Christo verhüllte den Reichstag

Das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude hat sich weltweit einen Namen mit spektakulären Verhüllungen gemacht. Die Berühmtheit der beiden in Deutschland lässt sich auf die Verhüllung des Reichstages zurückführen. Bereits 1960 reizte Christo der Gedanke, ein Gebäude von öffentlicher Bedeutung zu verhüllen. Auf seiner Wunschliste ganz oben standen dabei Parlamente und Gefängnisse. Zehn Jahre später brachte Michael S. Cullen das Künstlerpaar auf die Idee, den Berliner Reichstag zu verhüllen. Der Brief des in Berlin lebenden  Amerikaners überraschte die beiden, fand aber sofort Anklang. Cullen wurde damit beauftragt, alle Genehmigungen einzuholen, die für ein solches Projekt notwendig waren. An dieser Aufgabe scheiterte er. Und auch die Künstler selbst hatten zunächst keinen Erfolg.

 

Der Fall der Berliner Mauer brachte nicht nur politische Veränderungen mit sich, sondern brachte auch das Paar Christo und Jeanne-Claude ihrem Traum von der Verhüllung des Reichstages einen Schritt näher. 1991 sprach sich Rita Süssmuth, die damalige Präsidentin des Bundestages für das Projekt aus. Sie sicherte den beiden ihre volle Unterstützung zu. Neben einigen Befürwortern gab es aber auch zahlreiche Gegner der Verwirklichung, die überzeugt werden mussten. Mit viel Durchhaltevermögen und guten Argumenten schafften Christo und seine Anhänger es, eine Abstimmung des Bundestages im Februar 1994 zu erreichen. Diese ging positiv aus. Das Projekt Verhüllter Reichstag sollte durch eine zusätzliche Ausstellung im Vorfeld unterstützt werden.

 

Nicht nur die fertige Verhüllung stellte Kunst dar, sondern auch die Arbeit an sich. Nach 23 Jahren Vorbereitungszeit waren die Künstler und ihre Befürworter über das Ergebnis sehr glücklich. 90 Kletterer wurden engagiert, um die Verhüllung durchzuführen, da der Einsatz von Kränen und ähnlichem für Christo nicht in Frage kam. 13 Millionen Dollar hat das Projekt insgesamt gekostet. Der Berliner Reichstag war in der Zeit vom 24. Juni bis 7. Juli 1995 verhüllt. Rund fünf Millionen Schaulustige sollen das Kunstwerk besichtigt haben, allein 500.000 von ihnen waren am letzten Tag vor Ort.