Studiengebühren: Gebührenfreie Länder sind doppelte Verlierer

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Studiengebühren: Gebührenfreie Länder sind doppelte Verlierer

Studienbewerber weichen Studiengebühren aus – allerdings nur in geringem Ausmaß: Die Wahrscheinlichkeit, dass Studienanfänger ihr Studium im heimischen Bundesland aufnehmen wollen, sinkt in Gebührenländern um rund zwei Prozentpunkte. Das ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen Studie des DIW Berlin. „Vor allem Abiturienten mit schlechten Zeugnissen weichen den Gebührenländern aus“, sagte DIW-Finanzexpertin Nadja Dwenger. „Studienanfänger mit sehr guten Abiturnoten schrecken die Studiengebühren dagegen kaum ab.“

Seit das Bundesverfassungsgericht 2005 das Verbot von Studiengebühren aufgehoben hat, erheben sieben Bundesländer Studiengebühren von bis zu 500 Euro pro Semester. Wie reagieren Studienbewerber mit ihrem Mobilitätsverhalten auf diese Gebühren? Weichen sie den „Gebührenländern“ aus und bewerben sich in Ländern, die keine Gebühren erheben? Und wenn ja, in welchem Umfang? Diese Fragen hat das DIW Berlin anhand von Daten der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) der Jahre 2002 bis 2008 untersucht.

Studiengebühren führen zu schwachen Ausweichreaktionen
Die Ergebnisse zeigen: Studierende weichen Studiengebühren aus – allerdings nur in geringem Ausmaß: Für Studienanfänger aus Gebührenländern reduziert sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie ein Studium im Heimatbundesland beginnen wollen, um knapp zwei Prozentpunkte von 69 Prozent auf 67 Prozent.

Schlechte Noten machen mobil – Einserschüler weichen Gebühren kaum aus
Am ehesten neigen Bewerber mit schlechten Noten dazu, in Länder ohne Studiengebühren abzuwandern. Besonders gute Studienanfänger mit Abiturnoten von 1,0 bis 1,5 bleiben trotz Gebühren eher im Heimatland. „Es könnte sein, dass diese Abiturienten auch für ihr Studium mit sehr guten Leistungen rechnen und damit entsprechende Verdienstmöglichkeiten nach dem Studienabschluss erwarten“, sagte Katharina Wrohlich, Co-Autorin der DIW-Studie. „Möglicherweise sind sie daher eher bereit, für das Studium zu bezahlen.“ Ebenso sei es möglich, dass sich einige Studienanfänger von den Gebühren eine höhere Qualität der universitären Ausbildung versprechen und bereit sind, dafür zu zahlen.

Gebührenfreie Länder haben keinen Wettbewerbsvorteil
Der ,Noteneffekt‘ führt dazu, dass Gebührenländer die guten Studenten an sich binden, während Bewerber mit schlechteren Noten eher in kostenfreie Länder abwandern. „Die gebührenfreien Länder haben keinen Wettbewerbsvorteil“, sagte Johanna Storck, ebenfalls Co-Autorin der DIW-Studie. „Ihnen gelingt es nicht, mit einem gebührenfreien Studium herausragende Bewerber aus den kassierenden Ländern abzuwerben.“ Die Gebührenländer profitieren dagegen doppelt: Sie erhalten zusätzliche finanzielle Mittel, mit denen sie eine bessere Hochschulqualität finanzieren können und binden Studenten mit besserer Abitur-Note.

„Landeskinder-Regelung“ kann Wanderungsbewegung aufheben
„Wollen die gebührenfreien Länder die Wanderungsbewegungen stoppen, könnten sie Gebühren in Form der ,Landeskinder-Regelung‘ einführen“, so Johanna Storck. „Dann müssen nur landesfremde Studenten Gebühren zahlen.“ Ein ähnliches Modell wird in den USA angewendet, wo Studenten zu reduzierten Gebühren an öffentlichen Universitäten im eigenen Land studieren können.

Studiengebühren erhöhen die Mobilität von Studienbewerbern kaum. Von Nadja Dwenger, Johanna Storck, Katharina Wrohlich. In: Wochenbericht 43/2009

Außerdem im Wochenbericht:

– Konjunkturopakete: Verpasste Chance für langfristiges Wachstum. Von Lars Handrich, Philipp Meinen, Ferdinand Pavel und Daniel Wissmann
– Ökonomie-Nobelpreis und das Doping-Problem im Sport. Kommentar von Gert G. Wagner

http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.342284.de/09-43.pdf

Renate Bogdanovic
Pressestelle
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)
German Institute for Economic Research
Mohrenstraße 58
10117 Berlin
Tel. +49-30-897 89 249
mailto:presse@diw.de

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Absatz von Mineraldünger insgesamt stark gesunken

Wiesbaden (pressrelations) –

Absatz von Mineraldünger insgesamt stark gesunken

WIESBADEN – Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, wurden im Wirtschaftsjahr 2008/2009 (Juli 2008 bis Juni 2009) aus inländischer Produktion oder Einfuhr 1,55 Millionen Tonnen Stickstoffdünger, 0,17 Millionen Tonnen Phosphatdünger, 0,18 Millionen Tonnen Kalidünger und 2,38 Millionen Tonnen Kalkdünger an landwirtschaftliche Absatzorganisationen oder Endverbraucher in Deutschland abgesetzt.
Gegenüber dem Wirtschaftsjahr 2007/2008 nahm der Absatz damit bei Stickstoffdüngern um 14,2%, bei Phosphatdüngern um 44,9% und bei den Kalidüngern um 65,0% ab. Seit 1949/1950 wurde in keinem Wirtschaftsjahr weniger Phosphat- und Kalidünger abgesetzt. Demgegenüber stieg der Absatz von Kalkdünger im Wirtschaftsjahr 2008/2009 gegenüber 2007/2008 um 8,1%.

Der Aufwand je Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche sank 2008/2009 im Vergleich zu 2007/2008 bei Stickstoffdüngern von 107 auf 92 Kilogramm, bei Phosphatdüngern von 19 auf 10 Kilogramm und bei Kalidüngern von 30 auf 11 Kilogramm. Bei Kalkdüngern stieg der Aufwand je Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche von 125 auf 135 Kilogramm.

Im Wirtschaftsjahr 2008/2009 wurden die Stickstoffdünger zu 40% als Kalkammonsalpeter, zu 28% als Harnstoffdünger und zu 10% als Ammonnitrat-Harnstoff-Lösungen abgesetzt. Als Mehrnährstoffdünger kamen Stickstoffdünger lediglich mit 7% zum Einsatz. Demgegenüber wurden Phosphatdünger zu etwa 95% als Mehrnährstoffdünger abgegeben; dabei überwogen mit einem Anteil von 68% die Stickstoff-Phosphatdünger.
Kalidünger wurden zu 46% als Kaliumchlorid abgesetzt, 39% entfielen auf Mehrnährstoffdünger. Kalkdünger wurden zu zwei Dritteln (66%) als Kohlensaurer Kalk verkauft.

Entgegen der rückläufigen Entwicklung beim Absatz von Stickstoffdüngern insgesamt wurde innerhalb dieser Gruppe 42,6% mehr Harnstoffdünger abgesetzt als im Wirtschaftsjahr 2007/2008; der Absatz von Kalkammonsalpeter nahm dagegen um 22,5% ab.

Ausführliche Ergebnisse der Düngemittelstatistik bietet die Fachserie 4, Reihe 8.2. Sie ist im Publikationsservice von Destatis unter:
www.destatis.de/publikationen, Suchwort „2040820“ kostenlos erhältlich.

Eine Tabelle bietet die Online-Fassung dieser Pressemitteilung unter www.destatis.de.

Weitere Auskünfte gibt:
Jeanette Kühn,
Telefon: (0611) 75-2290,
E-Mail: duengemittel@destatis.de

Herausgeber: (c) Statistisches Bundesamt, Pressestelle
Gustav-Stresemann-Ring 11, 65189 Wiesbaden
Telefon: +49 (0) 611 / 75 – 34 44, Telefax: +49 (0) 611 / 75 – 39 76
mailto: presse@destatis.de
http://www.destatis.de

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