskarrieren. In: Dahmen, Jennifer / Thaler, Anita (Hg.), Soziale Geschlechtergerechtigkeit in Wissenschaft und Forschung (https://shop.budrich-academic.de/product/soziale-geschlechtergerechtigkeit-in-wissenschaft-und-forschung/?lang=en&v=fa868488740a), Barbara Budrich, Opladen: S. 211-228, 2017

Hofbauer, Johanna;  Wroblewski, Angela: Equality Challenges in Higher Education (https://wissenschaft.bmwfw.gv.at/fileadmin/user_upload/gender/2015/GE_HE-Broschur_dt.pdf) Inhaltliche Dokumentation und Schlussfolgerungen aus der „8th European Conference on Gender Equality in Higher Education“. Dokumentation im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (bmwfw). Wien, Institut für Höhere Studien, 2015 (PDF)

Bild und Text ab Montag, 4. September 2017 ab 9.00 Uhr MEZ verfügbar unter: http://scilog.fwf.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt
Ao. Univ.-Prof. Dr. Johanna Hofbauer
Institut für Soziologie und empirische Sozialforschung
Wirtschaftsuniversität Wien
Welthandelsplatz 1
1020 Wien
T +43 / 1 / 31336-4281
johanna.hofbauer@wu.ac.at
https://www.wu.ac.at/

Der Wissenschaftsfonds FWF
Ingrid Ladner
Haus der Forschung
Sensengasse 1
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 – 8117
E ingrid.ladner@fwf.ac.at
http://scilog.fwf.ac.at
http://www.fwf.ac.at

Versand
PR&D – Public Relations für Forschung & Bildung
Mariannengasse 8
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 70 44
contact@prd.at
W http://www.prd.at

Kunst/Kultur Wissenschaft/Forschung

Die Notation des Augenblicks

Laborsituationen mit künstlerischen Instrumentarien zu erfassen, ist Teil des vom Wissenschaftsfonds FWF im Rahmen seines PEEK-Programms geförderten Kunstprojekts „Choreo-graphic Figures: Deviations from the Line“. Nach drei Jahren Laborarbeit und Symposien ist dieses Projekt von Nikolaus Gansterer, Mariella Greil und Emma Cocker vorerst abgeschlossen und in einer umfassenden Publikation dokumentiert.

„Wie fühlt sich Sprache an, wenn du sie im Mund herum rollst?“, wirft ein Videoprojektor an eine weiße Wand, während eine Rute immer wieder und schnell durch den Lichtstrahl fährt, die Buchstaben auf dem Weg von der Lichtquelle zur Wand aufhält, reflektiert und doch nicht bremst: Willkommen im „Method Lab“ von Nikolaus Gansterer und seinem Team, einer künstlerischen Versuchsanordnung praktischen Erkenntnisgewinns.

Die Welt ermessen, um sie zu erkennen. Das ist ein zutiefst wissenschaftlicher Zugang. Das ist zugleich ein Bedürfnis, das auch die Kunst für sich in Anspruch nimmt. „Wissenschaft und Kunst“, betont denn auch Nikolaus Gansterer, „sind auf das Engste miteinander verbunden.“ So wie es die Wissenschaften gibt in allen ihren Disziplinen, so gibt es viele Künste in allen ihren Disziplinen. – So wie sie ja auch seit der Antike Geschwister im Geiste sind. „In der künstlerischen Forschung geht es um das Ergründen der Welt, es geht um ein Freilegen ihrer Grundlagen“, führt Gansterer aus. Womit die gemeinsame Basis, auf der seine Arbeit aus Kunst und Forschung ruht, definiert ist.

Denken, Fühlen, Wissen

„Choreo-graphic Figures: Deviations from the Line“, (http://www.choreo-graphic-figures.net/) so heißt das Projekt, das der Künstler Nikolaus Gansterer in Zusammenarbeit mit der Tänzerin Mariella Greil und der Schriftstellerin Emma Cocker sowie verschiedenen Gästen über die vergangenen drei Jahre und unterstützt durch den Wissenschaftsfonds FWF vorangetrieben hat. „Deviations oder Abweichungen einfach deshalb, weil das Projekt als das Zusammentreffen dreier verschiedener Disziplinen aufgesetzt war.“ Als ein Begegnungsraum, das heißt ein Spannungsfeld aus Choreografie, Schreiben und Zeichnen, also genuin künstlerische Mittel, die die Formen des Denkens-Fühlens-Wissens erforschen, die durch kollaborative Praxis entstehen.

„Die Abweichung“, erklärt Gansterer weiter, „ist positiv gedacht. Sie ermöglicht es uns, Fragen zu formulieren, aufzuwerfen.“ Die Abweichung als Ansporn, als Anstoß neue Welten zu erschließen. Untersucht wurde sie im „Method Lab“, einem Raum, in dem Schreiben, Choreo-grafie (auf den trennenden Bindestrich legt Gansterer Wert, als es keine festgelegte Choreografie ist, vielmehr eine, die sich ad hoc und in situ aus der Situation des Experiments heraus ergibt) und Zeichnen gemeinsam ausgeübt, erfahren, bemerkt, notiert werden.

In der Welt sein

„Was wir freigelegt haben, ist ein System, das diesen Bewegungen nachspürt“, beschreibt Gansterer den Prozess. Und fügt hinzu: „Es geht um Formen, Spuren und Figuren des In-der-Welt-seins.“ In manchen Situationen, so Gansterer, ereignen sich eben jene choreo-grafischen Figuren, in anderen nicht. Das lässt sich nicht rigoros kontrollieren. Nach drei Jahren intensiver Arbeit, Beobachtungen und Aufzeichnungen mit Partnern aus der Philosophie, dem Theater und den Tanzwissenschaften lässt sich dieses System schlussendlich fassen und kommunizieren. Soeben sind die Forschungsergebnisse im Band „Choreo-graphic Figures: Deviations from the Line“ im Verlag de Gruyter veröffentlicht worden. In der mit zahlreichen Bild- und Textbeiträgen der Projektbeteiligten sowie einer Vielzahl an diagrammatischen Zeichnungen von Gansterer versehenen Publikation ist es gelungen, sowohl die Annäherung an die Formen des Denkens-Fühlens-Wissens als auch den Labor- und Werkstattcharakter des Projekts zu vermitteln.

Es wäre durchaus reizvoll, so der Projektleiter, die Arbeit weiterzuführen und den Kreis der Partner zu erweitern; man sei da in viele Richtungen offen, bis hin zur Experimentalphysik etwa in Form einer Kooperation mit dem CERN. Denn „es geht sehr stark um Mikrogesten, um Mikrosituationen; es geht in das Kleine und das Kleinste“, so Gansterer. „In den Labors haben wir stets so gearbeitet, dass der eigene Körper als Ressource diente.“ Es gab also keine Sensoren oder technische Aufzeichnungen, vielmehr vertraute man bewusst auf die eigene Wahrnehmung, die im Prozess zunehmend geschärft wurde. „Man wird einer im Bruchteil einer Sekunde auftauchenden Falte im Gesicht eines Partners gewahr“, beschreibt Nikolaus Gansterer dieses „Finetuning“ des eigenen Körpers und der eigenen Sinne. „Das Raumempfinden nimmt so sehr zu, dass ich differenziert wahrnehmen konnte, was hinter mir geschah, während ich auf einer Diagonale den Raum durchquerte.“

Jeder Klick eine Notation

Eine höchst sensible Situation, vor allem insofern, als es gilt, eine Notation zu (er)finden und zu entwickeln, die die Dinge beschreibt „ohne sie im Moment ihres Erscheinens gleich zunichte zu machen“. Es entstehe in der Arbeit in den Labors „etwas Atmosphärisches“, welches alleine durch Sprache schon zerstört werden kann, beschreibt Gansterer, ebenso durch Bewegungen und Fingerzeige. „Diese Problematik beschäftigte uns so lange bis wir schließlich in schlichten Klicklauten die Möglichkeit von Markern gefunden haben, durch die wir für die Videoaufzeichnungen etwas festhalten konnten, ohne es zu zerstören.“ – Es gibt noch viel zu notieren. Was bisher war, ist nur ein erster Schritt.

 

Zur Person
Nikolaus Gansterer (http://www.gansterer.org/) ist Mitbegründer des „Instituts für Transakustische Forschung“ (http://www.iftaf.org/) und des Klangkollektivs „The Vegetable Orchestra“. Gansterer lehrt unter anderem am Institut für Transmediale Kunst (http://transmedialekunst.com/de/) an der Universität für Angewandte Kunst Wien und ist seit 2016 Gastprofessor am Zentrum Fokus Forschung (http://www.dieangewandte.at/institute/zentrum_fokus_forschung) Wien.

Publikation
Nikolaus Gansterer, Emma Cocker, Mariella Greil (Hg.): CHOREO-GRAPHIC FIGURES: DEVIATIONS FROM THE LINE, Reihe „Edition Angewandte”, Walter de Gruyter, Berlin/Boston, 2017. ISBN 978-3-11-054660-6

Projektwebsite: http://www.choreo-graphic-figures.net/

 

Bild und Text ab Montag, 28. August 2017 ab 9.00 Uhr MEZ verfügbar unter: http://scilog.fwf.ac.at

 

Wissenschaftlicher Kontakt
Mag. art. Nikolaus Gansterer
Zentrum Fokus Forschung
Universität für Angewandte Kunst Wien
Oskar Kokoschka-Platz 2
1010 Wien
T +43 / 699 / 1-9205543
nikolaus.gansterer@uni-ak.ac.at
http://zentrumfokusforschung.uni-ak.ac.at

Der Wissenschaftsfonds FWF
Ingrid Ladner
Haus der Forschung
Sensengasse 1
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 – 8117
E ingrid.ladner@fwf.ac.at
http://scilog.fwf.ac.at
http://www.fwf.ac.at

Versand
PR&D – Public Relations für Forschung & Bildung
Mariannengasse 8
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 70 44
contact@prd.at
W http://www.prd.at

Wissenschaft/Forschung

Mit Mikrowellen Granit brechen

In einem vom Wissenschaftsfonds FWF finanzierten Projekt untersuchten Forschungsgruppen aus Leoben, wie Abbaumethoden für hartes Gestein durch Einstrahlung von Mikrowellen verbessert werden können, um klassische, mechanische Verfahren zu erleichtern und Energie zu sparen.

Der Abbau von hartem Gestein wie Granit ist ein langwieriger, energieintensiver Prozess, egal ob im Bergbau oder im Tunnelbau. Dabei wird in mehreren Schritten vorgegangen: Zuerst müssen Risse im kompakten Fels erzeugt werden, wobei einzelne Brocken entstehen, die dann herausgelöst und abtransportiert werden können. In der Geschichte des Bergbaus wurde Ersteres oft mit Feuer gemacht – die Hitze sprengt das Gestein. Ein vom Wissenschaftsfonds FWF gefördertes, interdisziplinäres Projekt der Lehrstühle für Mechanik, Physik und Bergbaukunde der Montanuniversität Leoben hat nun eine moderne Variante dieser Strategie untersucht: Zum Erhitzen des Gesteins wird Mikrowellenstrahlung eingesetzt.

„Alle gängigen Abbaumethoden haben eines gemeinsam: Man möchte das Gestein zuerst brechen, also Oberflächen erzeugen, aber nur ein geringer Teil der Energie geht wirklich in diese Oberflächenschaffung. Der Großteil geht in Form von Wärme verloren“, sagt Projektleiter Thomas Antretter vom Institut für Mechanik der Montanuniversität Leoben. Derzeit wird das Gestein entweder gesprengt oder rein mechanisch mit großen Maschinen aufgebrochen und abgetragen. „Das ist eine riesige Verschwendung von Energie. Wir wollen den mechanischen Abbauprozess nicht vollständig ersetzen, das ist nicht möglich. Aber wir können ihn erleichtern“, so Antretter.

25-mal stärker als ein Mikrowellenofen

Dass Mikrowellen zum Erhitzen genutzt werden können, ist aus dem Alltag bekannt. Weniger offensichtlich ist, dass auch Gestein erwärmt werden kann. „Man könnte tatsächlich einen Gesteinsbrocken in einen Mikrowellenofen legen und er würde warm werden“, erklärt Antretter. „Um wirklich Risse zu erzeugen, braucht es aber höhere Energien.“ Für die Praxistests wurde eine Anlage mit 25 Kilowatt Leistung verwendet, das ist etwa das 25-Fache eines Mikrowellenherds. Die Mikrowellen werden mit einem Applikator aufgebracht, der wie ein Schlauch aussieht –, ein Hohlleiter, in dessen Innerem die Mikrowellen transportiert werden.

Antretters Gruppe war für die Simulationen zuständig. „Die Simulationen waren relativ umfangreich, weil wir einerseits die elektromagnetischen Vorgänge berechnen mussten, die Einstrahlung und die Ausbreitung der elektromagnetischen Welle, und dann daraus schließen mussten, wie sich das Gestein erwärmt.“ Antretter interessierte sich besonders für Granit, der aufgrund seiner Härte besonders schwierig abzubauen ist. Granit besteht aus den Gesteinen Feldspat, Quarz und Glimmer. „Diese haben unterschiedliche Eigenschaften und erwärmen sich verschieden stark. Abgesehen davon unterscheiden sie sich auch in ihren elektrischen Eigenschaften, Mikrowellen werden unterschiedlich absorbiert.“ Auch das habe zuerst berechnet werden müssen.

„Mit den Ergebnissen der Rechnungen zur Verlustleistung konnten wir dann eine mechanische Rechnung machen“, erklärt Antretter. „Dazu müssen wir berechnen, wie sich die Temperatur im Gestein zeitlich entwickelt. Davon ausgehend können wir die mechanischen Spannungen berechnen, wiederum als Funktion der Zeit.“ Das wurde mit der kritischen Belastungsgrenze für die einzelnen Gesteinsbestandteile verglichen, um festzustellen, wann das Gestein bricht und die gewünschten Risse entstehen.

Kurze Pulse effektiver

Thomas Antretters Team simulierte kurze, intensive Pulse von nur einer Zehntelsekunde und zum Vergleich längere Pulse mit geringerer Intensität, die 100 Sekunden dauerten. Die eingebrachte Energie war in beiden Fällen gleich. „In den Simulationen zeigten die kurzen Pulse etwas mehr Effekt, bei gleicher Energiemenge“, berichtet Antretter. Begleitend dazu gab es Versuche am benachbarten Lehrstuhl für Bergbaukunde, der Zugriff auf eine Mikrowellenanlage hat. „Dort wurden tatsächlich Gesteinsproben hineingelegt und bestrahlt, unter unterschiedlichen Bedingungen und Zeiten. Es hat sich herausgestellt, dass man diese Riss-Muster erzeugen kann, und sie stimmen gut mit dem überein, was wir in der Simulation gefunden haben.“

Die Idee, Mikrowellen zum Aufbrechen von Gestein zu verwenden, habe es schon länger gegeben, sagt Projektleiter Antretter. „Man konnte den Effekt aber nie richtig quantifizieren, die Versuche basierten auf ‚Trial and Error‘. So geriet das wieder in Vergessenheit.“

Für eine praktische Umsetzung gebe es noch einige offene Fragen, wie etwa Fragen zum Brandschutz. „Aus technischer Sicht steht einer Umsetzung aber nichts im Weg“, so Antretter.

Zur Person
Thomas Antretter (http://mechanik.unileoben.ac.at/de/personal/thomas-antretter) ist Professor an der Montanuniversität Leoben (https://www.unileoben.ac.at/) und Leiter des Instituts für Mechanik. Sein Forschungsinteresse gilt Computersimulationen von ‚Martensitischen‘ Phasenübergängen, Spannungen in Materialien und der Wechselwirkung von Mikrowellen mit Gestein. Antretter erhielt verschiedene Auszeichnungen, unter anderem den Adolf-Martens-Preis.

Publikationen
Toifl, M.; Hartlieb, P.; Meisels, R.; Antretter, T.; Kuchar, F.: Numerical study of the influence of irradiation parameters on the microwave-induced stresses in granite (http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0892687516303193). In: Minerals Engineering 103-104, pp. 78-92, 2017

Meisels, R., Toifl, M., Hartlieb, P., Kuchar, F., and Antretter, T: Microwave propagation and absorption and its thermo-mechanical consequences in heterogeneous rocks (http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0301751615000046). In: International Journal of Mineral Processing, 135:40–51, 2015

Toifl, M., Meisels, R., Hartlieb, P., Kuchar, F., and Antretter, T.: 3D numerical study on microwave induced stresses in inhomogeneous hard rocks (http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0892687516300024). In: Minerals Engineering, 90:29–42, 2016

Hartlieb, P., Toifl, M., Kuchar, F., Meisels, R., and Antretter, T.: Thermo- physical properties of selected hard rocks and their relation to microwave-assisted comminution (http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0892687515301278). In: Minerals Engineering, 91:34–41, 2016

Bild und Text ab Montag, 21. August 2017 ab 9.00 Uhr MEZ verfügbar unter: http://scilog.fwf.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt
Univ.-Prof. DI Dr. Thomas Antretter
Institut für Mechanik
Montanuniversität Leoben
Franz-Josef-Straße 18
8700 Leoben
T +43 / 3842 / 402-4000
thomas.antretter@unileoben.ac.at
http://mechanik.unileoben.ac.at

Der Wissenschaftsfonds FWF
Ingrid Ladner
Haus der Forschung
Sensengasse 1
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 – 8117
E ingrid.ladner@fwf.ac.at
http://scilog.fwf.ac.at
http://www.fwf.ac.at

Versand
PR&D – Public Relations für Forschung & Bildung
Mariannengasse 8
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 70 44
contact@prd.at
W http://www.prd.at

Musik/Kino/DVD Wissenschaft/Forschung

Der Klang des späten Mittelalters

Das Musikleben des Spätmittelalters war prall und variantenreich. Auch das Musikschaffen im österreichischen Raum. Wiener Wissenschafterinnen und Wissenschafter setzen nun, unterstützt vom Wissenschaftsfonds FWF, die Musik mit dem Alltag jener Zeit in Verbindung. Und schaffen neue Zugänge für ein besseres Verständnis.

„Die Stadt im Spätmittelalter“, sagt Reinhard Strohm, „die ist ein Ort akustischer Signale. Da schlagen die Glocken der Minoritenkirche zu einem Gebet, zu einer Vesper oder einer Messe, da erklingen die Glocken der Augustiner und vermitteln ihre Botschaften, Adelige ziehen, begleitet von Fanfaren durch die Stadt, allenthalben wird gerufen, gesungen, gebetet.“ Und das ist noch nicht alles. Dazu muss man sich auch noch Hufgetrappel, Schweinegrunzen, Hühnergackern, Entenschnattern, das Quietschen, Knarren, Hämmern, Rumpeln, Rattern, Knattern, das Schreien, Stöhnen, Rufen, Jammern, Betteln, Bitten, Beten in allen Tonlagen und Lautstärken denken und noch viel mehr. Die Stadt im Spätmittelalter und darüber hinaus ist ein Platz totaler akustischer Kakophonie. – Aus heutiger Sicht oder Hörgewohnheit.

Nun arbeitet Strohm, Musikwissenschafter an der Oxford University, nur in zweiter Linie am Klangraum Stadt, vor allem aber arbeitet er gemeinsam mit Birgit Lodes, Lehrstuhlinhaberin für Historische Musikwissenschaft an der Universität Wien, im Rahmen des FWF-Projekts „Musikleben des Spätmittelalters in der Region Österreich“ an der Erschließung eines ganz anderen Klangraums.

Überstrahlt und zugetönt

„Es ist tatsächlich so“, erklärt Lodes, „dass man vergleichsweise wenig über die Musik dieser Zeit weiß, zumal Wien und Österreich so sehr von barocker Musik und noch mehr von der Wiener Klassik geprägt sind.“ Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert. Sie bilden gemeinsam ein Zentralgestirn im heimischen Musikuniversum, überstrahlen alles, definieren alles. Bis hin zu unseren Hörgewohnheiten.

„Die Musik des späten Mittelalters klingt anders“, konzediert Lodes. Fremder, ungewohnter. Auch durch die Instrumentierung. Eindimensional ist die Musik dieser Zeit freilich nicht. „Wir müssen die Variationsmöglichkeiten bedenken“, sagt Lodes. Dann und wann testet sie ihre Studentinnen und Studenten, gibt ihnen ein und dasselbe Stück zu hören. Einmal instrumental, das andere Mal nur mit Vokalstimmen vorgetragen. „Es ist verblüffend, wie selten erkannt wird, dass es sich um ein Stück handelt“, lächelt die Musikhistorikerin.

Umbruch mit Pauken und Trompeten

In gewisser Weise geht es Lodes und Strohm sowie den anderen am Projekt beteiligten Forscherinnen und Forschern auch darum, der Musik und dem Musikschaffen einer für das europäische Geistesleben essenziellen Epoche Gerechtigkeit zuteilwerden zu lassen. Zwischen 1340 und 1520 bricht Europa, im wahrsten Sinne des Wortes, zu neuen Ufern auf. Neue Technologien beenden das Zeitalter der Ritter, der Kleinadel wird durch ein aufstrebendes Bürgertum an den Rand gedrängt, die Städte gewinnen an Einfluss und die Universitäten erschließen sich den Zugang zum Wissen der Antike. Kriege toben, Seuchen und Pestilenz wüten, Päpste treffen auf Gegenpäpste, Reformation auf alte Kirche. In diesen 200 Jahren bleibt kein Stein auf dem anderen. Am Ende steht die Renaissance.

Alles das wird von Musik begleitet. „Europäisches Musikschaffen“, erklärt Strohm,  „ist in dieser Epoche nicht mehr in nationalen oder regionalen Grenzen eingeschränkt. In Windeseile verbreitet sich die Musik über Europa. Nicht einmal zwölf Monate dauert es, bis die Musik zur Inthronisierung des Herzogs von Ferrara 1441 nach Wien gelangt und hier notiert wird.

Frische Popularität Alter Musik

Selbstverständlich wird auch in Wien komponiert. So wie in Innsbruck, wohl auch in Wiener Neustadt, in Graz oder Salzburg. Auch wenn bisweilen in den Archiven so gar nichts zu finden ist, wie Lodes und Strohm bedauern. Trotzdem muss man sich jeden Fürsten, zumal die Habsburger Erzherzöge und Kaiser, mit einer Kapelle denken, mit Musikerinnen und Musikern, mit Sängerinnen und Sängern, die den hohen Herrn auf seinen Reisen begleiteten, die von seinem Ruhm und Edelmut kündeten (und sich in Briefen bitterlich über dürftige Entlohnung und widrige Lebensumstände beklagten). So tauchen Lodes und Strohm tief ein in den Alltag und damit in die Lebenszusammenhänge jener Zeit.

„Wir sind noch immer damit beschäftigt, alle Essays zum Projekt auf die Website www.musical-life.net zu stellen“, erklärt Strohm, während Lodes darauf verweist, dass durch dieses Projekt oft erstmals Musikstücke überhaupt aufgenommen wurden und nun über die Website anzuhören sind. „Es wurden aus den Einspielungen sogar zwei CDs ausgekoppelt, die nun im Handel erhältlich sind“, freut sich die Musikhistorikerin. Darum geht es ihr, Zugänge zu schaffen, Interesse zu wecken und mit Beispielen sonder Zahl am Leben zu erhalten. Auch, um jene Musikerinnen und Musiker vor den Vorhang zu bitten, die ansonsten dem Vergessen anheimfallen. Überstrahlt von den Komponisten späterer Epochen.


Zur Person
Birgit Lodes (https://musikwissenschaft.univie.ac.at/institut/personalverzeichnis/lodes/) ist nach Stationen als Visiting Fellow an der Harvard University, als Lehrbeauftragte an der Hochschule für Musik München und als Vertretung der C3-Professur für Musikwissenschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg seit 2005 Universitätsprofessorin für Historische Musikwissenschaft an der Universität Wien, korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Mitglied der Academia Europea.

Literatur und Beiträge

Lodes, Birgit „Des Kaisers Alamire: Zur Entstehung des Chorbuchs Wien. Österreichische Nationalbibliothek. Mus. Hs. 15459“ (http://www.brepolsonline.net/doi/abs/10.1484/M.EM-EB.3.2694) in Uno gentile et subtile ingenio. Studies in Renaissance Music in Honour of Bonnie J. Blakcburn, HG Jennifer M. Bloxam, Gioia Filocamo und Leofrance Holford-Strevens, Turnhout 2009: 274-258

Lodes, Birgit „Translatio panegyricorum. Eine Begrüßungsmottete Senfls(?) für Kaiser Karl V. (1530)“, in Senfl-Studien 2, HG Stefan Gasch und Sonja Tröster, Tutzing 2013: 189-255

Lodes, Birgit „Concentus, Melopoiae und Harmonie 1507. Zum Geburtsjahr des Typendrucks mehrstimmiger Musik nördlich der Alpen“ in: Niveau, Nische, Nimbus. Die Anfänge des Musikdrucks nördlich der Alpen HG Birgit Lodes, Tutzing 2010: 22-66

Strohm, Reinhard „Polyphonie und Liedforschung“ in Einstimmig-Mehrstimmig. Deutungsperspektiven zur Musik des 15. und 16. Jahrhunderts, HG Birgit Lodes. Musik Theorie. Zeitung für Musikwissenschaft. 2012: 162-175

Strohm, Reinhard „Fifteenth-century humanism and music outside Italy“ (https://www.cambridge.org/core/books/cambridge-history-of-fifteenthcentury-music/fifteenthcentury-humanism-and-music-outside-italy/51610C80CC2E42825E12BB5D7C15BF1D), in The Cambridge History of Fifteenth-Century Music, HG Anna Maria Buss Berger und Jesse Rodin, Cambridge 2015: 263-280

Bild und Text ab Montag, 31. Juli 2017 ab 9.00 Uhr MEZ verfügbar unter: http://scilog.fwf.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt
Univ.-Prof. Dr. Birgit Lodes
Institut für Musikwissenschaft
Universität Wien
Spitalgasse 2-4, Hof 9
1090 Wien
T +43 / 1 / 4277-44261
birgit.lodes@univie.ac.at
https://www.univie.ac.at/

Der Wissenschaftsfonds FWF
Ingrid Ladner
Haus der Forschung
Sensengasse 1
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 – 8117
E ingrid.ladner@fwf.ac.at
http://scilog.fwf.ac.at
http://www.fwf.ac.at

Versand
PR&D – Public Relations für Forschung & Bildung
Mariannengasse 8
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 70 44
contact@prd.at
http://www.prd.at

Wissenschaft/Forschung

Seelenwanderung als gesellschaftlicher Zünd- oder Klebstoff

Für die ethnisch-religiöse Minderheit der Drusen im Nahen Osten ist Seelenwanderung ein allgemein akzeptiertes Phänomen. Mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF dokumentiert der Sozialanthropologe Gebhard Fartacek Fälle von Wiedergeburt sowie zugehörige gesellschaftliche Folgen, Diskurse und Konflikte.

Die Seelenwanderung (auf Arabisch: taqammus) hat etwas Tröstliches. Das Phänomen ist in der drusischen Glaubensgemeinschaft nicht nur in Heiligen Büchern verankert, sondern gesellschaftlich breit anerkannt. Wenn ein Mensch stirbt, geht seine Seele – manchmal auch Fertigkeiten oder bestimmte Charakterzüge − auf ein Neugeborenes über. Der Wortstamm enthält das arabische Wort für „Hemd“. Die Seele wird gleichsam erneut angezogen. Taqammus hat aber auch einen tragischen Zug. In seinem Forschungsprojekt dokumentiert der Sozialanthropologe Gebhard Fartacek, unterstützt vom Wissenschaftsfonds FWF, auch ethnosoziologische Konsequenzen und potenzielle Konflikte, die mit dem Prinzip der Seelenwanderung einhergehen (können).

Wiedergeburt etabliert neue Beziehungen

Die Drusen, eine schiitisch geprägte ethnisch-religiöse Minderheit, lebt im Nahen Osten verstreut über den Libanon, Syrien, Israel/Palästina und Jordanien sowie in der Diaspora. Projektleiter Fartacek von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften nimmt mit seiner Feldforschung die Spur sogenannter „sprechender Kinder“ auf, deren erste Worte sich auf Erinnerungen an ein vorhergehendes Leben beziehen. Werden diese Kinder als Wiedergeburt eines konkreten Verstorbenen erkannt, betrifft die Seelenwanderung nicht mehr nur das Individuum. Menschen werden (neu) verbunden mit spürbaren Folgen in vielen Lebensbereichen wie zum Beispiel verwandtschaftliche Zugehörigkeiten, potenzielle Heiratsmöglichkeiten, Beistandspflichten, Erbschaft etc. Es wandern nicht nur die Seelen sanft entschlafener drusischer Großeltern, sondern auch die von Verbrechensopfern und jungen Menschen, die noch mitten in ihrem Leben standen. Kränkung, Streit, Rache und Verwirrung können die Folge sein. Manche Wiedergeborene suchen ihre „alte“ Familie aktiv auf und finden Frieden, andere zerbrechen an der Zurückweisung.

Gebhard Fartacek beschäftigt sich in seiner Forschungsarbeit vorwiegend mit religionsethnologischen Fragen im Nahen Osten. Er rekonstruiert Fälle in Form von Oral History und durch biografische Interviews mit Betroffenen, Angehörigen und dem Umfeld, wobei ihm seine Arabischkenntnisse zupasskommen. Zu Realitätsnähe und Wahrheitsgehalt der erzählten Begebenheiten nimmt der Forscher eine konstruktivistische Position ein: „Entscheidend ist, dass das Phänomen in dieser Gesellschaft eine anerkannte soziale Realität ist. In der drusischen Gemeinschaft scheiden sich die Geister eher an der Frage, ob taqammus den Zusammenhalt fördert oder Chaos und Unruhe bringt.“ Ihm geht es um Erzählungen, Diskurse und (problematische) Konsequenzen aus emischer Sicht, also aus Sicht der Betroffenen.

Sichtweisen auf Seelenwanderung

Einen ersten projektbezogenen Aufenthalt hat der Wissenschafter im Herbst 2016 im Libanon absolviert und sich bei seiner Feldforschung zu Menschen, die sich an ihr vorhergehendes Leben zurückerinnern, durchgefragt: „Besonders häufig sind Berichte von Menschen, die mit ihrem Leben noch nicht fertig waren und auf tragische, gewaltsame oder unerwartete Art aus dem Leben geschieden sind“, erklärt Fartacek. Seine Forschungsarbeit soll in einer Typologie von Fällen münden. Als erstes Ergebnis kristallisiert sich heraus, dass Geschichten von Wiedergeburt einer Art Plot-Bildung unterliegen und die Eckpunkte routiniert vorgetragen werden. Umso wichtiger ist es für Fartacek zu erfahren, welche Sichtweisen es auf ein und denselben Fall gibt. Die Rekonstruktionen seien, so der Forscher, ein Puzzlestein der kultur- und sozialanthropologischen Theoriebildung, die den landläufigen Vorstellungen widersprechen würden, wonach ein gemeinsam geteilter Glaube zwangsläufig zu starkem Gruppenzusammenhalt führe. „Die Wiedergeburt wird von allen Drusen akzeptiert, seine Folgen für gesellschaftlichen Zusammenhalt aber sehr widersprüchlich wahrgenommen“, erläutert Fartacek.

Durch andauernde Kriegs- und Konfliktgeschehen in Syrien konnte Gebhard Fartacek auch in Österreich drusische Flüchtlinge befragen und Aspekte von Seelenwanderung als Coping Strategie (Bewältigungsstrategie für schwierige Lebensereignisse) herausarbeiten. Mit ihm arbeitet der Islamwissenschafter Lorenz Nigst im Projekt. Unter den Flüchtlingen rekrutierte er auch einen syrischen Mitarbeiter, der ihn bei der präzisen Dokumentation und Archivierung der Gespräche im Phonogrammarchiv an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften unterstützt.

Zur Person

Gebhard Fartacek (http://www.phonogrammarchiv.at/wwwnew/mitarb_d.htm) ist Projektleiter am Phonogrammarchiv (http://www.phonogrammarchiv.at/wwwnew/index.htm) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Lehrbeauftragter u.a. am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien und der Pädagogischen Hochschule Wien. Der Sozialanthropologe beschäftigt sich mit Methoden der ethnologischen Datenerfassung und forscht u.a. zu lokalkulturellen Konfliktbewältigungsstrategien und ethnisch-religiösen Segmentierungen im Nahen Osten.

Projekthomepage: http://www.taqammus.at/

Publikationen

Fartacek, Gebhard: Unheil durch Dämonen? Geschichten und Diskurse über das Wirken der Ǧinn. Eine sozialanthropologische Spurensuche in Syrien. (http://www.boehlau-verlag.com/download/161630/978-3-205-78485-2_OpenAccess.pdf) Wien: Böhlau-Verlag, 2010 (pdf)

Fartacek, Gebhard: Pilgerstätten in der syrischen Peripherie. Eine ethnologische Studie zur kognitiven Konstruktion sakraler Plätze und deren Praxisrelevanz. (http://epub.oeaw.ac.at/3133-Xinhalt?frames=yes) Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Sitzungsberichte der phil.-hist. Klasse 700. Band; Veröffentlichungen zur Sozialanthropologie Nr. 5), 2003

Fartacek, Gebhard: Bemerkungen zum Nahen Osten als ethnographisches Untersuchungsfeld. (http://epub.oeaw.ac.at/7936-8;link=%2F0xc1aa500e_0x0033cbc9?frames=yes&doIdentify=true) In: Journal of Audio-Visual Research – Jahrbuch des Phonogrammarchivs, Nr. 6, S. 27–50, 2015

Fartacek, Gebhard: Rethinking Ethnic Boundaries: Rituals of Pilgrimage and the Construction of Holy Places in Syria. (http://epub.oeaw.ac.at/7133-1;link=%2F0xc1aa500e_0x002a7e9f?frames=yes&doIdentify=true) In: M. Ferencová / C. Jahoda / G. Kiliánová (Hg.): Ritual, Conflict and Consensus: Comparing case studies in Asia and Europe. Wien: Austrian Academy of Sciences, pp. 119–130, 2012

Fartacek, Gebhard (gemeinsam mit Susanne Binder), Hg.: Facetten von Flucht aus dem Nahen und Mittleren Osten. (http://www.facultas.at/list?back=023d28fab3e65ff6df176a8f70eac125&xid=4180528) Wien: Facultas-Verlag (Reihe: Kultur- und Sozialanthropologie), 2017

Bild und Text ab Montag, 17. Juli 2017 ab 9.00 Uhr MEZ verfügbar unter: http://scilog.fwf.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt
Mag. Dr. Gebhard Fartacek
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Phonogrammarchiv
Liebiggasse 5, 1010 Wien
T +43 / 1 / 4277-29611
Mobile: +43 677 619 19 632
E gebhard.fartacek@oeaw.ac.at
W http://www.phonogrammarchiv.at

Der Wissenschaftsfonds FWF
Ingrid Ladner
Haus der Forschung
Sensengasse 1
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 – 8117
E ingrid.ladner@fwf.ac.at
W http://scilog.fwf.ac.at
W http://www.fwf.ac.at

Versand
PR&D – Public Relations für Forschung & Bildung
Mariannengasse 8
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 70 44
E contact@prd.at
W http://www.prd.at

Wien, 17. Juli 2017

Pressemitteilungen Wissenschaft/Forschung

Jenseits der Norm

Susanne Hochreiter und Angelika Baier untersuchen mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF, wie Intergeschlechtlichkeit in der zeitgenössischen deutschen Literatur behandelt wird. Und es zeigt sich: So unsicher die Gesellschaft gegenüber dem dritten Geschlecht ist, so sind es auch Schriftstellerinnen und Schriftsteller.

„Ich schreibe, um hörbar zu machen, in Sprache zu übersetzen, was gemeinhin nicht gesprochen wird, nicht sprechbar scheint.“ Das sagt, das schreibt die deutsche Autorin Ulrike Draesner über sich und ihre Arbeit. In einem ihrer Werke, in „Mitgift“, setzt sie sich mit einem Thema auseinander, welches „nicht sprechbar scheint“. – Mit Intergeschlechtlichkeit.

„Eine Familiengeschichte“, erläutert Susanne Hochreiter. „Eine Familiengeschichte, die sich entlang von Abscheu und Faszination entwickelt.“ Abscheu vor dem uneindeutigen Monster, nicht Mann, nicht Frau, welches die Eltern da in die Welt gesetzt haben. Faszination ob der puren Schönheit dieses Wesens. Und am Ende steht der Tod.

Das sei ein häufiger Topos, erklärt Hochreiter: „Die Beschreibung des Hermaphroditen als engelsgleiches Wesen, das dann doch nicht leben darf.“ Dem dritten Geschlecht ist in der Literatur, zumal in der deutschsprachigen, kein Glück und kein gutes Leben beschieden. Insofern spiegelt die Literatur die Realität. Denn, Personen, die mit anatomischen Geschlechtsmerkmalen beider Geschlechter geboren werden, werden zumeist noch im Kleinkindalter chirurgisch „vereindeutigt“, führt Hochreiter aus, in eine „korrekte“ Männlichkeit oder Weiblichkeit. Sie werden passend gemacht.

Engel, Monster, Opfer-Täter

Mit Unterstützung durch den Wissenschaftsfonds FWF untersuchte die Germanistin auf Initiative von und in Zusammenarbeit mit Institutskollegin Angelika Baier Darstellung, Umgang und Rezeption von Intergeschlechtlichkeit in der deutschsprachigen Literatur zwischen 1990 und 2010. Das Projekt „Diskursverhandlungen in Literatur über Hermaphroditismus“ wurde aufgrund der Tatsache, dass seit 2010 mehr Werke zum Thema publiziert werden, bis 2015 verlängert.

Verortet wird Intergeschlechtlichkeit im Rahmen fünf verschiedener Motiv- und Bildkomplexe: In (fiktionalen) autobiografisch orientierten Texten; in Texten im Familienrahmen; in Kriminalromanen; in Romanen, die Hermaphroditen als übermenschliche Engel und in Texten, die Intergeschlechtlichkeit über groteske Körperdarstellungen thematisieren.

Selbstverständlich, meint die Germanistin, eignet sich diese Uneindeutigkeit optimal für die Kriminalliteratur. „Es ist ein exotisches Motiv, es ist die Unentschiedenheit, die fasziniert“, stellt Hochreiter fest. Womit die betroffenen Personen dann doch auch wieder in ein Eck gestellt werden. „Wir haben keine soziale Funktion für Menschen, die dazwischen stehen“, konstatiert die Projektleiterin.

Wechselspiel der Identitäten

Nicht immer war der Umgang so unsicher. Nicht in der Literatur und, teilweise wenigstens, wohl auch nicht im Leben. Noch im Barock werden Identitäten geradezu spielerisch getauscht. „In Grimmelshausens ‚Simplicius Simplicissimus‘ wechselt der Protagonist schlicht die Kleidung und damit scheinbar das Geschlecht und amüsiert sich“, erinnert Hochreiter.

Wie überhaupt das Wechselspiel der Identitäten in der Zeit vor dem Siegeszug des Rationalismus ein durchaus übliches Spiel war. Nicht nur auf der Bühne. Auch im Leben. „Es gab, das ist verbrieft, Frauen, die sich als Soldaten kleideten, die Soldaten wurden. So wie im Fall Rosenstengel“, erzählt Hochreiter. Aus dem Grund, als Identitäten zu jener Zeit, vor der Aufklärung, vor der französischen Revolution, vor der industriellen Revolution in gewisser Hinsicht lockerer verstanden werden. Zumindest ist das Changieren zwischen den sexuellen Identitäten ein leichteres. Mit der normativen Festlegung auf nur zwei Geschlechter wird der Wechsel zwischen ihnen zur Travestie, zur Komödie, gar zur Clownerie. Was bleibt, ist die Unsicherheit mit den Zwischentönen. Zumal mit dem dritten Geschlecht. In der Literatur und im Leben.

Zu den Personen

Susanne Hochreiter (https://germanistik.univie.ac.at/personen/hochreiter-susanne/) ist Literaturwissenschafterin an der Universität Wien mit den Schwerpunkten Gender und Queer Studies, österreichische Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts, Hochschuldidaktik und Theaterpädagogik. Hochreiter hat Germanistik, Philosophie, Psychologie und Pädagogik (Lehramt) in Wien und Berlin studiert und ist u.a. Mitglied des Gender-Forschungsverbundes der Universität Wien.

Angelika Baier (https://germanistik.univie.ac.at/personen/baier-angelika/) ist Literaturwissenschafterin und Geschlechterforscherin. Sie hat Germanistik, Publizistik und Kommunikationswissenschaften an den Universitäten Salzburg, Wien und Santiago de Compostela studiert und war wissenschaftliche Mitarbeiterin im Rahmen des FWF-Projektes „Diskursverhandlungen in Literatur über Hermaphroditismus“ von 2011 bis 2016. Seit 2017 ist Baier Beraterin an der Volkshochschule Wien.

Publikationen und Beiträge

Angelika Baier: Layers of Deviance: Intersexuality in Contemporary German Crime Fiction. In: Lynn M. Kutch, and Todd Herzog (eds): Tatort Germany: The Strange Case of German Crime Fiction. (http://www.jstor.org/stable/10.7722/j.ctt6wp9jw) Camden House: Rochester 2014, pp. 177-199

Angelika Baier: Affective Encounters and Ethical Responses in Robert Schneider’s Die Luftgängerin and Sybille Berg’s Vielen Dank für das Leben. (http://www.academia.edu/7061833/Affective_Encounters_and_Ethical_Responses_in_Robert_Schneiders_Die_Luftgängerin_and_Sybille_Bergs_Vielen_Dank_für_das_Leben_) In: Edinburgh German Yearbook, vol. 7 (Ethical Approaches in Contemporary German-language Literature and Culture), edited by Emily Jeremiah, and Frauke Matthes. Camden House: Rochester 2013, pp. 85-100

Angelika Baier: Intersections – Hermaphroditism as a Travelling Concept in Ulrike Draesner’s Novel Mitgift (2002). (http://www.academia.edu/7061807/Intersections_Hermaphroditism_as_a_Travelling_Concept_in_Ulrike_Draesners_Novel_Mitgift_2002_) In: Margaret-Anne Hutton, Claire Whitehead, and Michael Gratzke (eds): Readings in Twenty-First-Century Literatures. Peter Lang: New York et al. 2013, pp. 259-278

Angelika Baier: Empörende Ordnung: Kritik am binären Geschlechtersystem in Intersex-Texten. In: Alexandra Millner, Bernhard Oberreither, and Wolfgang Straub (eds): Empörung! Besichtigung einer Kulturtechnik. (http://www.facultas.at/list?back=dca39cf54e67662485c29242ac4d90e9&xid=4345341) Facultas: Vienna 2015, pp. 223-240

Angelika Baier/Susanne Hochreiter: Inter*geschlechtliche Körperlichkeiten – Diskurs/Begegnungen im Erzähltext. (http://zaglossus.eu/publikationen/alle/intergeschlechtliche-koerperlichkeiten) Zaglossus: Wien 2014

Angelika Baier: Inter_Körper_Text. Erzählweisen von Intergeschlechtlichkeit in deutschsprachiger Literatur. Zaglossus: Wien 2017

Bild und Text ab Montag, 26. Juni 2017 ab 9.00 Uhr MEZ verfügbar unter: http://scilog.fwf.ac.at


Wissenschaftlicher Kontakt
Dr. Susanne Hochreiter
Institut für Germanistik
Universität Wien
Universitätsring 1
1010 Wien
T +43 / 1 / 4277-42131
E susanne.hochreiter@univie.ac.at
W https://www.univie.ac.at/

Der Wissenschaftsfonds FWF
Ingrid Ladner
Haus der Forschung
Sensengasse 1
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 – 8117
E ingrid.ladner@fwf.ac.at
W http://scilog.fwf.ac.at
W http://www.fwf.ac.at

Versand
PR&D – Public Relations für
Forschung & Bildung
Mariannengasse 8
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 70 44
E contact@prd.at
W http://www.prd.at