Krebs: Neuer Inhibitor zeigt Wirkung, wo andere versagen

Gezielte Myelom-Behandlung bei austherapierten Patienten untersucht. Mediziner der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems beteiligt an internationaler Studie.

 

Krems, 3. Dezember 2019 – Ein spezieller Wirkstoff (Selinexor) bietet bei der Behandlung von austherapierten Myelom-Patientinnen und -Patienten eine neue Behandlungsmöglichkeit. Das ist das Ergebnis einer großen internationalen klinischen Studie unter Beteiligung der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften Krems (KL Krems). Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt im angesehenen New England Journal of Medicine veröffentlicht. Dank eines neuen Wirkmechanismus bietet das Medikament vor allem für jene – wachsende – Gruppe an Patientinnen und Patienten Hoffnung, deren Tumorzellen bereits gegen die drei gängigen Wirkstoffklassen von Therapeutika Resistenzen entwickelt haben und bei denen keine aktuell verfügbare Therapie mehr Verbesserung bringt.

 

Das Multiple Myelom ist die zweithäufigste Krebserkrankung blutbildender Zellen. Zur Behandlung stehen neben der autologen Stammzelltransplantation und der konventionellen Chemotherapie drei Therapietypen zur Verfügung, die meist in Kombination verabreicht werden: Immunmodulatoren, monoklonale Antikörper und Proteasominhibitoren. Entwickeln die Betroffenen Resistenzen gegen einen der Medikamententypen, wird oftmals zu einem anderen Typ gewechselt. Doch immer häufiger gibt es Patientinnen und Patienten, deren Tumorzellen bereits gegen alle drei Typen resistent sind. Für diese existiert derzeit keine weitere medikamentöse Behandlung mit Aussicht auf Besserung. Ein neues Medikament bietet nun neue Behandlungsmöglichkeiten, wie ein internationales Team unter Beteiligung von Dr. Klaus Podar (Klinische Abteilung für Innere Medizin 2 des Universitätsklinikum Krems) der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften Krems (KL Krems) zeigen konnte.

 

Klares Ergebnis

„Mehr als ein Viertel aller Myelom-Betroffenen zeigten in unserer Studie eine als positiv zu wertende Reaktion auf die Behandlung mit dem neuen Wirkstoff Selinexor in Kombination mit Dexamethason, einem Immunsuppressivum“, kommentiert Klaus Podar das wesentliche Ergebnis der Studie. In dieser wurde als primärer Endpunkt eine über 50-prozentige Reduktion des Vorkommens von Myeloma-Protein im Serum Betroffener definiert. Einige wenige der Behandelten zeigten sogar eine deutlich stärkere Reduktion dieses krebsrelevanten Proteins. Auf Grund dieser überzeugenden Ergebnisse wurde das Medikament in den USA vor kurzem bereits durch ein beschleunigtes Verfahren zugelassen.

 

Insgesamt wurde im Rahmen der klinischen Phase-2b-Studie 122 Betroffenen in Europa und den USA die Teilnahme an der Studie ermöglicht. Im Mittel waren die Patientinnen und Patienten 65 Jahre alt und litten bereits über 6 Jahren an einem Myelom. Alle Betroffenen hatten bereits zwischen 3 und 18 Therapien erhalten, und dennoch war die Erkrankung bei allen auf Grund von Resistenzen der Tumorzellen voranschreitend. Sie alle erhielten den neuen Wirkstoff zusammen mit Dexamethason.

 

Neue Chancen

Selinexor ist vor allem auch deshalb interessant, da die Substanz einen völlig neuen Wirkmechanismus bietet. Dieser beruht auf der Hemmung des Proteins Exportin-1 (XPO-1), das für den Transport von Tumor-assoziierten Molekülen aus dem Energiezentrum der Zelle (dem Zellkern) in das Zytoplasma der Zelle verantwortlich zeichnet. Außerdem aktiviert Selinexor Tumorsuppressorproteine im Zellkern. Der Wirkstoff tötet damit die Krebszellen. Besonders für vielfach vorbehandelte Patienten, für die es praktisch keine weiteren Therapieoptionen mehr gibt, stellt der neue, als Tablette verfügbare Wirkstoff einen Hoffnungsträger dar, wie Klaus Podar ausführt: „Der Wirkstoff hat damit das Potenzial, auch dann noch Behandlungsoptionen zu erlauben, wenn andere Therapeutika – bedingt durch Resistenzen – versagen.“

 

Die beschleunigte US-Zulassung des Medikaments zeigt für Klaus Podar auch, wie effektiv gezielte Therapien unter Umständen sein können und wie wichtig entsprechende Forschung zum Nutzen unserer Patientinnen und Patienten ist. Dabei stellt Selinexor nur eine von vielen neuen Ansätzen in der Myelom-Therapie dar, die im Rahmen der onkologischen Forschung an der KL Krems verfolgt werden. Zu diesen zählen die gezielte Regulierung von Transkriptionsfaktoren sowie spezielle Kombinationstherapien im Rahmen der autologen Stammzelltransplantation. Einen guten Überblick über die entsprechenden Aktivitäten gewannen Expertinnen und Experten vor kurzem auf dem 9. Niederösterreichischen Onkologietag an der KL Krems, die sich nicht zuletzt damit immer mehr zum Zentrum der Onkologie in Niederösterreich etabliert.

 

Originalpublikation: Oral Selinexor–Dexamethasone for Triple-Class Refractory Multiple Myeloma. Ajai Chari, M.D. et al. N Engl J Med 2019; 381:727-738. DOI: 10.1056/NEJMoa1903455

 

Über die Karl Landsteiner Privatuniversität Krems

Die Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften (KL) ist Wegbereiterin und Katalysatorin für zukunftsorientierte, gesellschaftlich relevante Lehr- und Forschungsbereiche in der Medizin und den Gesundheitswissenschaften. In diesem Sinne fokussiert sie auf ein fächerübergreifendes, international ausgerichtetes Studienprogramm, das eine sinnvolle Ergänzung zum klassischen Ausbildungsangebot der öffentlichen Universitäten darstellt. Mit ihrem europaweit anerkannten Bachelor-Master-System stellt die KL eine flexible Bildungseinrichtung dar, die auf die Bedürfnisse der Studierenden und Anforderungen des Arbeitsmarkts abgestimmt ist. In der Forschung konzentriert sich die KL gezielt auf Nischenfelder in gesundheitspolitisch relevanten Brückendisziplinen wie der Medizintechnik, der Psychodynamik und Psychologie sowie dem Thema Wasserqualität und den damit verbundenen gesundheitlichen Aspekten. Die KL wurde 2013 gegründet und von der Österreichischen Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung (AQ Austria) akkreditiert.

 

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Priv.-Doz. Mag. DDr. Klaus PodarKlinische Abteilung für Innere Medizin 2
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