Sufi-Gesang der Mirasi

Hamm. Die „März-Expedition“ des Klangkosmos führt auf den asiatischen Kontinent, in das Grenzgebiet von Indien und Pakistan – womit zwar nicht unbedingt territoriales, aber auf jeden Fall wieder einmal musikalisches Neuland betreten wird. Denn Mukhityar Ali, der mit seinen drei musikalischen Mitstreitern am 8. März in der Pauluskirche zu Gast ist, bringt Lieder aus der alten Tradition des Sufiana Qalam zu Gehör.

1972 in dem kleinen Dorf Pugal im indisch-pakistanischen Grenzgebiet des Bundesstaates Rajasthan geboren, gehört Mir Mukhtiyar Ali zur halbnomadischen Mirasi-Bruderschaft, die ursprünglich aus der Thar-Wüste stammt. Er repräsentiert bereits die 26. (!) Generation dieser mystischen Bruderschaft. Über Jahrhunderte hinweg haben die Mirasi das Erbe des Sufiana Qalam bewahrt. Es handelt sich dabei um eine tief im Sufismus verwurzelte pakistanisch-indische Musikform, ähnlich dem Qawwali. Sie geht auf den vor rund 800 Jahren im heutigen Afghanistan geborenen islamischen Mystiker Dschalal ad-Din Muhammad Rumi zurück – einen der bedeutendsten Dichter des Mittelalters. Der ekstatische Gesang des Sufiana Qalam ist eine der Techniken, mit denen Sufi-Mystiker die Annäherung an Gott praktizieren. Die einzelnen Gesänge sind nicht streng durchkomponiert, sondern Improvisationen, die bis zu 30 Minuten dauern können.
Man kann verschiedene Formen unterscheiden:
Ghazal ist eine Liedform in Versen, deren Inhalt stets die Liebe zu Gott ausdrückt, auch wenn sie sich an ein menschliches Gegenüber richtet.
Tarana gehören zur nordindischen klassischen Musik. Es sind teilweise schnelle, rhythmische Gesänge, deren Text nur aus einzelnen Silben besteht und als Intermezzo innerhalb eines Stückes dienen.
Hamd ist eine Lobpreisung an Gott, damit wird normalerweise ein Konzert eröffnet.
Na‘ at ist eine Hymne an den Propheten.
Das Instrumentarium ist seit dem 18. Jahrhundert weitgehend gleich geblieben: rhythmisches Händeklatschen, polyphoner Gesang, dazu Trommeln (Dholak – eine Doppelfelltrommel und Tabla – ein Trommelpaar (groß und klein) mit unten geschlossenem Korpus). Eine wichtige Ergänzung kam im 19. Jahrhundert hinzu – das von englischen Missionaren mitgebrachte Harmonium.

Mukhtiyar Ali kämpft für die Erhaltung der alten Tradition des Sufiana Qalam und nutzt daher gern auch die Gelegenheit, sie im Ausland zu präsentieren. Im Klangkosmos singt er Texte von Sufi-Heiligen wie Kabir (1398-1448) und Bhulle Sha (1680-1758), die sich für das Streben nach Gleichheit und Toleranz zwischen den verschiedenen Kasten, Religionen, Nationalitäten und Geschlechtern einsetzen. Begleitet wird er von Fakru Deen, Jethuram Dholi und Kaluk Khan, die ihn mit dem traditionellen Instrumentarium und Gesang unterstützen.

Achtung: Da die Lutherkirche durch Renovierungsmaßnahmen nicht zur Verfügung steht, findet das Konzert des Mir Mukhtiyar Ali Quartetts in der Pauluskirche (Marktplatz, 59065 Hamm) statt! Der Beginn ist wie immer 17.30 Uhr, der Eintritt ist frei!

Pressekontakt: Kulturbüro, Heike Bednarz, Tel.: 0 23 81/17-55 51

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