(Artikel-Presse.de) Essen. Sind Sie der Meinung, dass „Ihre Arbeit nicht alles im Leben ist“? Fühlen Sie sich manchmal auch „zu Unrecht bei Ihrer Arbeit kritisiert“?
Kündigen Sie doch einfach fristlos, wenn Ihnen alles auf den Geist geht.
Wie, das geht nicht, meinen Sie?
Haben Sie Angst, ihren finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen zu können, weil Wohnung, Versicherungen, Raten fürs Auto und andere Konsumkredite zu teuer sind? Oder ist die Hypothek fürs kleine Eigenheim noch nicht abgetragen?
Ist es die Befürchtung, keine neue Arbeit zu finden, oder zumindest keine Anstellung zu einem angemessenen Gehalt, da der Niedriglohnsektor selbst für qualifizierte Arbeitnehmer in den letzten Jahren immer mehr ausgebaut wurde?
Ist die Angst womöglich dahingehend, nach nur 1 Jahr oder bei über 57jährige Erwerbslose nach 24 Monaten in Hartz4 abzustürzen? Achja, stimmt ja, das Sparpaket sieht eine Kürzung der über 50jährigen auf ebenfalls 12 Monate vor.
Den unerträglichen Gedanken, alles zu verlieren, was man sich in seinem Arbeitsleben hart erarbeitet und aufgebaut hat?
Sie wollen nicht das Risiko eingehen, womöglich hinterher zu der Bevölkerungsgruppe zu gehören, auf die immer rumgeprügelt wird von seitens der Politik und der Presse?
Ministerpräsident oder besser noch Bundespräsident hätten Sie werden sollen.
Eine Neiddebatte wollen wir jetzt nicht führen, aber eine Gleichheitsdebatte.
Führende Politiker schmeissen alles hin und werden dafür auch noch stattlich entlohnt, obwohl sie sich ihrer Verantwortung dem Volk gegenüber drücken inmitten der größten wirtschaftlichen Krise der Bundesrepublik Deutschland.
Der designierte 52jährige Ex-Ministerpräsident Roland Koch kann laut Steuerzahlerbund max. 2 Jahre lang Übergangsgeld von anfangs 15.160€, sinkend bis auf 6.727€ nach seinem Rücktritt beziehen.
Die kurze Übergangszeit bis zu seinem 55. Lebensjahr dürfte finanziell verkraftbar sein, ab dem 55. Geburtstag erwartet ihn aus Normalverdienersicht eine nahezu fürstlich anmutende Pension von 7.272€, monatlich versteht sich.
Unser Ex-Bundespräsident Horst Köhler erhält bis an sein Lebensende einen sogenannten Ehrensold von monatlich 17.000€, selbstverständlich mit jährlichen Anpassungen und Erhöhungen.
Zu den Tugenden der Deutschen zählt vor allem das Pflichtbewußtsein.
Stellen Sie sich jetzt einfach mal vor, Sie kündigen von heute auf morgen ihre Arbeit mit der Begründung,“diese Arbeit wäre nicht alles in Ihrem Leben“ und die „Kritik an Ihrer Person würde den Respekt vor ihrer Arbeit vermissen lassen“.
Was würde passieren?
Sie würden von der Bundesagentur für Arbeit erst mal direkt eine 3monatige Sperre verhängt bekommen, da Sie die Arbeitslosigkeit selber absichtlich herbeigeführt haben.
Desweiteren würde Ihr Arbeitgeber Sie auf Schadensersatz verklagen, da Sie Ihren arbeitsvertraglichen Pflichten nicht nachgekommen sind.
Nach 12 oder 24 Monaten ALG 1 würden Sie in Hartz4 fallen, müßten sich vor der ARGE oder Jobcenter völlig nackt machen betreffs Ihrer finanziellen Lage etc. Wären fortan der Verfolgugungsbetreuung der Sachbearbeiter ausgesetzt und würden womöglich sogar als Akademiker oder qualifizierte Fachkraft dazu verdonnert, in einem 1-€-Job in Parks Laub zu fegen oder in sinnlosen Bewerbungstrainings Ihre Zeit zu vergeuden.
Ebenso gehören Sie dann ausgerechnet zur Bevölkerungsgruppe der „arbeitsfaulen bildungsfernen Sozialschmarotzer“.
Ein Arbeitnehmer wird beim Hinschmeissen seiner Verpflichtungen im Gegensatz zu einem Ministerpräsidenten oder Bundespräsidenten nicht geehrt wie aktuell Herr Köhler mit dem großen Zapfenstreich, es wird auch nicht sein Weggang öffentlich betrauert wie bei Herrn Koch und fürstlich entlohnt, sondern wird als Hartz4-Empfänger noch diskriminiert, um einen Großteil seines Vermögens gebracht und von seinem ehemaligen Arbeitgeber wegen Schadensersatz vor Gericht gezerrt.
Was lernen wir daraus? Beim normalen Bürger und bei Politikern wird mit zweierlei Maß gemessen. Es sind nicht alle Menschen gleich, obwohl das Grundgesetz genau dieses besagt.
Tanja Gwiasda
Regionalgruppe Essen
Bund soziales Zentrum Deutschland e.V.
