Systematische Ansätze in der Beratung von Patienten/Kunden mit chronischen Schmerzen

Sehr geehrte/r Leser/in,

ich möchte Ihnen in mehreren Teilen meine Seminararbeit im Rahmen der Ausbildung zum „Systemischen Berater“ INSYS® mit dem Titel „Systematische Ansätze in der Beratung von Patienten/Kunden mit chronischen Schmerzen“ vorstellen.

Teil 9

6.2.2. Tilgungen

 

Durch Tilgungen werden Teile der ursprünglichen Erfahrung weggelassen, der

chronische Schmerzpatient merkt selbst gar nicht mehr, dass er etwas weggelassen

hat und lebt in diesem eingeschränkten Modell.

 

Präsentierte Oberflächenstruktur:

„Nach der letzten Sitzung/ Behandlung ging es mir tags darauf sehr viel schlechter.“

 

Tiefenstruktur:

Frau Müller ging es direkt nach der Behandlung viel besser. Sie war beschwingt

Und motiviert, und hat noch am selben Nachmittag die Fenster in ihrer Wohnung

geputzt. Dadurch kam es zu einer Überlastung der Muskulatur, die die

Schmerzzunahme am nächsten Tag verursachte.

Chronische Schmerzpatienten haben ihre Aufmerksamkeit selektiv auf den Schmerz,

andere positive Erfahrungen (Bewegungserfahrungen) werden ausgeblendet.

Die Welt des chronischen Schmerzpatienten ist auf den Schmerz reduziert.

Genaues Hinterfragen durch das Zurückgehen in die Situation, ermöglicht es dem

Klienten das Wohlgefühl noch einmal aufleben zu lassen, warum es überhaupt zum

Fensterputz gekommen ist.

 

6.2.3 Verzerrungen:

Durch Verzerrungen stellen wir bestimmte Erfahrungen in falschen Proportionen dar.

Erfahrungen aus unserer Lebenswelt werden zu Ereignissen verdinglicht, die der

Eigenen Kontrolle entzogen sind oder entzogen scheinen. (Dr. M. Barthelmess)

Präsentierte Oberflächenstruktur:

Diese Therapie habe ich schon gemacht. Das hat auch nicht geholfen.

 

Tiefenstruktur:

Ich habe die Therapie nach 3 Wochen abgebrochen, da sie mir nichts gebracht hat,

vielleicht hätte ich länger durchhalten müssen.

 

Beraterverhalten:

Die Sprache des chronischen Schmerzpatienten ist gekennzeichnet von Unklarheiten,

Verdrehungen, Auslassungen etc., ohne dass er es bewusst wahrnimmt.

Auch hier läuft der Zuhörer Gefahr, in eine Art „Trance“ versetzt zu werden, in der

dann der eigene Film, die eigenen Vorstellungen des Geschehens ablaufen.

Wichtige Voraussetzung für den Berater oder Coach ist es, die „neutrale und professionelle Distanz“ zu wahren, um die Neugierde und das Nichtwissen aufrecht

Zu erhalten.

 

 

Vielen Dank für Ihr Interesse.

Mit freundlichen Grüßen

Sissi Tiedemann

 

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

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