(pressebox) München, 15.03.2011 – Preisverfall auf dem deutschen Markt bis zu 15 Prozent bei Komponenten von Windenergieanlagen (WEA), großvolumigere Windenergieprojekte im Erzeugungsmix der Energieversorger und starkes Wachstum im Offshore-Markt: Das sind die wesentlichen Trends, auf die sich die Unternehmen aus der Windenergiebranche einstellen, wie eine aktuelle Umfrage von goetzpartners unter Herstellern und Zulieferern von Windenergieanlagen ergeben hat. Die Befragten gehen davon aus, dass sie diesen Herausforderungen nicht nur durch Kostensenkung, sondern vor allem durch die Erschließung neuer Märkte und Geschäftsfelder, den Auf- und Ausbau weltweiter lokaler Netzwerke und den Eintritt in das Offshore-Geschäft begegnen können.
„Der Windenergiebranche bläst der Wind aus ständig wechselnden Richtungen entgegen.Das erfordert flexible Strukturen und ein Management, das die Richtungswechsel antizipiert oder wenigstens schnell auf sie reagiert“, so Günther Schermer, Partner und Energieexperte bei goetzpartners. Das Beratungshaus hat 30 deutsche WEA-Hersteller und -Zulieferer zu ihren Einschätzungen der Entwicklung im On- und Offshore-Markt befragt. Die Analyse der Ergebnisse zeigt, dass die Branche vor drei großen Herausforderungen steht: Preisverfall, Abwicklung großvolumiger Projekte und das starke Offshore-Wachstum.
Preisverfall – neue Märkte und Geschäftsfelder
Die Branche rechnet im deutschen Markt mit einem Preisverfall bis zu 15 Prozent bei WEAKomponenten in den nächsten zwei Jahren. Am stärksten davon betroffen sind u.a. Rotorblätter und Getriebe. Neben Kostensenkungsmaßnahmen im heimischen Markt gilt es die stagnierende Nachfrage im deutschen Onshore-Geschäft durch Erschließung neuer Märkte zu kompensieren. Deshalb konzentrieren sich die Unternehmen auf die zukünftigen Wachstumsmärkte wie z.B. Frankreich, Großbritannien, China und die USA.
„Um vom Potenzial der internationalen Wachstumsmärkte auch wirklich profitieren zu können, müssen die deutschen WEA-Hersteller fokussierte Markteintritts- und -bearbeitungsstrategien entwickeln“, meint Marc von Braun, Partner und Vertriebsexperte bei goetzpartners.In gesättigten Märkten wie in Deutschland ist dagegen die Vorwärtsintegration in das Servicegeschäft der richtige Schritt.
Das sehen auch die Windanlagenhersteller so. Da nach Einschätzung der Befragten der Großteil der Gewinne in Europa bis 2020 aus Dienstleistungen rund um den Betrieb und die Installation von Windenergieanlagen kommen wird, planen sie entsprechende Geschäftsmodelle einzuführen.
Großvolumigere Projekte – weltweite lokale Netzwerke
Da Energieversorger zunehmend Windenergie in ihren Erzeugungsmix integrieren, nimmt auch die Größe der Projekte für die WEA-Hersteller und -Zulieferer zu. Die Folge: Unternehmen müssen ihre Prozesse entlang der Wertschöpfungskette effizienter gestalten. Beispielsweise brauchen sie Zulieferer, die große Volumina bedienen können. Darüber hinaus müssen aber auch Logistik- und Installationskapazitäten in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen. „Um die großvolumigeren Projekte international bedienen zu können, sind leistungsstarke und weltweit aktive Netzwerke von OEMs und Zulieferern unabdingbar“, sagt Marc Staudenmayer, Managing Director und Supply Chain Experte bei goetzpartners.
Wachstum offshore – geeignete Strategien
Bis 2025 werden ca. 17 Gigawatt Offshore-Kapazitäten in Deutschland installiert sein, trotz der aktuell existierenden Finanzierungsengpässe. Geht man von der heute installierten Kapazität aus, entspricht dies einem jährlichen Wachstum von über 35 Prozent. Da der Offshore- Markt nicht zuletzt aufgrund der hochkomplexen Technologien sehr anspruchsvoll ist, gilt es hohe Markteintrittsbarrieren zu überwinden. Dies kann beispielsweise durch Joint Ventures mit geeigneten Partnern oder Akquisitionen in den Zielmärkten gelingen.
„Im Rahmen der Joint Ventures und Akquisitionen geht es vor allem darum, das für den Offshore-Markt notwendige Know-how und Personal sowie die erforderliche Technologie aufzubauen“, sagt Dr. Jan-Hendrik Röver Managing Director und M&A-Experte bei goetzpartners.
Ausblick
Mittelfristig werden nur jene OEMs und Zulieferer Rückenwind erfahren, denen es gelingt, neue profitable Onshore-Märkte und -Geschäftsfelder zu erschließen, ihre Supply Chain durch weltweite lokale Netzwerke weiter zu industrialisieren und durch geeignete Strategien vom Offshore-Wachstum zu profitieren. Hierfür ist der gezielte Einsatz von Managementressourcen das Kernkriterium. Dies wird nicht jedem Marktteilnehmer gelingen.
