Essalltag in Familien berufstätiger Mütter Mehrfachbelastung ruht auf den Schultern der Frau

(BSOZD.com-NEWS) Bonn. (aid) – „Essen ist in Deutschland nach wie vor eine betont familienbezogene Angelegenheit“, das stellte Professorin Uta Meier-Gräwe auf der Giessener Hochschultagung 2008 fest. Um diese Familienmahlzeiten zu Hause zu organisieren, leisten gerade berufstätige Mütter einen erheblichen intellektuellen und zeitlichen, aber auch finanziellen und logistischen Aufwand.

Sie sind Tag für Tag damit beschäftigt, die zeitlichen Kollisionen zwischen den eigenen Arbeitszeiten, den starren Öffnungszeiten für die Kinderbetreuung und den Erwerbszeiten des Partners auszutarieren. Unterstützung durch den Partner bekommen sie nur selten. Selbst bei vollzeitbeschäftigten Müttern mit zwei schulpflichtigen Kindern fällt die Mitarbeit des Vaters mit täglich 20 Minuten bescheiden aus. Auch Kinder helfen immer seltener bei der Zubereitung von Mahlzeiten.

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Welche Alltagsarrangements und Ressourcen zur Gewährleistung des Essalltags getroffen bzw. genutzt werden, wer die Fäden in der Hand hat und wie zufrieden Mütter mit der Unterstützung aus dem privaten und dem öffentlichen Raum sind, wurde in einer Studie über den Essalltag von Familienhaushalten mit berufstätigen Müttern untersucht.

Ein Ergebnis ist laut Meier-Gräwe, dass beruflich ambitionierte Akademikerinnen großen Wert auf eine gesunde Ernährung ihrer Kinder legen. Ihnen geht es darum, mit einem möglichst geringen Zeitaufwand ein selbst zubereitetes Essen auf den Tisch zu bringen, das die befürchteten ernährungsphysiologischen Defizite der Mahlzeiten in den Betreuungseinrichtungen ausgleichen soll. Mütter mit niedrigem Bildungsstand und unbefriedigenden Arbeitsinhalten beziehen hingegen ihre Identität wesentlich über ihre Rolle als Versorgerin der Familie mit der Folge, dass sie allabendlich oft zu üppig und zu energiereich kochen, ohne in Erfahrung zu bringen, was die Familie tagsüber bereits gegessen hat.

Die Studie verdeutlicht, dass die Ernährungsbildung von Eltern und Kindern ebenso notwendig ist, wie die alltagsnahe Vermittlung von Kulturtechniken des Essens und Trinkens. Sie zeigt auch, dass es nach wie vor einen erheblichen Handlungsbedarf beim Ausbau einer qualitativ hochwertigen Kindergarten- und Schulverpflegung gibt. In der jetzigen Struktur wird weder der ernährungsphysiologische Bedarf der Kinder zufriedenstellend gedeckt, noch die Berufstätigkeit der Mütter quer durch alle Bildungsgruppen verlässlich unterstützt, so Meier-Gräwe. Der konkrete Bedarf der Mütter variiert allerdings erheblich: Während bei den einen Müttern die zeitliche Entlastung bei der Organisation des Essalltags durch öffentliche Angebote für die Kinder im Vordergrund steht, kristallisiert sich für andere der Unterstützungsbedarf in der Vermeidung bzw. Bekämpfung von Übergewicht und Bewegungsmangel als besonders dringlich heraus. Meier-Gräwe zog folgendes Fazit: „Kindergärten, Schulen, Schulträger und andere kommunale Entscheidungsträger müssen diese Themen angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen verstärkt aufgreifen, indem sie für die Kinder nicht nur ein gesundes und bezahlbares Essen anbieten, sondern es gleichermaßen als immanenten Bestandteil ihres Bildungsauftrags ansehen, dafür Sorge zu tragen, dass sich an Kindertagesstätten und Schulen eine hohe Esskultur entwickeln kann, an der Kinder, unabhängig von ihrer Herkunft, selbstverständlich teilhaben.“
aid, Eva Weißen

Weitere Information: Die Studie „Ernährungsversorgung zwischen privatem und öffentlichem Raum – Der Essalltag von Familienhaushalten“ fand von 2004 bis 2007 unter der Leitung von Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe und Prof. Dr. Ingrid-Ute Leonhäuser an der Universität Gießen statt.

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